Selbstversuch

Wie schnell kann man Ukulele lernen?

Simone Höhl

Am Wochenende steigt in Freiburg ein Ukulelefestival. Es gibt Konzerte und Workshops – auch für Anfänger. Simone Höhl hat ausprobiert, wie schnell man Ukulele lernen kann.

Die Ukulele. Der Kollege denkt als erstes an Marilyn Monroe in "Manche mögen’s heiß", der Workshopleiter erwähnt schon beim Vorgespräch Roy Smeck, einen Ukulelegott der 30er-Jahre, als das Instrument total populär war. Ich feil’ mir mal die Nägel der linken Hand ab, das sei von Vorteil, sagt Martin Walter, der Ukulelelehrer, der das Festival mitorganisiert. Für das braucht man weder Ukulele noch Bastrock. "Wer einen hat, darf aber gerne", sagt er. Der Mann hat Humor. Den braucht er auch, ich weiß nicht mal, wie rum man ein Saiteninstrument hält. Die perfekte Testperson.


So kann ein Ukulele-Konzert auch klingen. Diese zwei Mädels machen es vor:



Start mit einem Lied mit nur einem Akkord

"Das Tolle ist, dass die Ukulele nur vier Saiten hat und relativ leicht zu lernen ist", sagt Walter im Unterrichtsraum am Schwabentor und schon geht’s los. Ukulelenhals nach links, linker Ringfinger auf die unterste Saite im dritten Bund und mit dem rechten Daumen locker die Saiten durchschlagen, sagt der 53-Jährige im Hawaiihemd. "Schon haben wir den ersten durchschlagenden Erfolg." C-Dur. Ich darf weiter "den Beat spielen" und Walter singt Bruder Jakob, das Lied mit nur einem Akkord. Gleich gibt’s den zweiten: Zeige- und Mittelfinger da und dorthin: F-Dur! Und im Wechsel – C geht, aber wohin sollten die beiden F-Finger? Und wie soll das flott gehen? "Und atmen nicht vergessen", meint Walter gutmütig.

"Man braucht nicht groß Musiktheorie, kann einfach loslegen und Spaß haben." Martin Walter
Er singt "Rock my Soul" zu den zwei Akkorden und braucht langen Atmen. "Oh rock my...", ähm Zeigefinger da, Mittelfinger dort, "...soul". Klappt, klingt aber nicht. Weil ich gar nicht so fest, aber senkrechter auf die Saiten drücken und dafür die Hand verbiegen muss. Knifflig, wenn man krampfhaft versucht, nebenbei die Ukulele zu halten, ohne ihr den Hals zu brechen. Das wird, meint der Lehrer. Drei Finger: G-Dur! Und a-Moll. Walter hat Gitarre studiert und dachte früher, Ukulele sei kein ernstzunehmendes Instrument. Doch seine Frau tanzt Hula (da gibt’s auch einen Workshop), er hörte Bands richtig spielen und dachte: "Wow." Heute gibt er acht Gruppenkurse und hat ein Orchester mit 30 Ukulelen, von Sopran bis Bass: Die "Black Forest Ukes" spielen beim Festival, wo es auch einen Kurs für Roy Smecks irre alte Techniken gibt. Stefan Pößiger musste sie per Skype von einem Amerikaner lernen.

Nach einer Stunde hat man vier Akkorde drauf

Der Anfängerkurs dauert eine Stunde. "Man braucht nicht groß Musiktheorie, kann einfach loslegen und Spaß haben." Ukulele heißt übersetzt "hüpfender Floh" und sie ist wenig angsteinflößend. Die Clara-Grundwald-Grundschule hat einen ganzen Klassensatz und leiht ihn Martin Walter für Samstag.

Am Ende der Stunde bin ich kein blutiger Anfänger, nur die linken Fingerspitzen sind noch beim Artikelschreiben taub, und kann schon ein paar Lieder. Naja, theoretisch. Die vier Akkorde reichen für das hawaiianische Lied "E Malama", doch die Finger im Wechsel auf dem Griffbrett zu sortieren, verlangt völlig neue Dinge von meinem Hirn. Der Lehrer gibt Tipps und nickt. "Das ist auch gut gegen Alzheimer." Es wird ein sehr langsames Lied.

Auch andere gehen, wie "Stand by me", das eigentlich den G7-Griff verlangt. "Aber da kriegt man einen Knoten im Kopf", meint Walter. Na, da hatt’ ich ja bisher Glück. Aber wenn schon, denn schon: wieder drei Finger, wieder anders sortiert. Gibt’s auch Griffe mit vier Fingern? "Für Fortgeschrittene."

In der zweiten Stunde lernt man mit Rhythmus zu spielen, und je nach Talent und Üben geht’s sprunghaft voran. Walter hat Schüler, die nach sechs Monaten im Orchester sitzen. Und kann ich mich zum Roy-Smeck-Kurs anmelden? "Natürlich."
Ukulelefestival

Am Samstag, 27. Mai 2017, im Evangelischen Gemeindezentrum Landwasser in der Auwaldstraße 88. Es gibt zehn Kurse und Vorträge (10 Uhr Workshop für Anfänger, 13 Uhr für Blues und Rock’n-Roll, 16 Uhr für Hula-Tanz). Um 17.30 Uhr beginnt das Konzert: Black Forest Ukes, Bad Mouse Orchestra, Iso Herquist und zahlreiche Gäste spielen "Ukemucke" von klassisch bis modern.

Tickets für Kurse und Vorträge (20 Euro), Konzert (15 Euro) oder beides (30 Euro) erhältlich im Vorverkauf bei bz-ticket.de und bei der BZ in der Kaiser-Joseph-Straße 229. Am Sonntag gibt’s eine Ukulelenwanderung ab 10 Uhr vom Schwabentor nach St. Ottilien, da kann jeder einfach mit.