Wie schmeckt kasachische Kamelmilch? 5 Fragen an den Freiburger DJ Rainer Trüby

Bernhard Amelung

Kamelmilch, Pferdefleisch und die Bossa-Nova-Legende Marcos Valle: Rainer Trüby hatte vergangenes Wochenende sichtlich Spaß auf dem "Jazzystan"-Festival in Almaty, der zweitgrößten Stadt Zentralasiens und einstigen Hauptstadt Kasachstans. Wie es dazu kam, wie die Stimmung war, und was für Leckereien auf ihn warteten, erzählt der Freiburger DJ im Interview. Und obendrein verlosen wir zweimal zwei Gästelisteplätze für die Root Down am Samstag!



Du hast vergangenes Wochenende auf dem "Jazzystan", einem Jazz-Festival in Kasachstan, aufgelegt. Wie kam das zustande?

Vor zwei Jahren habe ich in Antalya in der Türkei aufgelegt. Dort gibt es ein kleines, exquisites "Boutique"-Hotel-Musik-Festival namens "Sunsplash". Dort war unter anderem auch ein gewisser, sehr talentierter Disc Jockey aus Almaty in Kasachstan zugange. Er heißt Rustam Ospanov, und wir haben uns menschlich wie auch musikalisch gut verstanden. Er betreibt in Almaty seit etwa vier Jahren das "Jazzystan"-Festival, und so kam dann die Einladung zustande.

Und? Kulturschock?

Kasachstan wurde leider durch einen gewissen "Borat" in ein falsches Licht gerückt, so lustig das für uns auch sein mochte. Ich wusste von einstigen Nomaden, Pferdefleisch, Bergen und Tälern, Gas- und Öl-Industrie, halbe Strecke Freiburg-Tokyo. Vieles hat sich bestätigt, eine hohe Dichte an aktuellen Bentleys und Lamborghinis trifft auf alte Sowjet-Architektur, das war schon skurril dekadent.

Wie war dann die Stimmung auf dem Festival? Wie hast du die Crowd erlebt?

Das Festival war großartig, die Stimmung war sehr gut. Die Menschen in Kasachstan sind wirklich sowohl geografisch als auch optisch ein perfekter Mix aus "Europa trifft Asien". Eurasia! Sie begegneten uns sehr herzlich und waren offen für Vieles. DJ Lefto aus Belgien wusste mit Balkan Jazz über Old School Hiphop bis Detroit Techno zu überzeugen. Marcos Valles Bossa Nova und Samba live waren arg schön. Das kam spitze an. Die Kasachen haben irgendwie eine Affinität zu brasilianischer Musik. Gilles Peterson war schon öfters auf dem "Jazzystan"-Festival zu Gast und gilt auch dort als "Tastemaker". Mein Deep House-Sound kam von Herzen und wurde, wie ich hoffe, auch goutiert.

Wer dich kennt, weiß, dass du gerne auch auf kulinarische Entdeckungsreisen gehst. Was für regionale Spezialitäten hast du während deines Aufenthalts in Kasachstan für dich entdeckt?


Kasachstan ist ein kulinarisch äußerst interessantes Land. In der kasachischen Küche spürt man indische, chinesische, afghanische, osmanische wie auch russische Einflüsse. Aber letztendlich gab es meistens Pferdefleisch, in allen Variationen, oft gekocht und mit breiten Nudeln und etwas Gemüse serviert. Die hausgebackenen Brotspezialitäten, ähnlich der türkisch-osmanischen Küche, waren sehr gut, genauso auch Pilaw-Reis und Teigtaschen namens Manty.

Spannend war Kamelmilch. Sie schmeckt vielleicht ähnlich wie Ayran, aber dann doch etwas saurer. Angeblich ist sie sehr gesund. Ich mochte das gerne, war aber der einzige.

Welche anderen Festival-Highlights hast du bereits erlebt? Gibt es noch einen Ort, an dem du in den kommenden Jahren auflegen möchtest?

Dieses Jahr fand ich es auf dem ZMF in Freiburg mit den beiden Trickski-Jungs sehr nett. Ansonsten blicke ich sehr gerne zuück auf das Sónar in Barcelona, das Southport Weekender in Großbritannien, das Garden Festival in Kroatien und das bereits erwähnte Sunsplash in Antalya. Erst neulich habe ich einmal etwas recherchiert und bin auf 39 bespielte Länder gekommen. Aber neue Herausforderungen wie zum Beispiel Usbekistan, Sibirien oder auch Island würden mich arg reizen.



Mehr dazu:

Mit frischen Eindrücken aus Kasachstan zurück, beginnt für Rainer Trüby am Samstag, 29. September 2012, die Herbst- und Wintersaison seiner Veranstaltungsreihe "Root Down" im Waldsee. Zum Auftakt holt er sich dazu den Münchener Roland Appel an die Decks.

Einst Teil der Formationen Fauna Flash, Voom:Voom und Trüby Trio beschreitet Appel inzwischen sehr erfolgreich eigene Wege auf dem House-Parkett. Seine Musik kennzeichnet eine atmosphärische Dichte, eine ruhige und langsame Dramaturgie, die den den Vierviertel-Groove in den Mittelpunkt stellt.

Verlosung:

fudder verlost zweimal zwei Gästelisteplätze für die Root Down mit Roland Appel am Samstag, 29. September 2012. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen, seiner Adresse und dem Betreff "Roland Appel " an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Freitag, 28. September 2012, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

Was: Root Down w/ Roland Appel und Rainer Trüby
Wann: Samstag, 29. September 2012
Wo: Waldsee, Waldseestraße 84, 79117 Freiburg [Fotos: Rainer Trüby]