Wie reagiert man richtig, wenn man sexuelle Belästigung miterlebt?

Eyüp Ertan

Die Kampagne #metoo um die Sexismus- und Vergewaltigungsvorwürfe gegen Harvey Weinstein hat gezeigt: Frauen werden immer wieder Opfer von Belästigungen und Schlimmerem. fudder-Autor Eyüp Ertan hat beim Feiern in Freiburg eine solche Situation miterlebt.

Eigentlich ist es klar: Wenn jemand Hilfe braucht, reagiert man – sofort. Es war nachts um drei in einer Freiburger Kellerbar. Ein Typ bedrängte ein Mädchen und ich machte: Nichts. Ich wollte, dass die Situation vorbei ist. Eine Freundin von mir begriff den Ernst der Lage viel schneller als ich und zog mich mit. Wir konnten einschreiten.


Was hätte ich getan, wenn sie nicht dabei gewesen wäre? So richtig lässt mich die Frage auch jetzt nicht los. Ich hab deswegen Experten von Polizei und Frauenhorizonte gefragt, wie man als Mann richtig reagiert, wenn man sieht, dass eine Frau sexuell belästigt wird.

"Was hätte ich getan, wenn sie nicht dabei gewesen wäre?"

"Es ist schwer, eine generelle Vorgehensweise in solchen Situationen festzulegen", meint Thomas Hübner vom Polizeipräsidium Freiburg dazu. Schwierig sei es deshalb, weil das eigene Handeln und Eingreifen stets von der vorliegenden Situation abhängig ist – die eigene Sicherheit hat hierbei stets Vorrang. "Wichtig ist, dass man das Geschehen beobachtet und nicht wegsieht. Je nach Situation hilft es oftmals, andere auf das Vorgefallene aufmerksam zu machen und anschließend erst zu handeln."

Claudia Winker vom Verein Frauenhorizonte empfiehlt in solchen Situationen ein ruhiges Vorgehen. "Fragen wie ’Brauchst Du Unterstützung?" können schon klärend sein, je nach Reaktion der beteiligten Person kann man anschließend weitere Maßnahmen ergreifen." Für das anschließende Vorgehen gelte vor allem eines: Entschleunigung. "Die meisten sind in solchen Situationen wahnsinnig aufgeregt, talking down ist hier angesagt - vielleicht ein Glas Wasser besorgen, aber auf jeden Fall bei der Person bleiben."

Ruhige Ansagen können ein irrationales Handeln vermeiden

Zudem solle man direktiv sein, klare und ruhige Ansagen können ein irrationales Handeln vermeiden. "Auf jeden Fall sollte man die betreffende Person im Anschluss nicht aus den Augen verlieren, ihre Freundin suchen, oder vielleicht rausgehen und ihr ein Taxi bestellen – auch wenn das eventuell mehr Aufwand bedeutet."

Winker ist mit ihrem Verein auch Initiatorin des Projekts "Ist Luisa hier?", ein Satz, der Clubs in Freiburg in Zukunft für Frauen sicherer machen soll. Auch der Besitzer des Clubs, in dem der beschriebene Vorfall beobachtet wurde, will sich daran beteiligen. "Natürlich gibt es immer wieder Leute, die Ärger machen - vor allem solche, die nicht reingelassen werden. Sowas ist aber schon die absolute Ausnahme", sagt der Clubbetreiber.

Die betroffene Frau hat Mut bewiesen

Zwei Türsteher seien vor der Tür im Dienst, mindestens einer bei der Garderobe und noch ein weiterer beim DJ – so versuche man alle Bereich unter Kontrolle zu behalten. "Vermeiden wird man das nie können, es wird immer Vollidioten geben, die das versuchen auszunutzen", meint er zu dem Vorfall.

Tatkräftiges Eingreifen braucht Mut. Den hatte die betroffene Frau auf jeden Fall. Sie hat Anzeige erstattet, ich habe am Freitag bei der Polizei in dem betreffenden Fall ausgesagt. Ich drücke ihr die Daumen, dass der Täter gefunden wird, die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt und der Täter seine gerechte Strafe erhält.

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