Telefonseelsorge

Wie Nightline Freiburg Studierenden bei ihren Problemen hilft

Claudia Förster

Seit 15 Jahren gibt es die Nightline Freiburg, das Zuhörtelefon von Studierenden für Studierende. Die Gespräche laufen anonym – warum das für die freiwilligen Zuhörer nicht immer einfach ist.

Während sich ihre Kommilitonen ins Nachtleben stürzen, sitzen einige Studierende in einem einsamen Universitätsgebäude und telefonieren mit jungen Menschen, die Hilfe brauchen. "Wir sind ein Zuhörtelefon von Studierenden für Studierende", erklärt Vorsitzende Jasmin Bugger. Der Name ist erfunden, denn niemand darf wissen, wer bei Nightline arbeitet: Die Anrufer vertrauen den Mitarbeitern oft mehr an als den eigenen Freunden – gerade weil sie anonyme Fremde sind, und das soll so bleiben


"Jeder braucht mal einen Gesprächspartner, der einfach nur zuhört, nicht wertet und keine Ratschläge erteilt", sagt Bugger. Deshalb reden jeweils zwei der 30 aktiven ehrenamtlichen Mitarbeiter mit durchschnittlich mehr als zwei Anrufern pro Abend über die Uni, Freundschaften, Selbstzweifel oder Probleme – eben das, was Studierende bewegt.

Das Studium und Stress sind die häufigsten Themen

"Im letzten Semester war das häufigste Thema das Studium, gefolgt von Stress. Vor ein paar Jahren haben noch mehr Leute angerufen, um einfach zu quatschen", erzählt die Vorsitzende, die seit einem Jahr ehrenamtlich für die Nightline telefoniert und E-Mails beantwortet.

Die Gespräche dauerten manchmal eine halbe Stunde, manchmal auch drei Stunden, sagt Brugger. Tendenziell riefen mehr Männer an. Präzise Angaben über Geschlecht oder Alter gibt es nicht, es gehe ausschließlich um die Sorgen der Anrufer. Um die oft schwierigen Gespräche zu verarbeiten, tauschten sich die Mitarbeiter untereinander aus. Einmal im Semester machen sie laut Brugger mit Psychologen des Psychologischen Instituts der Universität eine Supervision. Bei schwerwiegenden Themen wie Missbrauch oder akuter Suizidgefährdung verweisen die Zuhörer ihr zufolge an andere Institutionen. "Wir sind eine studentische Hilfestellung, können aber keine therapeutische Intervention ersetzen", betont die Vorsitzende.

Selbst die Freunde dürfen nichts wissen

Christina Munze, die eigentlich anders heißt, sagt: "Anfangs war das Bedürfnis groß, Freunden von der Arbeit zu erzählen. Mittlerweile habe ich aber schon Standardausreden, warum ich am Abend nicht kann." Meist wüssten nur ein bis zwei enge Vertraute von der unbezahlten Nebentätigkeit der Nightline-Zuhörer.

Zum Mitarbeiter können sich Studierende aller Fachrichtungen schulen lassen. In den mehrtägigen Seminaren vermittelt das Schulungsteam theoretische Konzepte und übt in Rollenspielen, Gespräche zu führen. "Wir erteilen keine konkreten Ratschläge", sagt Jasmin Bugger. Die Zuhörer spiegelten die Gefühle des Anrufers wieder und gäben mit Fragen Anstöße, selbst Lösungen oder alternative Sichtweisen zu entdecken.

Jeden Tag erreichbar

In ihrem 15-jährigen Bestehen wechselte die Besetzung des Sorgentelefons immer wieder, weil nur Studenten mitarbeiten dürfen. "Vor allem sind wir professioneller geworden", sagt Bugger. "Wir stehen in engem Austausch mit anderen Nightlines und haben mittlerweile ein sehr professionelles Schulungsteam." Gemeinsam mit der in Heidelberg sei die Nightline Freiburg die einzige, die jeden Tag erreichbar sei. Etwa hundert Gespräche führen die Mitarbeiter im Semester – im Gründungssemester waren es nur vier.

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