Wie Martin Braun heute zum SC Freiburg steht

David Weigend

Martin Braun (41) war fünf Jahre lang Spieler und viereinhalb Jahre lang Pressesprecher des SC Freiburg, bevor er im Dezember 2007 eine "Änderungskündigung" auf seinem Schreibtisch vorfand. Warum Braun nicht mehr als Pressesprecher erwünscht war, hat ihm der Vorstand bis heute nicht mitgeteilt. Ein Interview.



Herr Braun, Sie haben im Dezember 2007 den SC Freiburg verlassen. Inzwischen arbeiten Sie bei der Firma Imtech in Hamburg. Können Sie kurz erzählen, was in der Zwischenzeit passierte?

Kontakte zum VfR Aalen gab es schon länger, weil ich dort ja von 2000 bis 2003 Spieler war. Ich bekam also das Angebot, in Aalen kaufmännischer Geschäftsführer zu werden. Das war für mich eine interessante Aufgabe nach der Auflösung meines Vertrags in Freiburg. Aalen stand damals kurz vor dem Aufstieg in die Zweite Liga, der Verein hatte viel Potenzial.

Warum verließen Sie den VfR Aalen?

Jürgen Kohler wurde Sportdirektor. Jürgen und ich hatten unterschiedliche Auffassungen, als es darum ging, welche Spieler für welche Beträge verpflichtet werden sollen. Das erachte ich aber nicht als dramatisch. Es ist eben diese Schnittstelle zwischen sportlichem und kaufmännischem Bereich. Wenn man in den entscheidenden Fragen immer wieder unterschiedlich denkt, ist es das Beste, wenn man die Verbindung auflöst.

Wie kam die Verbindung mit Imtech zustande?

Imtech [ein technischer Gebäudeausrüster, Anm. d. Red.] war damals Hauptsponsor in Aalen, so kam es zum Kontakt. Ich bin dort seit dem 1. April 2009 verantwortlich für die Unternehmenskommunikation und habe mein Büro in Hamburg: Pressearbeit, Broschüren, Jahresberichte. Imtech wird ab dem 1. Juli 2010 Namensgeber sein für das Stadion vom Hamburger SV. Es war für mich ein schönes Projekt, diese Vertragsverhandlungen zu führen und die andere Seite zu erleben.

Sie haben die vergangenen drei Spiele des Sportclubs im Stadion verfolgt. Wen aus dem aktuellen Kader kennen Sie noch persönlich?

Unter anderem Heiko Butscher, Jonathan Jäger und Ivica Banovic. Es sind schon recht viele Spieler, die in den vergangenen zwei Jahren kamen und gingen beim SC.

Welchen Eindruck haben Sie vom derzeitigen Auftritt der Mannschaft?

Die Phase für den SC Freiburg ist gerade nicht einfach. Aber ich glaube nicht, dass sie ein großes Problem darstellt. Es war zu Beginn der Saison allen klar, dass es schwer wird. Ich finde, man kann mit der sportlichen Entwicklung durchaus zufrieden sein. Auch, wenn es in den vergangenen drei, vier Spielen nicht so gelaufen ist, wie man sich das wünscht. Die Mannschaft hat immer noch gute Chancen, den Klassenerhalt zu schaffen. Dies kann das einzige Ziel sein.

Sie waren fünf Jahre lang Spieler und viereinhalb Jahre Pressesprecher ("PR-Manager") des SC Freiburg. Fällt es Ihnen schwer, die Entwicklung des SC Freiburg aus der Distanz zu betrachten?

Ich glaube, dass ich das ganz gut kann. Natürlich sind da auch Emotionen dabei. Positive und weniger positive. Aber ich beobachte die Entwicklung des SCF mit großem Interesse und würde mich sehr freuen, wenn der Verein in der ersten Bundesliga bleibt. Ich bin ja Schwarzwälder.



Im Dezember 2007, Sie waren damals Pressesprecher des SC Freiburg, lag eines Morgens eine Änderungskündigung auf Ihrem Schreibtisch. Was dachten Sie da im ersten Moment?

Ich war natürlich schon sehr überrascht. Denn ich denke, dass ich jemand war, der beim SC Freiburg in der Vergangenheit auch ein paar Dinge positiv beeinflusst hat. Und dann finde ich schon, dass die Art und Weise des Umgangs nicht ganz in Ordnung war. Ich bin jemand, der mit solchen Themen anders umgeht.

War es denn tatsächlich so, dass Ihre Verbundenheit zu Volker Finke ausschlaggebend für die Kündigung war?

Es gab ja keine Begründung. Das fand ich schon merkwürdig. Deshalb kann man über den Grund der Kündigung nur spekulieren.

Wie lief die Trennung zwischen Ihnen und dem Vorstand des SC Freiburg ab?

Natürlich ist eine Trennung, die nicht von beiden Seiten gewollt war, immer mit gewissen Spannungen verbunden. Aber es war nicht so, dass man sich danach nicht mehr in die Augen schauen konnte. Beim letzten Gespräch, in dem es um eine Einigung ging, haben beide Seiten ihre Position vernünftig vorgetragen. Man einigte sich auf einer Basis, die für beide Seiten okay war. Es gibt sicherlich Menschen beim Sportclub, denen ich mich heute näher verbunden fühle als anderen. Aber das ist normal.

Der Vorstand hat Ihnen in diesem Gespräch aber nicht gesagt, warum Sie als Pressesprecher gekündigt wurden?

Nein. Es gab gar keine Begründung. Schauen Sie, ich bin nun schon einige Jahre im Fußballgeschäft. Ich weiß, dass gewisse Dinge da einfach nicht immer ausgesprochen werden, obwohl ich das nicht für sehr professionell halte.



Haben Sie heute Kontakt zu den Vorsitzenden des SC Freiburg?

Zu Achim Stocker hatte ich immer ein sehr gutes Verhältnis. Wir hatten Kontakt bis zu seinem Tod. Mit den anderen Vorständen tausche ich mich auch aus. Es ist nicht so, dass es da große Probleme gäbe. Aber über das Thema Vertragsauflösung wurde nachher nicht mehr gesprochen.

Ihnen wurde anstatt des Pressesprecher-Postens eine andere Stelle beim Sportclub angeboten - angeblich im kaufmännischen Bereich.

Was da angeboten wurde, war nicht in meinem Sinne. Eine Tätigkeit, die ich mir beim Sportclub vorstellen konnte, war wiederum nicht im Sinne des Vereins. Deshalb gab es keine Einigung. Aber wie gesagt, das war okay.

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