Wie man Feuer mit Feuer bekämpft

Aljoscha Harmsen

Was macht eigentlich ein deutscher Feuerwehrmann, wenn er vor einem Waldbrand steht? "Es reicht nicht, einfach Wasser draufzuspritzen", weiß der Freiburger Forstwirst Alexander Held. Zusammen mit anderen Wissenschaftlern arbeitet er am Projekt Eurofire, mit dem europäische Feuerwehren besser auf die Bekämpfung von Waldbränden vorbereitet werden sollen.



Die katastrophalen Waldbrände in Griechenland sind gelöscht und die antiken Ausgrabungsstätten von Olympia sind gerettet. Dennoch zeugen 64 Tote und  184.000 Hektar verbranntes Land von den verheerenden Auswirkungen von Waldbränden; während der Brände war die griechische Feuerwehr zum Teil hoffnungslos überfordert.

Das von der europäischen Union unterstützte Projekt Eurofire möchte die Ausbildung von Feuerwehrleuten durch neue Techniken revolutionieren.

"Im Grunde ist Eurofire eine rein technische Sache", sagt der Freiburger Forstwissenschaftler Alexander Held und schaut konzentriert aus dem Fenster seines Büros im alten Tower des Freiburger Flughafens. "Bei Eurofire werden Trainingslevel für europäische Feuerwehren erstellt. Dabei muss oft bei Null angefangen werden, denn man kann bei einem Waldbrand nicht hinfahren und einfach Wasser drauf spritzen."

Waldbrände sind nicht statisch wie Hausbrände, sondern bewegen sich durch die Witterungseinflüsse; und das macht ihre Bekämpfung so schwierig. "Das Ziel der Eurofire-Ausbildung ist die Vermittlung von Basics an die Feuerwehrleute: Wie schaufel ich eine Feuerschneise, welche Pumpen, welche Schläuche benutze ich bei einem Waldbrand und wie unterscheidet sich sein Brandverhalten von dem anderer Brände?", erklärt Alexander. "Später kommen auch Logistikorganisation und andere komplexe Themen auf den Stundenplan."

Das Projekt Eurofire überschneidet sich mit dem Projekt Fireparadox, an dem Alexanders Kollege, der Forstwissenschaftler Daniel Kraus, arbeitet. Er erforscht die positiven Nutzung von Feuer und kümmert sich ebenfalls um die Vermittlung der neuen Techniken an Feuerwehrleute, Förster, Landbesitzer und Agrar-Verwalter. "Es muss bei Feuerwehren oft ein psychologischer Widerstand überwunden werden, wenn wir ihnen sagen, dass sie ein Feuer legen sollen, um ein anderes zu bekämpfen."

In Deutschland sind Waldbrände keine große Gefahr; Kraus schätzt die Zahl der Waldbrände in Deutschland auf ein paar Hundert pro Jahr, von denen kaum einer gefährlich wird. "Hiesige Wälder sind in der Regel gut erschlossen und ohne Allrad zugänglich. Hier sind viel mehr Leute im Wald und heutzutage hat jeder ein Handy, sodass Brände schnell gemeldet werden." In Südeuropa ist die Gefahr schwerer Waldbrände erheblich höher; Durch einen Rückgang der landwirtschaftlichen Nutzung nimmt die Verbuschung der Landschaft zu. Außerdem werden Wälder weniger intensiv genutzt werden, sodass sich dort mehr Unterholz bildet. Beides führt zu einer Steigerung der Menge brennbaren Materials.

Die Wege, auf denen die beiden Bäumezähler zu Feuerökologen geworden sind, waren ganz verschieden. Daniel belegte im Laufe seines Studiums als einer von zweien Studenten den Kurs Feuerökologie und kam so später an die Stelle der Arbeitsgruppe Feuerökologie. Alexander kam eher zufällig ans Max-Plank-Institut für Chemie: Auf der Suche nach einem Thema für seine Diplomarbeit kam er mit der Arbeitsgruppe Feuerökologie der Abteilung Biogeochemie in Berührung. "Damals wusste ich selbst noch nicht, was das genau ist", lacht er. Obwohl er sich für ein anderes Thema entschied, nahm er eine HiWi-Stelle an und blieb bei der eher unorthodoxen Variante der klassischen Forstwissenschaft. "Es übt einen Reiz aus, mit einem Element zu arbeiten, das man potentiell nicht beherrscht", sagt Held. Er ist Gelegenheitsraucher.

Der Alltag der beiden Feuerökologen besteht größtenteils aus Projektmanagement. "Wir erforschen zwar Feuer und Brände, aber das Legen und Löschen bleibt den Feuerwehren vorbehalten." Allerdings nutzen die beiden auch ein Einsatzfahrzeug, an dem sie zeigen, was sie sich unter innovativer Brandbekämpfung vorstellen, das sie gerne vorführen.



Das Fahrzeug hat Allradantrieb, um möglichst schnell zum Brandherd vorzudringen und den Brand in seinem Anfangsstadium zu bekämpfen. Dazu sind zwei Pumpen an Bord, eine für die Bekämpfung von Springfeuern(Feuer, die vom Brandherd auf andere Stellen überspringen), 100 Meter Schlauch, der leichter und dünner als der Standard-Schlauch der Feuerwehr ist, und bei einem Waldbrand besser eingesetzt werden kann, sowie spezielle Handwerkzeuge, wie zum Beispiel ein Feuerrechen, der dazu dient, schnell brennbares Material zu beseitigen, um zu verhindern, dass sich der Brand ausbreitet.

"Wenn wir den Feuerwehren das Fahrzeug zum ersten Mal zeigen, werden wir meist belächelt, aber nachdem wir ihnen gezeigt haben, was man damit machen kann, wollen sie es meist gleich kaufen."

Das Pilotprojekt Eurofire wird bis September 2008 laufen, wobei Alexander zuversichtlich ist, dass mit dem Projekt die Ausbildung der Feuerwehren revolutioniert wird. Es müsse und werde Folgeveranstaltungen geben, die auf der Idee aufbauen. Fireparadox läuft noch bis 2010 und soll Maßstäbe in der innovativen Brandbekämpfung mit Feuer setzen.

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