Wie man das Volk zum Tanzen bringt: Das Bollywood-Musical "Gottes kleiner Krieger" am Theater Freiburg

Nikolas Von Wysiecki

Am Samstag feiert das Bollywood-Musical "Gottes kleiner Krieger" im Theater Freiburg Premiere. Mit dabei: Ein Bewegungschor, der aus 30 Laientänzerinnen besteht. fudder-Autor Nikolas von Wysiecki war bei den Proben dabei - und fudder verlost dreimal zwei Karten für die Aufführung am Donnerstag in einer Woche:



Das Volk hat einen Kater, es hat gestern Abend gefeiert. Es ist 10 Uhr am Samstagmorgen, und nur langsam trudeln die Tänzerinnen in den Übungsraum des Theaters ein. Am 18. Mai sollen sie zum ersten Mal das Volk im Stück „Gottes kleiner Krieger“ spielen. Nach der Probe am gestrigen Abend haben sie Bergfest gefeiert, mehr als die Hälfte der Probenarbeit ist also vorbei. Seit Februar proben sie dreimal die Woche vier Stunden. In dieser Woche sogar noch öfter - für die Proben auf der großen Bühne. 

„C'mon guys, it's this, not this!“ Subash Gorania lässt die Musik unterbrechen und stellt sich vor die Tänzerinnen. Der kleine Mann im weißen T-Shirt dreht seinen Oberkörper nach rechts oben, hebt die Ellenbogen und führt die Unterarme mehrmals zur Brust. Dazu hebt er das linke Bein. So soll es aussehen und nicht, als fächere sich das Volk Luft ins Gesicht. Gorania ist einer der beiden Choreographen für den Bewegungschor. Heute leitet er die Probe.



Also noch einmal. Der Percussionist spielt auf beiden Seiten der schwarzen zylindrischen Trommel – einem indischen Instrument namens Dhol – einen schiebenden Rhythmus, dazu indische Flöten. Der Mann am Mikrophon jault mit hoher Stimme dazu etwas, das er „fake english“ nennt. Die Musiker spielen live während der Proben und komponieren so nebenher die Musik zu den Tänzen.

In dieser Szene tanzt Schauspieler Ben Daniel Jöhnk vor dem Chor. Er faltet seine Hände vor der Brust und schiebt seine Hüften hin und her. Dennoch sind die Tänzerinnen des Chors mehr als nur Background-Dancer. Sie sind permanent auf der Bühne und tragen viele der Szenen mit. Dementsprechend hoch ist die Anspannung: „Jetzt ist die Zeit, in der wir schon viele Szenen komplett spielen und Übergänge üben, so wie sie später aussehen sollen“, sagt Sonja Dehning, die bei der Dramaturgie assistiert.

Die Anspannung ist auch Groania anzumerken. Während der Szenen schaut er konzentriert auf die Gruppe. Der britisch-indische Choreograph arbeitet nicht zum ersten Mal mit Amateuren. „Das hier ist ein ziemlich großes Projekt. Schwierig ist, den Überblick über den Chor zu behalten, weil nicht alle dieselben Bewegungen machen“, sagt er. So richtige Laien sind viele allerdings nicht. Zum ersten Casting Ende letzten Jahres kamen viele Leute – vor allem Frauen –, die bereits Erfahrungen mit Ballett, Jazzdance oder Standardtanz hatten. „Das hilft, man kennt seinen Körper. Ich weiß, wie es aussieht, wenn ich mich so und so bewege“, sagt eine.

Viele von ihnen arbeiten trotz des Zeitaufwandes ganz normal. Andere Aktivitäten haben sie für diese Zeit abgesagt. „Es ist Freizeit unter Profibedingungen. Man opfert seine Freizeit und muss bereit sein, auf diesem professionellen Niveau zu arbeiten“, sagt Dehning. Gleichzeitig ist es genau das, was viele anspricht: „Wann hat man schon einmal die Chance, mit so einem Profichoreographen zu arbeiten – und das gratis!“, sagt Sara Tarantino, die eigentlich gerade in Jura promoviert.



Andere fasziniert der Blick hinter die Kulissen: „Das Theater ist ja doch immer eine eigene Welt, wir sehen sie von innen. Die Schauspieler, Maske und Kostüme, das ganze Team drumherum“, sagt Lutz Kriegel, der als Lehrer arbeitet. Außerdem: „Wenn man einmal auf der Bühne stand, hat man Blut geleckt“, so Kriegel. Und hier lockt der Auftritt im ganz großen Haus.

Und die Schauspieler? In der Pause stehen sie abseits vom Volk und unterhalten sich. „Das ist zu Beginn ganz normal“, erklärt André Benndorff, Ensemblemitglied des Theaters, „aber die knappe Zeit jetzt vor der Premiere schweißt uns nach und nach zusammen.“ Das Bergfest von gestern Abend hat seinen Teil dazu beigetragen. Alle sind müde, und Gorania muss noch öfter rufen: „C'mon guys! Let's do this! Keep your heads up!“  

Verlosung

fudder verlost dreimal zwei Eintrittskarten für "Gottes kleiner Krieger" am Donnerstag, 23. Mai 2013, 19 Uhr im Theater Freiburg. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen und seiner Adresse und dem Betreff "Kleiner Krieger" an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist der 22. Mai 2013, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden sofort nach dem Ende der Verlosung per E-Mail benachrichtigt.

Mehr dazu:

Was: Theaterstück "Gottes kleiner Krieger"
Wann: Samstag, 18. Mai; Donnerstag, 23. Mai; Sonntag, 2. Juni; Mittwoch 19. Juni; Donnerstag, 11. Juli; Samstag, 13. Juli 2013 - jeweils um 19 Uhr
Wo: Theater Freiburg
Eintritt: 10 Euro  

Fotogalerie: Nikolas von Wysiecki

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