Wie man Autogramme richtig sammelt: 5 Antworten vom Autogramm-Experten Ludger Kreilos-Erichsen

Martin Herceg

Briefmarken, Münzen, Ü-Ei-Figuren: Es gibt nichts, was Menschen nicht sammeln. Der ehemalige Freiburger Galerist Ludger Kreilos-Erichsen hat sich auf Autogramme spezialisiert und sammelt und verkauft vor allem aus dem Bereich der modernen Kunst via Internet. Wie man richtig sammelt und warum es gar nicht so einfach ist, systematisch nach Autogrammen zu jagen.



fudder: Wie bist du darauf gekommen, Autogramme von Künstlern der Moderne zu sammeln?

Ludger Kreilos-Erichsen: Schon als ich in Freiburg-St. Georgen von 1995 bis 2002 die Galerie Malakoff inne hatte, habe ich paralell dazu immer Kunstautogramme gesammelt. Die Gründe dafür sind die Größe und der Preis: Es ist ziemlich praktisch, Kunst in einem so kleinen Format zu haben. Man kann mehr oder weniger alles in den Schuhkarton packen. Die Kunstwerke im Original wären zum einen schwerer zu handhaben, zum anderen unbezahlbar.

Ich habe an die 15 bis 20 Richter in meiner Sammlung, wenn ich die als Originale hätte, müsste ich jetzt nicht mehr arbeiten gehen. Außerdem lässt sich damit auch ganz gut handeln. Das geschieht dann nach dem van Gogh-Prinzip: Je weniger Autogramme es von jemandem gibt und je schneller die Person stirbt, desto besser. So schrecklich das klingen mag: Nur so kommt es zu einer künstlichen Marktverknappung, und die Autogramme werden zu seltenen Sammlerstücken. Je limitierter, desto besser.

Vom Kauf auf eBay oder Amazon kann ich nur abraten, da kann man sich dann höchstens mal eine Mischung aus Rex Gildo und Dieter Thomas Heck kaufen. Was richtig Gutes von einer Person aus der Zeitgeschichte findest du dort eher nicht.

Wie ist es um den Markt bestimmt? Gibt es viele Sammler wie dich?

Der Markt ist sehr ausdifferenziert und über Europa verteilt. Es gibt nur wenige, die das so machen wie ich. Die meisten versuchen ganz sammlertypisch eine Kollektion zusammenzukriegen.

Autogrammjäger lassen sich grob in zwei Gruppen aufteilen: Zum einen die Leute, die alles wahllos sammeln, was ihnen in die Finger kommt; und dann wiederum die, die sich speziell nach Epoche, Stilrichtung oder Person orientieren. Von denen sucht sich jeder Sammler dann eine Nische.



Ich kenne einen Typen, der zum Besipiel nur goldene signierte Schallplatten von den Pet Shop Boys sammelt, oder einen Österreicher, der nur gebrauchte Torwarthandschuhe sammelt. Der schreibt die Sportler vorher an und lässt sich die Handschuhe dann direkt nach dem Spiel unterschreiben und signieren. Den Schweiß des Torwarts hat er also gleich mitgekauft.

Jüngstes Beispiel: Olympia in London. Da hat einer die handsignierten Laufschuhe von Usain Bolt direkt nach dem 100-Meter-Finale ersteigert. Da sind wir dann schon voll im Bereich der Devotionalien. In den USA ist das Autogrammesammeln viel verbreiteter. Dort ist das auch eine angesehene Kultur. In Deutschland wird mit dem Autogrammesammeln oft so ein Nerd-Charakter verbunden.

Was war dein erstes Autogramm? Was sind deine Lieblinge?

Angefangen habe ich damit, meine Lieblingskomponisten zu sammeln. Mein allererstes Autogramm war dann von Philip Glass. Das hab' ich in New York in einer richtigen Autogrammgalerie gekauft, etwas was es in Deutschland leider kaum gibt.

Privat habe ich mir dann über die Jahre meine Lieblinge zusammengesammelt. Aus der neuen Klassik Steve Reich, Philip Glass und John Cage, und bei Sportlern hab' ich auch so meine Favorites, die ich unbedingt brauche, zum Beispiel Muhammad Ali. Aber diese Sachen geb' ich nicht zum Verkauf frei. Das ist mein privates Hab und Gut.

Ich bin auch keiner von den Autogrammsammlern, die immer neben dem Künstler gestanden haben. Man verbindet sich meistens mit anderen Autogrammfreaks und sammelt von denen mit. Am Anfang geht das so ein bisschen über das Tauschen. Steve Reich war dann mein erstes direktes Autogramm. Mein teuerstes Autogramm stammt aus dem Jahr 1966 und ist von Oskar Kokoschka.



Manchmal kommt man auch ganz spontan an ein Autogramm. Zur letzten Sea of Love habe ich mir eine Stunde vor dem Moby-Auftritt einen Bildband gekauft und dann einen Kumpel vor Ort gefragt, ob er mich mal kurz mit hinter die Bühne nehmen kann. Tatsächlich hat sich Moby dann kurz die Zeit genommen. Da war natürlich viel Glück dabei.

 

Wie steht's um gefälschte Autogramme?

In der Kunst macht man das bei Autogrammen eigentlich nicht. Das ist schon sehr verpönt. In den Sammler-Communities wird auch genau geschaut, was angeboten wird und ob alles mit rechten Dingen zugeht. Das reguliert sich alles von selbst. Allerdings kann man schon davon ausgehen, dass es in der Szene den ein oder anderen Beltracchi gibt.

Wenn man die Künstler sehr gut kennt, weiß man auch, wie seine Unterschrift in einer bestimmten Phase seines Lebens ausgesehen hat. Man kann eben nicht bei jedem Autogramm direkt daneben gestanden haben. Da bräuchte man mehrere Leben, um eine Sammlung aufzubauen.



Hast du Tipps für Hobby-Autogrammsammler?


Ganz einfach. Der entscheiden Punkt ist, dass man nur sammeln sollte, wozu man einen emotionalen Bezug hat. Nur dann kann man automatisch zum Kenner werden. Im Wesentlichen geht’s um den Nimbus, dass dir die Unterschrift emotional was bedeutet.

Für ein gutes Autogramm muss man sich gut vorbereiten, ein halbes Jahr Organistation ist da nichts Ungewöhnliches. Als Investition finde ich das absurd, da haben höchstens deine Enkeln etwas von. Den monetären Faktor würde ich wirklich hintanstellen. Wenn es irgendwen gibt, der dir echt was bedeutet, dann hast du jedes mal, wenn dein Autogramm anguckst, Spaß, und es wird für dich zu einer Devotionalie, und das ist mehr wert, als alles Geld.

Man kann an die Sache allerdings auch so rangehen wie mein geschätzter Kollege Rainer Trüby. Der kauft immer gleich zwei Platten und lässt eine immer eingeschweißt. Knallhart, aber sehr effizient.

 

Mehr dazu:

 
  • Website von Ludgar Kreilos-Erichsen: Edition M
 
[Bilder: Ludgar Kreilos-Erichsen ]