Wie mache ich ein Kompliment?

Betül Yaman

Phillip (23) aus Staufen schreibt: "Ich hab oft erlebt, wie andere Männer Frauen angraben und finde das ziemlich primitiv. Ich möchte ungern, dass sich eine Frau durch mich unwohl oder sogar belästigt fühlt. Meistens lasse ich Komplimente deshalb einfach sein. Wie kann ich einer Frau schmeicheln, ohne blöd rüberzukommen?



Hallo Phillip,

das Schwerste beim Komplimente machen ist, dass der Empfänger das Kompliment überhaupt annimmt. Was heißt das genau? Ich mache ein Beispiel: „Wow, der Schal steht dir echt gut!“ Häufigste Antworten: „ Ach, der ist doch uralt.“ „Den habe ich im Sommerschlussverkauf gekauft.“ „Den habe ich geschenkt bekommen.“ …lauter Rechtfertigungen, die das Kompliment zunichte machen. Schade. Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem strahlenden Lächeln und einem begeisterten „Dankeschön!“?


Komplimente vergeben darfst du für alles, was das Gegenüber für die Öffentlichkeit sichtbar macht: eine coole Uhr, schöne Schuhe, eine extravagante Sonnenbrille, ein feines Parfüm (ist natürlich nicht sichtbar), ein passender Haarschnitt…

Wie dich habe ich schon viele Männer sagen hören: „Ja, aber wenn ich einer Frau so ein Kompliment mache, dann kommt das doch immer als plumpe Anmache rüber!“ „Klar“, sage ich daraufhin, „wenn der nächste Satz dann lautet: und, haben Sie heute Abend schon was vor?“ Dass es wunderschön ist, von einem Mann ein Kompliment zu bekommen, der dann noch einen schönen Tag wünscht und dann weiter seines Weges geht, wird mir von Frauen einstimmig bestätigt werden.

Aber Komplimente sollen nicht nur zwischen Mann und Frau, sondern auch unter Gleichgeschlechtlichen stattfinden. Oftmals machen wir ein Kompliment mit der Absicht, Menschen für uns zu gewinnen. Viel zu selten bekommen wir ein Kompliment von Fremden, die in unserem Leben nie wieder erscheinen. Und genau hier liegt die Kunst: Die Freude daran, Menschen einfach ein Feedback zu geben, wie sie auf einen wirken. Das hilft uns selbst, über uns ein Bild zu bekommen.

Unzählige Male bin ich schon im Aufzug gefahren und ich kann mich in den seltensten Fällen an die anderen Insassen erinnern. Eine Anekdote aber vergesse ich nie: Ich stand im Aufzug, als eine Asiatin mit ihrem Ziehkoffer hereinkam. Wir grüßten uns gegenseitig und sie sagte, wie schön das Rot meines Mantels sei. Ich bedankte mich. Danach wünschte sie mir einen schönen Tag und ich ihr auch. So simpel kann eine Alltagssituation zu einem besonderen Moment werden.

Zum Schluss möchte ich noch betonen, dass nur ernst gemeinte Komplimente ihren Zweck auch erfüllen. Also, macht Komplimente und nehmt sie auch an!

Alles Liebe!

Deine Betül