Wie kommt das 36-Meter-Monster-Graffiti in die Rosastraße?

Marius Buhl

In der Rosastraße hat jemand ein riesiges, 36 Meter langes Grafitti an eine Hauswand gesprayt, früher war diese vor allem verschmiert mit Tags. Das Graffiti ist auch ein Zeichen pro Flüchtlinge.



Als der Schulleiter des St-Ursula-Gymnasiums zwei Schülerinnen auf dem Schuldach beim illegalen Sprayen erwischte, hatte er eine Idee. Er dachte an die seit Jahren verschmierte Rückwand seines Gymnasiums in der Rosastraße. Und an den Auftrag, den er bereits Tage zuvor seiner Kunst-AG und deren Leiterin Rena Behnke gegeben hatte: „Verschönert diese Wand!“ Statt die illegalen Sprayerinnen zu bestrafen, machte er sie zu Teilnehmerinnen des Projekts. Zusammen mit dem Freiburger Graffiti-Gott Tom Brane sollten sie die ganze Rückfassade der Schule bemalen. Ein Mammutprojekt.

Die Rückwand der Schule ist 36 Meter lang und zwischen zwei und zweieinhalb Metern hoch, das macht insgesamt 80 Quadratmeter. In den vergangenen Jahren war die Wand zu einer „Bombing Wall“ verkommen, einer Wand also, die Sprayer mit ihren Tags markierten, ihren Unterschriften. „Schmierereien“, sagt Rena Behnke. Das wollte sie ändern.



Deshalb verbündete sie die  beiden illegalen Sprayerinnen vom Schuldach mit den 12- bis 16-jährigen Schülerinnen ihrer Kunst-AG und einigen Oberstufen-Mädels. „Diese Vielfalt der Altersstufen war wichtig“, sagt sie. „Die Älteren haben gelernt, dass die Jüngeren nicht unfähig sind, die Jüngeren konnten sich an den Älteren orientieren.“ Gemeinsam entwarfen sie Skizzen und erdachten Motive. Tom Brane übertrug diese dann auf Folie – mit einem Projektor lichtete er sie an die Wand. Die Mädels begannen zu malen.

„Das Gemälde liest man von links nach rechts“, erklärt Rena Behnke. „Ganz links sind junge Frauen zu sehen, die uns als Mädchenschule repräsentieren. Sie haben Gedanken, bei uns Seifenblasen. Diese werden zu geflügelten Büchern, die den Namen des Gemäldes erklären: ’Knowledge is the key!’ Aus den Büchern werden Vögel, Papageien und Kakadus. Diese sind hier eigentlich nicht heimisch, am Ende des Gemäldes lassen sie sich aber im Schwarzwald nieder. Das Werk ist so auch ein Zeichen pro Flüchtlinge!“

Acht Wochen haben die Mädels jeden Freitag an dem Kunstwerk gesprayt, Tom Brane ist noch immer dabei, Details zu ergänzen. „Die Schülerinnen haben viel über Vielfalt und Toleranz gelernt“, sagt Rena Behnke. „Und sie haben die Rosastraße ein Stück bunter gemacht“, ergänzt Tom Brane. Nur eine Farbe haben die Mädels fast gar nicht verwendet: rosa.



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[Foto1: Ingo Schneider, Foto 2,3: Rena Behnke]

Foto-Galerie: Ingo Schneider, Marius Buhl, Rena Behnke

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