Wie kinderfreundlich sind Freiburger Cafés?

Anna-Lena Zehendner

Über einen Mangel an schönen Cafés kann man sich in Freiburg nicht beklagen. Aber können Mütter mit ihren Kindern von diesem Angebot auch profitieren? Zwei Mütter haben uns erzählt, worauf sie beim Cafébesuch mit Kinderwagen Wert legen und was sie abschreckt.



Ausgerüstet mit Kinderwagen, Wickeltasche und Spielzeug möchten sich Mütter nicht erst durch ein Stühle-Labyrinth quälen, bis sie gemütlich einen Kaffee trinken können. „Das UClassen wir daher inzwischen leider aus. Nicht, weil sie dort nicht freundlich sind, sondern nur, weil es dort im Sommer zu eng mit Kinderwagen ist. Man kommt einfach nicht durch“, sagt Katja Heinrich (28, Foto unten), Mutter von Lilly, 10 Monate. „Wir gehen daher gerne ins Coucou und ins Manna (ehemalig Aran). Im Manna ist Selbstbedienung. Da lässt man dich in Ruhe und du wirst nicht jede Minute gefragt, ob du noch etwas trinken möchtest. Wenn man mit seinem Kind beschäftigt ist, ist das ganz angenehm.“




Rüdiger Grabowski ist der Inhaber von „Manna – die Spezerei“. Er sagt, dass es weder ein bestimmtes Angebot, noch ein spezielles Konzept für Mütter mit Kind gegeben habe. „Dass wir so gut ankommen, hat sich eher spontan ergeben.“ Dabei finden die Mamis hier nur ein spärliches Angebot für ihre Kleinen. Lediglich eine Wickelmöglichkeit ist vorhanden. Allerdings gibt es für Kinderwagen ein relativ angenehmes Durchkommen.

Darunter leiden hingegen Mobiliar und Wände. „Ich weiß auch nicht, warum die Mütter mit ihren Wägen immer in die hinterste Ecke müssen“, sagt Rüdiger Grabowski. „Doch in wenigen Wochen können wir diesem Klientel eine noch bessere Möglichkeit bieten. Denn dann machen wir unser Café im Augustinermuseum auf und dort wird noch mehr Platz sein.“

Im Winter geht Katja mit Lilly gerne ins Caféhaus. „Dort ist vor allem mittags immer Muttialarm. Hier gibt es viel Platz sowie Kinderstühle und einen Wickeltisch.“ Caro Vogt (30, Bild unten) besucht im Sommer mit ihrer Tochter Sophia (4) gern die große Terrasse des Cafés. „Hier ist es schön und die Kinder können frei spielen. Mit dem Bächle ist das natürlich im Sommer ein Hit“, sagt sie. „Ich denke, wir sind sowohl im Sommer als auch im Winter bei den Müttern sehr beliebt, weil wir hier jede Menge Platz haben“, sagt Norbert Bender, Geschäftsführer des Caféhauses. „Die Kinder können hier rennen, ohne dass sich jemand gestört fühlt.“ Auf Familienfreundlichkeit wird daher großen Wert gelegt.



Trotzdem mangelt es in den meisten Cafés in Freiburg besonders an Spielmaterial für die Kleinen. „Ich find’ es teilweise echt unverschämt, was den Kindern manchmal angeboten wird – total angeranztes Zeug“, beschwert sich Caro. Mit dem Spielzeug ist das jedoch so ein Problem, denn gerne werden Malbücher und Co. „aus Versehen“ eingesteckt. Davon können auch Anja Kreutz und Pino Raia, beide Geschäftsführer im Karma, ein Lied singen. „Malsachen müssen wir ständig neu besorgen, da sie gerne mitgenommen werden. Aber generell haben wir so etwas immer da“, sagt Pino. Die beiden sind selber erst vor drei Wochen Eltern geworden, doch Familienfreundlichkeit war ihnen in ihrem Laden schon immer wichtig.

„Gerade im Sommer ist unsere Terrasse sehr beliebt bei jungen Müttern“, sagt Anja. „Hier ist genügend Platz und man kann die Kinder im Sand rennen lassen. Sofern man das möchte, stört es auch niemanden, wenn man sein Kind hier stillt oder wickelt.“ Auch Katja hat am Anfang darauf geachtet, dass sie in Ruhe stillen konnte. „Man möchte schließlich nicht, dass sich jemand dadurch gestört fühlt. Mein Mann und ich waren mal im Café Journal, dort war das Publikum etwas älter und wir hatten das Gefühl, dass wir mit Kind ein bisschen fehl am Platz sind.“



Um tatsächlich einen Störfaktor komplett zu vermeiden, wären vielleicht spezielle Mutter-Kind-Cafés eine Lösung? In Berlin gibt es die längst. „Das ist mir dort positiv aufgefallen“, sagt Caro. „Die Cafés haben meist riesengroße Spielzimmer und es herrscht eine gemütliche Atmosphäre, fast wie zu Hause. Hierfür zahle ich dann auch gerne einen Euro Eintritt. Das finde ich völlig fair. Immerhin kannst du in Ruhe deinen Kaffee trinken und das Kind ist bestens versorgt.“

Schlummert hier etwa eine noch unentdeckte Marktlücke für Freiburg?

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