Wie kann ich anonym online surfen?

Lennsch

Am 1. Januar 2008 ist das so genannte "Gesetz zur Telekommunikationsüberwachung und Vorratsdatenspeicherung" in Kraft getreten. Wir zeigen, wie du trotzdem unerkannt durchs Netz surfen kannst.



Seit diesem Jahr müssen Internet-Provider die IP-Adressen und die E-Mailkontakte ihrer Nutzer für sechs Monate speichern.

Aber nicht nur der Staat ist fleißig am Protokollieren. Auch private Firmen haben Interesse daran, zu sehen, auf welchen Internetseiten sich ein User aufhält. Dies ist besonders in der Werbebranche ein beliebtes Mittel, um personalisierte Werbung anzubieten.


Anhand der IP-Adresse (sozusagen die Telefonnummer eines Computers) und dem Referrer lässt sich nämlich leicht feststellen, von welcher Webseite der User gerade kommt. Kommt ein User beispielsweise von einer Seite, die sich um das Thema Gartenstühle dreht, kann ihm so Werbung aus dem Bereich Gartenwerkzeug präsentiert werden.

Es lassen sich jedoch noch viel tiefer gehende Profile erstellen: Über eine IP-Adresse kann man herausfinden, aus welcher Region der User stammt oder zu welchen Uhrzeiten er unterwegs ist.

Dieser Datensammelwut sind wir User nicht hilflos ausgesetzt, es gibt im Internet unzählige Projekte, die anonymes Surfen möglich machen. Um mit einem Windows-Rechner anonym surfen zu können, braucht man keinen Universitätsabschluss in Informatik, die Installation dauert nur wenige Minuten.

Mit TOR Anonym surfen, wie funktioniert das?

Für die Installation von TOR wird von einem Windows-Betriebssystem mit Firefox Browser oder Internet Explorer und einem normalen DSL Zugang oder einem normalen Modem/ISDN-Zugang ausgegangen.

Ziel ist es, eure IP-Adresse für den Gesprächspartner, also den anderen Server, unsichtbar zu machen. Euer Gegenüber soll eine andere, x-beliebige, IP-Adresse zu sehen bekommen, so dass kein Rückschluss auf Dich möglich ist.

Installation

Zuerst musst Du TOR downloaden (aktuelle Version ist 0.1.2.18a). Die Installation ist sehr einfach. Im Prinzip genügt es, immer auf "Next" zu klicken. Sollte trotzdem etwas unklar sein, kannst Du dir die Installationsanleitung von TOR anschauen. Diese ist sehr einfach gehalten und damit für Anfänger geeignet.

Nach der erfolgreichen Installation werden alle ausgewählten Programme gestartet. Rechts unten in Deiner Taskleiste findest Du nun ein neu hinzugekommenes Symbol, genauer gesagt eine grüne Zwiebel. Mit einem Doppelklick auf das Symbol öffnest du ein Menü, in dem du alle notwendigen Einstellungen zu TOR überprüfen kannst:



Damit ist schon mal die Hälfte geschafft. Jetzt gilt es noch Deinem Browser beizubringen, dass er die Daten über TOR sendet/empfängt.

TOR im Firefox

Wenn Du den Firefox Browser benutzt, empfehlen wir Dir das Firefox-Plugin TORbutton. Es lässt sich mit wenigen Mausklicks installieren. Nach einem Neustart des Browsers solltest Du in der unteren rechten Fensterhälfte ein kleines grünes (oder rotes) Viereck haben. Mit einem Rechtsklick öffnet sich ein kleines Fenster, das so aussieht:



Mit einem Klick auf Toggle TOR status schaltest Du die Anonymisierung ein und aus. (Zu erkennen am grünen TOR ist aktiviert oder am roten TOR ist deaktiviert).

TOR im Internet Explorer

Je nachdem, welche Version des IE Du benutzt, musst du etwas anders vorgehen: Wähle Extras > Verbindungen > LAN-Einstellungen > Erweitert oder Extras > Internetoptionen > Verbindungen > DFÜ- und VPN-Einstellungen > Einstellungen. Im aufpoppenden Fenster klickst Du bei Proxyserver die Option Proxyserver für diese Verbindung verwenden an.

Dann kann man auf > Erweitert klicken und bei http: und Secure: als Adresse des Proxyservers localhost eintragen, als Port trägt man 8118 ein. Mit OK die Fenster wieder schließen.

Um einmal zu sehen, für wen dich der andere Server nun hält, kannst Du die Website wieistmeineIP.de aufrufen. Wahrscheinlich wird Dich der wieistmeineIP.de-Server einem anderem Land zuordnen und einen anderen Provider anzeigen, als den, den du nutzt.

Ich bekomme folgendes zu sehen:



Was muss ich bei TOR beachten?

TOR ist (noch) nicht absolut sicher – wenn es denn überhaupt eine absolute Sicherheit gibt. Unter bestimmten Umständen ist das Mitlesen des Datenverkehrs möglich und damit auch die Zurückverfolgung des Users. Diese Sicherheitsrisiken sind aber eher theoretischer Natur. Die Chance, tatsächlich enttarnt zu werden, ist sehr gering.

Bestimmte Plugins, die vom Browser während des Surfens aufgerufen werden, solltest Du aber von vorne herein deaktivieren, weil diese direkt auf die IP zugreifen und nicht den Umweg über TOR machen. Dazu gehören zum Beispiel Java, Java-Script, Cookies, Flash, Quicktime, Adobe's PDF, ActiveX (beim Internet Explorer). Selbstverständlich solltest Du auch die Google Toolbar deaktivieren/deinstallieren, denn die kann fleißig Daten senden und dabei TOR umgehen.

Für den Firefox gibt es mehrere Erweiterungen (Noscript, FlashBlock), um diese Plugins mit einem Mausklick ein- bzw auszuschalten.

Einige Leute empfehlen, zum Surfen zwei Browser zu benutzen. Einer wird für TOR, also anonymes Surfen und einer für unsicheres Browsen genutzt.

Mit TOR anonym durchs Social Network?

TOR kann so viele Daten verschleiern wie es will, wenn der Nutzer nicht selbst aufpasst, welche Daten er preisgibt, bringt auch TOR nichts. So hat es selbstverständlich keinerlei Sinn mit TOR zu surfen und dabei fleißig Daten von sich, z.B. in Webforen, zu hinterlassen. Hier ist die Technik nur so gut, wie der, der sie bedient.

TOR anonymisiert die Herkunft deines Netzverkehrs und verschlüsselt alles innerhalb des TOR-Netzwerks. Aber es kann nicht den Verkehr zwischen dem Netzwerk und dem Ziel verschlüsseln. Wenn du also sensible Informationen verschickst, solltest du SSL oder eine andere Verschlüsselungsmethode verwenden.



Wie funktioniert TOR?

Wenn der Benutzer eine Anfrage an einen anderen Server sendet, also zum Beispiel beim Aufruf einer Website, wird diese Anfrage über drei TOR-Server geleitet.

Da sich der erste und der dritte TOR-Server untereinander nicht kennen und die Daten, die über den zweiten TOR-Server gehen, verschlüsselt sind, ist es für den Zielserver nicht möglich, die IP-Adresse des Nutzers zu erfahren. Genauere Infos zur Funktionsweise von TOR gibt es hier.

Kann ich mit TOR anonym chatten?

Klar kannst Du das. Schau in deinem Chatprogramm, z.B. in ICQ, in den Verbindungseinstellungen nach. Dort müsste etwas Ähnliches wie Proxy oder Proxy Server stehen.

Als Proxy-Server trägst du localhost ein, als Port 9050 (bei einigen wenigen Chatprogrammen muss als Port 8118 angegeben werden). Das selbe Procedere gilt auch für den AOL Instant Messenger, MSN etc.

Wer nutzt TOR und warum?

TOR wird aus vielen Gründen genutzt. Einige Einwohner der Volksrepublik China nutzen TOR, um auf Inhalte aus dem Ausland zugreifen zu können, da China (wie auch der Iran) systemkritische Websites sperrt. Auch viele Vertreter von Menschenrechtsorganisationen nutzen das Programm.

Missbrauch

Leider wird TOR oft genutzt, um Filesharing sicher betreiben zu können. Das vermindert die Bandbreite für die legalen User enorm und verursacht außerdem schlechtere Ladezeiten beim Surfen.

Woher weiß ich, dass keine Spyware enthalten ist?

TOR ist OpenSource. Das bedeutet, dass jeder den Quelltext von TOR einsehen darf, um selbst zu prüfen, welche Daten das Programm übermittelt. Es würde sofort auffallen, wenn TOR Spyware, Trojaner oder ähnlichen Müll enthalten würde.

Das Programm wird auch von etablierten IT-Webseiten empfohlen, um möglichst anonym surfen zu können. Auch die Nutzung oder die Bereitstellung eines TOR-Servers ist nicht illegal, denn im Prinzip ist es das gleiche, als wenn Du Deine E-Mails verschlüsselst. Mehr Infos dazu hier.

Inhaltliche Mitarbeit und Screenshots: Adna Rim

Mehr dazu:

  • Alternative zu TOR: JAP