Interview

Wie kann das Sicherheitsgefühl von Freiburgerinnen verbessert werden?

Simone Lutz

Das Thema Sicherheit treibt vor allem viele Freiburgerinnen um. Die städtische Frauenbeauftragte Simone Thomas hat konkrete Vorschläge machen, wie Frauen wieder sicherer leben können.

BZ: Sie sagen, viele Frauen in Freiburg würden sich unsicherer fühlen. Woher wissen Sie das?

Thomas: Das weiß ich aus vielen Rückmeldungen und Anrufen. Eigentlich hat es in der Silvesternacht 2016 mit den Übergriffen in Köln angefangen, dann gab es im Herbst die Morde an zwei jungen Frauen in Freiburg und Endingen. Danach habe ich in Gesprächen mit Frauen und Mädchen zum Teil große Angst bemerkt. Es war erschreckend, wie sich manche weniger getraut haben: Sie sind nicht mehr allein joggen gegangen, haben sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus getraut, haben sich abholen lassen.

"Wir als Gesellschaft dürfen Gewalt gegen Frauen im Alltag generell nicht dulden."

BZ: Was raten Sie verunsicherten Frauen?

Thomas: Das ist ganz schwierig. Die Verantwortung für die eigene Sicherheit kann niemandem abgenommen werden, und natürlich müssen Frauen Vorsicht walten lassen, wenn ein Mörder noch frei herumläuft. Aber es ist eben auch ein Schritt zurück, eine geschlechtsspezifische Einschränkung, wenn es heißt: Dann geh’ halt nicht allein joggen, sonst bist du selbst schuld, wenn dir was passiert. Zu so einer Gesellschaft wollen wir nicht zurück, das ist nicht die Lösung.

BZ: Sondern?

Thomas: Wir als Gesellschaft dürfen Gewalt gegen Frauen im Alltag generell nicht dulden. Und wir müssen konkret etwas für die Sicherheit von Frauen tun.

BZ: Hat sich das Problem dadurch verschärft, dass Männer aus deutlich patriarchalischeren Gesellschaften hierher geflüchtet sind?

Thomas: Ich denke, es gibt durchaus Schwierigkeiten mit Männern, die aus patriarchaleren Gesellschaften kommen und hier auf Frauen aus unserer Gesellschaft treffen. Das ist ein Problem, und das müssen diese Männer lernen.

BZ: Wie sind Ihre Vorschläge in Sachen Sicherheit?

Thomas: Ich möchte die einstige "AG Angsträume" wiederbeleben: Wir schauen uns in den Quartieren und Stadtteilen die Situation vor Ort an und definieren Stellen, an denen Bürgerinnen und Bürger Angst haben könnten. Zum Beispiel dunkle Wege, zugewachsene Durchgänge, schlecht beleuchtete Haltestellen – da, wo man sich unwohl fühlt. Dazu gehört auch, dass wir uns öffentlichen Raum zurückholen, gefährliche Orte – mit Nachtwanderern oder mit Aktionen, damit es normaler, lebendiger und damit sicherer wird.

BZ: Stichwort Frauentaxi.

Thomas: Auch das befürworte ich sehr. Die Stadtverwaltung prüft gerade verschiedene Varianten und hat gerade erst am Mittwoch ein Gespräch mit Taxiunternehmern geführt, um das vorzuschlagen. In der Politik gibt es unterschiedliche Ansichten, einige Stadträte halten ein Frauentaxi für überflüssig, andere warten erst mal ab, was die Gespräche bringen. Ich finde allerdings auch, dass der öffentliche Personennahverkehr generell für Frauen und Männer sicher sein muss.

BZ: Haben Sie weitere Vorschläge?

Thomas: Eine gute Sache sind Hot Spots, sichere Orte, an denen Frauen sich nachts treffen und zum Beispiel die Heimfahrt organisieren können. In letzter Zeit hat sich das im Foyer des Kagan entwickelt, begleitet und unterstützt von der Geschäftsführung. Und was bereits läuft, sind Workshops für Mitarbeitende der Nachtgastronomie, die auf die Sicherheit von Frauen achten, etwa bei Verdacht auf K.O.-Tropfen. Es gibt viele Ideen, die wir bei einer Fachtagung entwickelt haben. Ich werde diese der Gleichstellungskommission und dann im nächsten halben Jahr dem Gemeinderat vorlegen. Der soll entscheiden, wie es weitergeht. Freiburg muss sicher sein.
Zur Person

Simone Thomas ist seit knapp drei Jahren Frauenbeauftragte der Stadt. Die 50-jährige Öffentlichkeitsreferentin ist studierte Politikwissenschaftlerin. Bevor sie zur Frauenbeauftragten gewählt wurde, arbeitete sie unter anderem bei Frauenhorizonte und dem Solarinfocenter. Thomas ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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