Wie junge Politiker aus Freiburg zur Legalisierung von Cannabis stehen

Theresa Ogando & Enya Steinbrecher

Cannabis soll legal sein, das forderte vergangene Woche der Bund Deutscher Kriminalbeamter. Im Koalitionsvertrag der Groko steht dagegen kein Wort über Gras. Was denken eigentlich Freiburgs junge Politiker über die Legalisierung?

Julia Söhne, SPD:



"Der Kampf gegen den Cannabis-Konsum durch Repression ist klar gescheitert. Ich bin für die Legalisierung von Cannabis, was nicht heißt, dass man vor den Gefahren nicht warnen muss. Durch ein Verbot werden jedoch die Gefahren des Konsums erhöht, wie zum Beispiels Infektionsrisiken und die Beschaffungskriminalität. Die Anzahl der Konsumenten wird wohl gleich bleiben – eine Legalisierung soll ja nicht bedeuten, dass Cannabis offen beworben und unkontrolliert abgegeben wird. Dafür könnten wir jedoch Cannabis besser kontrollieren und darüber aufklären – zum Beispiel über gesundheitliche Nebenwirkungen, die bei jungen Menschen in der Entwicklung unumstritten sind."

Sergio Schmidt, Junges Freiburg:



"Ich finde, wir hinken den Niederlanden und einigen Bundesstaaten in den USA hinterher. Cannabis sollte längst legalisiert sein. Natürlich hat Cannabis Nebenwirkungen: So kann es zu einer psychischen Abhängigkeit führen und in wenigen Fällen Psychosen auslösen. Auch ist es schädlich für die Lunge, besonders wenn es mit Tabak gemischt wird. Es ist trotzdem nicht richtig, dass Cannabiskonsumenten sich weiter in den Schatten bewegen müssen, um rechtlichen und sozialen Konsequenzen aus dem Weg zu gehen, während Alkohol, eine genauso schädliche Droge, gesellschaftlich akzeptiert ist. Da in den Niederlanden, in denen Cannabis bereits legal ist, weniger Erwachsene und Jugendliche kiffen als hier in Deutschland, glaube ich auch nicht, dass sich die Zahl der Konsumenten verändern wird."

Video: Global Marijuana March 2017 in Freiburg



Joel Kühn, Junge Liberale:



"Die Jungen Liberalen sind aus mehreren Gründen grundsätzlich für eine Legalisierung von Cannabis auch außerhalb des medizinischen Gebrauchs. Denn so kann eine Entkriminalisierung dieser Droge stattfinden, die Polizei- und Justizbehörden werden entlastet. Des Weiteren verliert Cannabis die Stellung als "Einstiegsdroge", da so ein Kontakt mit einem Dealer umgangen werden kann. Den Bürgerinnen und Bürgern wird die Freiheit eingeräumt selbst über den Konsum zu entscheiden und sich einer ausbreitenden Verbotskultur zu entziehen.
Allerdings betrachten wir die Diskussion in Politik und Gesellschaft sehr aufmerksam, da einigen wichtigen Punkten nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Die Hinweise auf nachhaltige neuronale Entwicklungsstörungen beim Rauchen von Cannabis unter dem 21. Lebensjahr sollten nicht unterschätzt werden, weshalb eine Legalisierung ab einundzwanzig Jahren - nicht ab achtzehn Jahren - angebracht erscheint. Zudem gibt es noch Nachholbedarf in der Aufklärung der Bevölkerung. Cannabis besitzt genau so wie jedes andere Betäubungsmittel, wie etwa Benzodiazepine oder Amphetamine, unerwünschte Nebenwirkungen, die von Konsumenten unterschätzt werden. Schlussendlich sollte die Entscheidung über die Freigabe von Experten unter Abwägung aller Argumente erfolgen und sich nicht einer politischen oder ideologischen Überzeugung beugen."

Carolin Jenkner, CDU:



"Ich bin kein Freund von der Legalisierung. Zwar sind positive Wirkungen im medizinischen Bereich erwiesen, trotzdem ist Cannabis noch immer eine Einstiegsdroge. Ich glaube trotzdem, dass eine Legalisierung an den Zahlen der Konsumenten nichts ändern würde – wer es konsumieren möchte, der tut dies auch jetzt schon. Doch gerade für junge Menschen würde es einfacher werden, an Cannabis zu kommen – solange Gras noch illegal ist, ist die Hemmschwelle jedoch bei jungen Menschen noch höher."

Video: So sucht die Polizei rund um Freiburg nach Cannabis



Paul Vogel, Grüne Jugend:



"Die Grüne Jugend Freiburg ist für eine Legalisierung von Cannabis. Ein Verbot und sogar die Kriminalisierung von Konsumenten ist weder zielführend noch richtig. Im Grundsatz sollte es jedem volljährigen Menschen selber überlassen sein, wie er seinen Lebensentwurf gestaltet und ob er dabei gemäßigt Drogen konsumieren möchte - der Staat hat sich nicht einzumischen, solange Dritte nicht gefährdet werden.

Auch ordnungspolitisch ist die Prohibition gescheitert. Es spricht Bände, dass der Bund deutscher Kriminalbeamter sagt: "Die Prohibition von Cannabis ist historisch betrachtet willkürlich erfolgt und bis heute weder intelligent noch zielführend." Ebenfalls eine Entkriminalisierung fordert auch der Schildower Kreis, ein Zusammenschluss von 122 Strafrechtsprofessoren und -professorinnen bereits seit 2013. Die Kriminalisierung und strikte Prohibition führt zu einem Schwarzmarkt, in dem weder Jugendschutz möglich ist, noch sinnvolle Aufklärungsarbeit geleistet werden oder Substanzen kontrolliert werden können. Es entwickelt sich eine rechtsfreie Zone unter der letztlich alle Beteiligten leiden. Deshalb fordern wir eine Legalisierung von Cannabis, um den eigenverantwortlichen Konsum zu ermöglichen und einen effektiven Jugendschutz gewährleisten zu können."



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