Wie in den 60ern: Das Stummfilmkonzert der Camerata Academica mit Live-Orchester

Dorothee Soboll

Stummfilm mit Begleitung: Die Camerata Academica spielte am Freitagabend unter der Leitung von Lukas Grimm die Musik zu Buster Keatons Stummfilm "The General" – und der aka-Filmclub verwandelte das Audimax in ein Kino der 1960er-Jahre.

Als Buster Keaton seinen Film im Jahr 1926 zum ersten Mal zeigte, ist er damit krachend gescheitert. "Er war seiner Zeit wohl voraus", sagt Johannes Litschel vom aka-Filmclub der Uni Freiburg, bevor die Vorführung beginnt. An diesem Freitagabend ist das ganz anders: Nach dem Schlussakkord bricht das Publikum in frenetischen Jubel aus, wenige Sekunden später erheben sich alle Zuschauer von den Hörsaal-Klappsitzen. Der Applaus gilt zum einen der rasanten Komödie, zum anderen dem Orchester und seinem Leiter Lukas Grimm.


Erstmals ein Stummfilm mit Uraufführung

Es ist ein einzigartiges Projekt. "Wir haben schon Stummfilme gezeigt, aber bisher nie mit Orchester und nie mit einer Uraufführung", so Litschel. Die Musik hat Lukas Grimm komponiert. "Ich habe dafür den Film so 30, 40 Mal gesehen", sagt der Komponist. Einfach sei es nicht, einen Stummfilm zu begleiten: "Das Timing muss absolut stimmen, damit der Effekt nicht verlorengeht." Das Orchester habe zunächst nur die Musik geprobt und erst später den Film gesehen.

Die Musiker verziehen keine Miene

Die Komödie reißt das Publikum mit. "The General", das auf Deutsch "Die General" heißen muss, ist eine Komödie zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges. Nordstaatler kämpfen gegen Südstaatler, mittendrin der Lokführer Johnnie Gray. Nicht als Soldat geeignet, wird er doch in den Krieg hineingezogen, als Nordstaatler seine geliebte Lokomotive "The General" stehlen. Bemerkenswert: Die etwa 500 Zuschauer lachen über Keatons Slapstick – und die Musiker verziehen keine Miene. Sie konzentrieren sich ganz auf ihren Dirigenten.

Grimms Musik ist perfekt auf die Handlung abgestimmt. Vor dem Beginn stimmt der 30-Jährige das Publikum ein, lässt die Musiker verschiedene Motive kurz anspielen. "Das ist jetzt ein bisschen wie bei Peter und der Wolf" sagt er und lässt das Motiv Buster Keatons erklingen. Wie im musikalischen Märchen von Sergei Prokofjew haben alle wichtigen Darsteller ihr eigenes Thema. Geigen, Celli und Bläser spielen das Motiv der Verlobten an, die finstere Musik für die Nordstaatler – und das Thema für die wahre Hauptdarstellerin: die Lokomotive.

Begeisterung wie in den 1960er-Jahren

Bild und Ton versetzen die Zuschauer in ein Stummfilmkino der 1960er-Jahre, als Keatons Werk gefeiert wurde. So auch die Stimmen im Hörsaal, in dem sonst Juristen bei Probeklausuren schwitzen. "Sensationell", sagt eine Zuschauerin. "Großartig, ich hatte ja gar keine Erwartungen an den Abend", sagt eine andere.

Nicht nur Studenten sind an dem Abend da, auch Fans der Camerata Academica und Sänger des Freiburger Kammerchores, den Grimm leitet. "Wir sind total froh, dass trotz Pfingsten so viele gekommen sind. Ich habe schon gedacht, dass nur die ersten drei Reihen besetzt sein würden", sagt Litschel.

Auch die Begeisterung der Zuschauer hat dazu beigetragen, dass es ein großartiger Abend geworden ist. Jeder Part ist für sich schon ein Erlebnis: der grandiose Film, das sehr gute Orchester, die passende Musik – aber zusammengenommen war das eine ganz besondere Vorführung.
Weitere Vorführung am 25. Juli 2017 im Augustinum in Freiburg. Informationen gibt es auf der Website derCamerata Academica.