Wie im Traum: "Somnia" im E-Werk

Maria-Xenia Hardt

Eine einstündige Show, als Mischung aus Konzert und Film, verwischt Grenzen: Zwischen Kunstformen, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen real und unfassbar. Am Samstag mündeten vier Jahre Arbeit der Freiburger Band "Am Limbus" in der Premiere des Erstlingswerks "Somnia" im E-Werk:



Viertel vor acht, noch eine gute halbe Stunde, bis es losgeht, mit „Somnia“ im E-Werk, dem Ertrag aus vier Jahren Arbeit der 2012 neu gegründeten Band „Am Limbus“. Lukas Auer, Schlagzeuger und Mitinitiator, wirkt zumindest noch recht entspannt.

Das ganze Projekt ist vor einem alles: ein Experiment, das Musik und Film, Geschichten und Beats zusammen bringen soll. Das eintrudelnde Publikum ist sich nicht ganz sicher, was genau es sich darunter vorzustellen hat. „Ich bin gespannt“, sagen die, die Lukas kennen im Vorbeigehen. „Ich auch“, sagt Lukas dann.

Ein praller, eigenen Sound

Es ist viel Arbeit in diesen Abend geflossen: Die fünfköpfige Band – neben Lukas Auer bestehend aus Bastian Hirth, Jeroen Evert, Torsten Kirk und Henning Jensen – liefert die Musik. Sieben Filmemacher steuern die visuelle Seite bei, Kurzfilme, die basierend auf dem Sound entstanden sind und ganz unterschiedlich die, so ist es gedacht, einheitliche Geschichte der Show, weiterspinnen: Spielfilme wechseln sich mit Naturaufnahmen, Schattentheater und Animationen ab.

Dann geht es los. Der große Saal im E-Werk ist nicht ganz voll, aber voll genug, und der von Beginn an pralle Sound der Band nimmt den Rest des Raumes ein. Auch ohne die Filme und alles drum herum wäre das ein vielversprechender Premierenabend einer Band, die musikalisch einfach richtig gut ist und innerhalb der einen Stunde Programm ganz verschiedenen Songs zu bieten hat, lautere und leisere, kraftvollere und zaghaftere, und es dabei trotzdem schafft, einen einheitlichen und eigenen Sound zu präsentieren.

Surreal, ungreifbar und flüchtig

Das Zusammenspiel mit den Filmen auf der riesigen Leinwand hinter der Bühne macht aber natürlich den eigentlichen Reiz aus: Die Filme nehmen die Stimmung der Musik auf, immer wieder sind etwa Schritte, das Voranticken des Sekundenzeigers auf dem Wecker, Schnitte und Kamerabewegungen beeindruckend genau auf den Beat der Lieder getimt. Auch die Stimmungen – von ängstlich bis euphorisch, von harmonisch bis surreal – werden sowohl von der Band als auch von den Filmen transportiert.

Und so verwischt irgendwie alles – manchmal weiß man gar nicht, ob ein Geräusch jetzt Teil des Films ist, oder als diegetischer Teil des Film gedacht ist, oder einfach nur zum Song gehört. Besonders bei Evelin Schallers Animationsfilm „Der kleine Tod“, einer der stärksten des Abends, verschwimmen die Ebenen: Schatten werfende Mikrofonständer auf der Bühne könnten auch Teil des Films sein, das Publikum im Saal spiegelt auf seltsame Weise die tanzen Silhouetten auf der Leinwand.



Vielleicht ist dieses Lied auch deshalb besonders in Erinnerung haften geblieben, weil es eines der Instrumentalstücke ist. Die Texte der Songs nämlich sind im Vergleich zum ganzen Rest irgendwie platt, wirken überflüssig und manchmal gar störend.

Nach einer Stunde, die kürzer vorkommt, bleibt das Publikum ziemlich geplättet zurück. Was genau nun die Geschichte der Protagonistin Synthia ist, wird vom einmaligen Anschauen nicht ganz klar. Dass es überhaupt eine Protagonistin gibt, und die Kurzfilme nicht das Träumen und Wachen verschiedenen Personen zeigen, ist nur ersichtlich, wenn man es vorher weiß.

Die Handlung bleibt verschwommen und surreal. Vielleicht ist „Somnia“ in dieser Hinsicht zu ambitioniert, versucht eine Ebene zu viel unterzubringen. Aber vielleicht ist auch genau das der Kern der Sache – schließlich geht es ums Schlafen und um Träume, in denen eben nicht alles real und fassbar ist, sondern irgendwie verwischt; um einen Bewusstseinszustand, in dem man sich in einem seltsamen Zwischenraum befindet, in dem alles möglich ist, und flüchtig.

Mehr dazu:

 

Fotos: Maria-Xenia Hardt, Am Limbus/privat

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.