Wie im Klebestoffrausch: Ein Sonntag mit Nino aus Wien im Swamp in Freiburg

Bernhard Amelung

Kaffee- und Tabakduft, Menschen dicht an dicht, zwei Wiener, die schwarzhumorig ihre Heimat besingen. Klingt nach einem perfekten Sonntagnachmittag. Diesen hat fudder-Autor Bernhard Amelung im Swamp erlebt. Mit Nino aus Wien.



Kaffeeduft erfüllt den Raum. Seine Röstaromen vermischen sich mit Tabaknoten. Virginia. Barbados Blend. Wiener Rauch. Süß-warm, wie gebackener Kuchen. So und nicht anders muss ein Sonntagnachmittag riechen. So riecht es an diesem Sonntagnachmittag im Swamp in der Talstraße.


Draußen ziehen gelegentlich Autos vorbei. Eltern und ihre Kinder schlendern gemütlilch auf dem Gehweg, zwängen sich an den Fahrrädern vorbei, die den Gehweg belegen. Drücken die Nase an der Glasfront platt. Ein Mädchen streckt die Zunge raus. Drinnen stehen die Menschen dicht an dicht. Nichts für jemand, der andere Menschen als beklemmend wahrnimmt. "Zwei Ex", ruft ein Mann in Richtung Tresen. "Eine reicht mir", kommentiert sein Kumpel. Der Rufer bekommt sein Exportbier. Frisch gezapft. Kaffee- und Tabakduft mischen sich mit der malzigen Würze des Bieres.

Die Kaffeemaschine zischt, poltert, rumpelt. Wie lange sie noch durchhalten mag? "Wer hatte den Milchkaffee?", fragt der Mann hinter dem Tresen. Geschirr klappert. Eine Flasche fällt auf den Boden. Ein Mann stolpert, rempelt dabei eine Frau an. "Tschuldigung", sagt er. "Schon okay", sagt die Angerempelte und lächelt gütig. So muss ein Sonntagnachmittag klingen.

Dann, irgendwann, rauscht es. Die Lautsprecher knistern und knacken. Zwei Männer betreten die Bühne. Der eine ist Nino Mandl, 28, bekannt als der Nino aus Wien. Der andere, sein Kumpel, ist Raphael Sas. Multiinstrumentalist, für Nino Gitarrist und Pianist. Sie sind auf Duo-Tour unterwegs. Zuerst St. Gallen, dann Villingen-Schwenningen und Mainz, heute Freiburg, morgen München, Frankfurt, Düsseldorf. Die Welt.

"A Konzeat am Nochmittag is doch bessa fia eich. Kennts no wos mochn, heid Obnd", sagt der Nino. Er setzt sich. Langsam spricht er. Urlangsam. Zwischen Ketakiefer und schlampert. Kommt aus dem Mittelhochdeutschen. Slampen heißt so viel wie schlaff. Vielleicht stimmt der Pressetext zu einem seiner Alben ja doch. Dort heißt es, er habe seine ersten Songs im Klebstoffrausch geschrieben.

Wie im Klebstoffrausch fühlt man sich auch nach seinem ersten Lied. Das handelt vom "heißesten Tag des Sommers", wo er seine Jacke ausziehen mag. Ein Lied in bester Wienerlied-Tradition. Hat die Stadt Wien zum Thema, besingt ein Charakteristikum der Stadt, grantelnd, spöttisch, schwarzhumorig. Trotzdem irgendwie auch Loblied. Nichts geht über Wien, die Altehrwürdige; aber auch über ihre Vorstädte und Kleingärten mit ihren Hütten. Dann ein paar Akkorde. Der letzte Song. "A poar Zugoabn gibts scho", sagt Nino. Und: "Mia bleibn sitzn. Ia brauchts uns ned reinklatschen." Sympatisch anti-euphorisch. Jetzt noch ein Bier. So muss ein Sonntag enden.

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