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Wie ich versuchte, mich beim Freiburger Quidditch-Training nicht zu blamieren

Maleen Thiele

Quidditch verbinden die meisten mit der Fantasy-Welt um Harry Potter. Doch dass es sich dabei um eine Sportart handelt, haben die wenigsten auf dem Schirm. fudder-Autorin Maleen Thiele hat die Freiburger Quidditch-Gruppe bei ihrem Training besucht.

Sonntagnachmittag: Ein paar Spaziergänger laufen trotz Regenwetters mit Schirm durch den Seepark. Am Fußballplatz neben dem Seeparkstadion sehen sie eine Gruppe junger Menschen in schwarz-grünen Sporttrikots, die, auf einem Stab sitzend, Bälle jagen. Es handelt sich um die Black Forest Bowtruckles, Freiburgs Quidditch-Team.


Die Mannschaft spielt das aus den Harry-Potter-Romanen bekannte magische Spiel seit 2014 professionell – die Freiburger gehören damit in Deutschland zu den Quidditch-Urgesteinen. Doch ist das Spiel, das auf den ersten Blick merkwürdig aussieht, nur etwas für Fantasy-Nerds? Oder handelt es sich um eine Sportart, die als eigene Disziplin anerkannt werden muss? Genau diese Frage versuche ich als Harry-Potter-Laie zu beantworten.

Disziplin spielt eine wichtige Rolle

Das Training ist auf drei Stunden angesetzt - was mich nach einer durchzechten Nacht überfordert. Mir wird schnell klar, dass bei den Bowtruckles Disziplin eine wichtige Rolle spielt. Das machen auch die mehrstündigen Trainingseinheiten deutlich, die dreimal die Woche stattfinden. Auch der Aufbau des Trainings hat ganz bestimmt nichts mit einem Haufen Fantasynerds zu tun, die ein bisschen die Zauberwelt Harry Potters nachempfinden wollen.

Zuerst gibt’s Aufwärmübungen: Alibimäßig mache ich relativ häufig Pausen für Fotos und Fragen – sonst würden mich die Übungen in die Knie zwingen. Vor allem das Training an der Koordinationsleiter beeindruckt mich. Während ich schon bei den einfachsten Übungen ins Straucheln komme, absolvieren meine Mitspieler die kompliziertesten Schrittfolgen mit Links. Danach stehen Wurfübungen auf dem Programm – natürlich mit Besen zwischen den Beinen. Wobei es sich hier um eine einfache PVC-Stange handelt. "Diese soll vor allem als Handicap gesehen werden, um das Spiel zu erschweren", erklärt Spielerin Jenny. Nach zweieinhalb Stunden Konditions- und Koordinationstraining sowie intensiver Taktikbesprechung startet erst in der letzten halben Stunde das richtige Spiel. Zu der Zeit bin ich schon komplett erschöpft.

Die Quidditch-Regeln

Im Quidditch sind pro Team sechs (zum Ende hin sieben) Spieler auf dem Spielfeld. Insgesamt vier Feldspieler sind Beater (Treiber). Deren Aufgabe ist es, die Spieler des gegnerischen Teams mit einem von drei Bällen abzuwerfen. Wird ein Spieler getroffen, muss er vom Besen absteigen, zu den eigenen Toren zurückrennen, diese abklatschen und erst dann darf er weiterspielen. Chaser sind jeweils drei Jäger pro Team, die versuchen, den Quaffel (hier ein Volleyball) in die gegnerischen Ringe zu werfen. Der Keeper (Hüter) versucht ebenso wie die Chaser Tore zu machen, besitzt aber vor seinen eigenen Ringen nochmals einige Sonderrechte. Die verschiedenen Positionen werden mit unterschiedlichen Stirnbändern markiert.

Ziel des Spiels ist es, mehr Punkte als die gegnerische Mannschaft zu erreichen. Jedes Tor zählt hierbei 10 Punkte. Nach der 17. Spielminute betritt der sogenannte Snitch (Schnatz) in Form eines neutralen Spielers das Feld. Dieser wird dann – wie bei Harry Potter – von zwei Seekern (Suchern) versucht zu fangen, indem diese ihm einen angebrachten Tennisball aus der Hose ziehen müssen. Das Spiel ist vorbei, wenn der erste Seeker den Snitch gefangen hat.

Schnelligkeit und gute Wurf- und Fangfähigkeiten

Spätestens nach Spielbeginn merke ich, warum Quidditch als Vollkörperkontaktspiel bezeichnet wird. Das Spiel vereint Elemente aus Handball, Dodgeball und Rugby.Obwohl mich keiner der Mitspieler tackelt – was durchaus erlaubt ist – mache ich keine wirklich gute Figur. Denn bei Quidditch zählen Schnelligkeit und gute Wurf- und Fangfähigkeiten – all das kann ich nicht vorweisen. Während die anderen Spieler sich wieder auf der anderen Feldseite befinden, versuche ich noch, beim Rennen nicht über den Besen zu stolpern.

Wenn ich den Ball habe, werfe ich ihn den Gegnern in die Hände oder als Chaser zu den Beatern – was nicht erlaubt ist. Außerdem fordert mich die Koordination mit dem Besen, der die Spielzüge enorm verkompliziert, heraus. Doch das größte Problem sind die Regeln: Da mir grade noch so die Namen Hermine, Ron, Dumbledore und Voldemort ein Begriff sind, dauert es ewig, bis ich sie kapiert habe. Für Außenstehende sieht meine Performance bestimmt mehr als jämmerlich aus. Nach zwei Minuten sind meine Mitspieler und ich froh, dass ich das Spielfeld wieder verlasse.

Fazit

Quidditch ist eine ernstzunehmende Sportart, auch wenn sie den Rowling-Romanen entstammt. Es vereint Elemente anderer Sportarten und entwickelt darüber hinaus eine eigene Spieldynamik. Und auch, dass viele Spieler erst durch ihr Interesse an der Harry-Potter-Saga auf die Sportart aufmerksam wurden, finde ich gut: Denn so kann man Sport und Fangefühle miteinander vereinen. Nur muss man sich bewusst machen, dass Quidditch keine Ansammlung von Fantasynerds ist, sondern eine anspruchsvolle Sportart. Und: Man muss einstecken können.
Allein in Deutschland gibt es über 30 Quiddichteams. Die Freiburger Black Forest Bowtruckles stellen hierbei mit ihrer Gründung im Jahr 2014 ein deutsches Quidditch-Urgestein dar. Die Bowtruckles sind eine gemischt-geschlechtliche Quidditchgruppe, die nicht nur nationale, sondern auch internationale Turniere besucht.

Du willst die Black Forest Bowtruckles kennenlernen? Trainingszeiten sind jeweils Dienstag und Donnerstag von 18 bis 20 Uhr sowie Sonntags von 11.30 bis 14 Uhr. Anmeldung über die E-Mail Adresse blackforestbowtruckles@gmail.com