Test

Wie ich versuchte, im Fitnessboxen mitzuhalten

Carolin Scheidel

Boxen wie Maggie Fitzgerald aus dem Film Million Dollar Baby – das wollte fudder-Autorin Carolin Scheidel lernen. Sie meldete sich fürs Frauenboxen beim Boxsportverein Freiburg an – und machte fast schon beim Seilspringen schlapp.

Zugegeben – nach Million Dollar Baby sieht das Ganze trotz Boxhandschuhen noch nicht aus. Dafür werde ich gleich das Gefühl haben, mindestens genauso intensiv zu trainieren. "Eine Runde Seilspringen zum Aufwärmen," ruft Alexander Wehrle, Box-Trainer und selbst mehrmaliger Titelträger, durch den Trainingsraum des Boxsportvereins Freiburg.


Tja, hätte ich das Seilspringen mal nicht seit Kindheitstagen aufgegeben. Während ich langsam den Springrhythmus wiederfinde, muss ich mir eingestehen, dass ich mich damals wohl auch in einer besseren sportlichen Verfassung befand. Aber zurück zum Training, das meine volle Aufmerksamkeit erfordert. In Intervall-Einheiten gegliedert, wechselt dies in nur wenigen Minuten zwischen Aufwärmübungen, Gymnastik, Schlagtraining und Lockerungsübungen.

Kraft, Ausdauer, Schnellkraft, Koordination, Reaktionsvermögen, Technik, Taktik

Die grundlegende Box-Technikeinheit absolviere ich direkt zu Beginn. So befinden sich meine Fäuste immer auf Kinnhöhe und bieten Deckung, die Ellenbogen schützen die Flanken. Dabei sind meine Beine leicht gebeugt, ein Fuß steht vorne, der andere weiter hinten. Aus der Deckung heraus strecke ich jeweils Schlag- und Führhand aus, mal mit Gewichten in der Hand, mal ohne. Und lerne schnell dazu: So ist ein Jab ein ausgeübter Schlag mit der Führhand. Das angenehme am Fitnessboxen: mein Gegner ist hier erstmal nur der Sandsack oder die Maisbirne. Finde ich gut – denn an der Koordination mangelt es noch etwas und bereits ohne Gegner bin ich bedingt durch das Ausdauer- und Krafttraining die optimale K.O.-Kandidatin.

Klingt hart, macht aber Spaß. Und den habe nicht nur ich. Mit mir trainieren im "Fitnessboxen für Frauen"etwa 20 weitere Kämpferinnen. Insgesamt hat der Verein derzeit etwa 330 Mitglieder und zählt damit zu den größten in Baden-Württemberg. Unter fachkundiger Leitung betreibt der Verein neben Boxsporttraining aktive Sparten wie "Managerboxen", das "Fitnessboxen für Frauen" und zahlreiche weitere Fitness-Trainingseinheiten für alle.

Die Trainingsstätte liegt in der Merianstraße und ist nur unschwer an der Ausstattung zu erkennen. Zahlreiche Sand- und Maissäcke hängen an der Decke, Spiegel säumen die Längswand und ein Boxring wartet auf seinen Einsatz. Die Gewichte an der Wand und Medizinbälle unterschiedlicher Größe deuten bereits auf ein aktives Training hin.

Deckung nicht vergessen

Unmittelbar nach dem Seilspringen erwartet mich die nächste Herausforderung: Tennisbälle trippeln, dabei auf die Beinarbeit achten. Keine Zeit für eine Pause, danach heißt es Schattenboxen. Die Schläge gegen die Luft trainieren Schlag- und Schlagkombination. Mit Gewichten in den Händen komme ich nun erst ordentlich ins Schwitzen. Da fühlt sich das folgende Seilspringen auch nicht mehr ganz so schwer an. Und weiter geht’s: Mit kurzen, kräftigen Schlagbewegungen versuche ich mich am Boxsack.

Nach mehreren kurzen Trainingseinheiten werden die Arme und Beine langsam schwerer und die darauffolgenden Liegestütze machen es nicht gerade besser. Durch das motivierende Training verschwende ich jedoch keinen Gedanken daran aufzugeben. Ganz im Gegenteil: Ich möchte durchhalten und besser werden – auch wenn die Sache mit der Deckung und dem Auge im Kampf gegeneinander vermutlich noch lange nicht gut ausgehen würde.
Infos zum Probetraining, einer Mitgliedschaft oder allgemeine Facts über den Verein findet ihr auf www.bsv-freiburg.de

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