Wie ich versuchte, "Freiburgs next Topmodel" zu werden

Merlin Gröber

Anna Ewers hat es bereits geschafft, nun wurde am Samstag der Nachfolger/die Nachfolgerin gesucht. Unter den 100 Bewerbern: unser Autor Merlin Gröber. Ob sein Traum vom Modelleben wahr wurde:



Laufen ist eigentlich einfach, sollte man meinen. Doch nun liegt im gleißenden Licht der Scheinwerfer dieser Laufsteg vor mir und meine Beine zittern. Nacheinander werden wir aufgerufen und müssen nach vorne laufen, um uns anzuhören, ob wir "Freiburgs next Topmodel" werden. Damit rechne ich eher nicht, ich bin noch nie zuvor einen Laufsteg abgelaufen. Aber wer weiß: Vielleicht liege ich bald in L.A am Pool, links neben mir Heidi Klum, rechts neben mir Anna Ewers, in der Hand einen fettarmen Pina Colada. Dann hätte sich dieser Abend gelohnt.


Drei Stunden früher, 17 Uhr 30. In der Freiburger Schwarzwald City beginnt die Registrierung für mein erstes Modelcasting, der Andrang ist riesig. Gemessen werden Brustumfang, Hüfte und Größe. Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich neben mir gemeldet - ziemlich viel Konkurrenz. Die Veranstalter sind begeistert. „Wir hatten mit halb so vielen Teilnehmer gerechnet“, sagt die zierliche junge Frau mit den langen, dunklen Locken. Vor dem Casting findet noch eine Modeschau mit Profis statt, danach sind wir dran.

19.30 Uhr, dicht gedrängt stehen wir im ersten Obergeschoss der Schwarzwaldcity und warten auf unseren Auftritt. Einige Teilnehmer starren ins Leere, andere treten nervös von einem Fuß auf den anderen oder unterhalten sich mit gedämpfter Stimme. Manche üben Laufen. Das hätte ich auch besser machen sollen.

Plaudern mit Frano

Stattdessen plaudere ich mit Frano. Er ist 19 Jahre alt und wäre jetzt lieber zu Hause, Fußball schauen. Kroatien spielt. „Meine Heimat“, sagt er. Seine Cousinen hätten ihm aber gesagt er solle unbedingt mitmachen, jetzt ist er hier. Kurz vor Schluss hat er sich erst angemeldet, Nummer 97 prangt auf seinem Shirt. Dass er das Casting heute gewinnen würde, hätte er sich zu diesem Zeitpunkt nicht träumen lassen.


Frano, späterer Gewinner des Model-Castings in der Schwarzwald-City

Um kurz nach 20 Uhr geht es los. Die ersten 50 Teilnehmer werden in Zehnergruppen nach unten geholt. Ich bin Nummer 63 – genug Zeit für letzte, taktische Überlegungen. Lächeln oder nicht? Brust raus, Bauch rein? Auf jeden Fall! 

„Nummer 62 bis 72 nach vorne bitte!“ Die brünette Schönheit lässt meinen Puls in die Höhe schnellen. Sind wir jetzt dran? Der Laufsteg ist im Erdgeschoss aufgebaut, prominent platziert mitten im Einkaufszentrum. Das dumpfe Wummern der Musik wird lauter, als wir die Treppe hinuntersteigen. Die Spannung nimmt zu, der Kopf wird heiß. Klassisches Bühnenfieber oder ist es hier einfach nur warm? Egal, Zeit zum Überlegen bleibt nicht.

Die Entscheidung

„Und jetzt die Nummer 63 bitte“. Okay, das bin ich. Lauf los. Jetzt. Laufen. Ich hasse meine Beine. Zögernd bleiben sie stehen, um dann plötzlich unkontrolliert loszulaufen. Brust raus, Bauch rein, nicht lächeln. Das Licht der Scheinwerfer brennt auf dem Gesicht. Schritt für Schritt komme ich dem Tisch der Jury näher.

Ein Mikrofon wird mir ins Gesicht gehalten. Wie ich heiße und wie alt ich sei, will die Jury wissen. Dann muss ich warten. Sekunde um Sekunde vergeht, die Zeit zieht sich lang wie Kaugummi. Da vorne entscheidet sich, ob mein Pina-Colada-Tagtraum wahr wird oder nicht. Peyman Amin von Germany’s Next Topmodel und Frank Schäfer von M.O.D. beraten sich mit den lokalen Juroren, der Radiomoderatorin Julica Goldschmidt und der Klatschreporterin Sandra Tieso. Dann fällt die Entscheidung. Für mich gibt es kein T-Shirt, ich scheide aus. Anna Ewers werde ich vermutlich auch zukünftig nur auf Werbebannern zu Gesicht bekommen.

Statt mir aber hat es Frano geschafft. Um 22.15 Uhr steht er im Finale auf der Bühne und strahlt gemeinsam mit der 15-jährigen Lia, die sich mit ihm den Doppelsieg holt. Ab Dezember modeln sie für M.O.D. vor der Kamera. Frano hat sogar doppelten Grund zur Freude. Kroatien hat Bulgarien 3:0 geschlagen. „Was für ein Hammertag“, sagt er. Auch Enzio Maggiore, der das Casting veranstaltete, fand die Stimmung super. Zufrieden bin auch ich - ich laufe ganz locker nach Hause. Bauch rein, Brust raus!

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[Fotos: Miroslav Dakov]