Selbstversuch

Wie ich mich einen Abend in Freiburg selbst gedatet habe

Lena Kaltenbach

Von meditativem Spaghettiessen und der Flucht aus einem Club: Wie ist es, einen Abend lang ein Date mit sich selbst zu haben? fudder-Autorin Lena Kaltenbach hat es ausprobiert und sich ins Kino, Restaurant, eine Bar und einen Club eingeladen.

Im Kino kuscheln sich Dates aneinander, im Restaurant sitzen sich Paare mit Herzen in den Augen gegenüber und Freundescliquen ziehen durch die Bars der Innenstadt. Sommer, Sonne, Zeit zu zweit.


Aber wie fühlt es sich an, mal all diese Gruppenaktivitäten im Alleingang auszuprobieren? Sind traurige Abende voller mitleidiger Blicke vorprogrammiert oder erlebt man vielleicht sogar das ein oder andere Abenteuer, das innerhalb der geliebten Komfortzone vielleicht sonst entgeht? fudder-Autorin Lena Kaltenbach hat es ausprobiert und hatte einen Abend lang in Freiburg ein Date mit sich selbst. Ihre Stationen: Das Kino, ein Restaurant, eine Bar und ein Club.

Im Kino: Kein Pärchen-Menü

Meine "Getting Ready for a Date"-Playlist spielt klirrend den Song "I don’t give a fuck", während ich mir zustimmend nickend die Wimpern tusche. Ich nehme das ganze so ernst, dass ich mindestens dreimal mein Outfit wechsele. Ich habe mich schick gemacht, als würde ich gleich auf ein richtiges Date gehen. Und irgendwie stimmt das ja auch. Nur dass keine zweite Person kommen wird. Das Date habe ich heute mit mir selbst.

Ich bin guter Dinge, bis ich mich am Kino-Ticketschalter nach dem Film meiner Wahl – Aladdin – erkundige: -"Wie viele Tickets für euch?" -"Eins!" -"Ohhh.." Nach kurzem irritiertem Blick in mein schief lächelndes Gesicht bietet mir die Verkäuferin alle möglichen Plätze an. Das Pärchen-Menü zu bestellen, traue ich mich dann aber doch nicht.

Niemand, der den Film totanalysiert

Meine Reihe ist erstmal komplett leer bis auf die zwei Verliebten, die bei meinem Glück natürlich direkt die Sitze neben mir in Anspruch nehmen. Ich fühle mich, als würde ich absichtlich ein Rendezvous crashen und bin froh, als die Lichter ausgehen und der Film beginnt. Jetzt ist es einfach: Jeder schaut nur den Film. Nach der Vorführung habe ich zwar niemanden, mit dem ich mich darüber unterhalten kann, aber eben auch niemanden, der mir den Film schlecht redet oder totanalysiert. Herrlich entspannt!

Im Restaurant: Susi ohne Strolch oder Dinner for One

Nächster Halt ist das Restaurant. Erwartungen: Der Kellner wird mich in eine einsame Ecke setzen und ich werde vor Scham in meinem Handy versinken, um mich über Social Media bei meinen echten Freunden zu beschweren, warum sie mich von solchen Ideen eigentlich nicht abbringen.

Realität: Noch nie habe ich so schnell mein Essen bekommen! Den Tisch habe ich mir gezielt neben zwei größeren Freundesgruppen ausgesucht, damit es auch richtig auffällt, dass ich hier alleine bin. Ich bekomme lediglich ein bis zwei verwirrte Blicke des Mädels am Nebentisch zugeworfen. Ansonsten wünschen mir meine Tischnachbarn einen "guten Appetit", ich reiche hilfsbereit Taschentücher, als sich einer der Jungs sein Getränk quer über die Hose schüttet und wir lachen gemeinsam.

Mein Handy bleibt die ganze Zeit über in meiner Tasche verstaut, ich genieße meine Spaghetti und erreiche einen fast meditativen Zustand der Ruhe und Stressfreiheit. Zu zweit schmeckt’s vielleicht besser –aber alleine auch!

In der Bar: Und wenn sie tanzt…

Vor der Treppe, die in die Bar hinabführt, bleibe ich zögernd stehen. Das ist jetzt sogar für mich eine große Überwindung. Aber ich nehme meinen Mut zusammen und gehe Stufe für Stufe dem Ungewissen entgegen. Drinnen bleibe ich vor der Bar stehen und signalisiere dem Barkeeper, dass ich mich gerne setzen würde. Er zeigt mit den Fingern: Zwei Personen? Ich zeige mit dem Finger auf mich: Ich allein!

Aber was machen Menschen, die alleine an der Theke sitzen, ohne wortwörtlich nur zu tief ins Glas zu schauen? Ich beäuge die Sammlung an Flaschen im Regal, beobachte die anderen Gäste und irgendwann fängt der Barkeeper an, mit mir zu quatschen. Für jemanden, der des Flirtens etwas mehr mächtig ist als ich, wäre das bestimmt ein tolles Gespräch geworden.

Mitleid-Shot oder was?

Barkeeper Nummer Zwei schiebt mir irgendwann einen selbst kreierten Shot zu, der so stark gemischt ist, dass ich mir unsicher bin, ob es ein Mitleid-Shot, ein Du-siehst-gut-aus-Shot oder vielleicht ein Ich-will-dich-vergiften-Shot sein soll. Nachdem er an diesem Abend die zweite Rumflasche fallen ließ, erfahre ich durch seine Kollegen seinen Namen: Simon. Simon jongliert mit Cocktailshakern und hat auch sonst einige coole Moves drauf.

Mein vom Gin Tonic etwas bedüdeltes Selbst hat nur noch Augen für Simon. Simon hat nur noch Augen für seine Cocktails. Immerhin hab ich jetzt genug getrunken, um den nächsten Schritt zu wagen. Allerdings nicht Richtung Simon, sondern Richtung Club.

Im Club: Ich fühle mich unwohl, wie lange nicht

Die Musik dröhnt aus den Boxen und auf der Tanzfläche schmiegen sich bereits potentielle One-Night-Stands aneinander. Ich schiebe mich an laut kichernden Mädelscliquen vorbei in Richtung Bar. Soweit so gut. Als ich mich später endlich alleine auf die Tanzfläche traue, fühle ich mich so unwohl wie lange nicht. Die Musik ist ja okay, aber mir fehlt ein Gegenüber zum Anschauen und Tanzen. Ohne das sehe ich aus, als würde ich verträumt in meiner eigenen Welt leben oder dauerhaft versuchen, in vorhandene Gruppen zu stolpern oder Typen anzutanzen. Ich ergreife die Flucht. Club ja gerne, aber in Zukunft wieder nur mit meinen Freunden.

Auch wenn das Feiern gehen alleine nichts für mich war, waren der Kinobesuch und Essengehen dafür umso besser. Mal aus bekannten Mustern herauszutreten und sich bei einem Abend alleine wieder ein bisschen auf sich selbst zu konzentrieren tut der Seele gut und macht mehr Spaß als gedacht. Ich würde mich definitiv wieder daten!

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