Wie ich eine Portion Spaghetti Bolognese mit Bitcoins bezahlt habe

Felix Klingel

Bitcoins hier, Bitcoins da – der Hype um die Digitalwährung ist riesig. Doch wie funktioniert das eigentlich alles? Unser Autor will sich mit Bitcoins in Freiburg etwas zu Essen kaufen – und dabei herausfinden, was hinter der ganzen Aufregung steckt.

Das erste Mal habe ich vor ziemlich genau vier Jahren etwas von Bitcoins gehört. Ich hätte mir damals für 200 Euro einen Bitcoin kaufen können. Dann hätte ich ihn liegen lassen können – einfach vergessen, wie ein Sparbuch. Heute hätte ich ihn dann für fast 13.000 Euro wieder verkauft. Hätte, hätte, hätte. Hab ich aber nicht. Warum auch?


Der momentane Hype um die Digitalwährung und die damit verbundene krasse Wertsteigerung waren nicht vorauszusehen. Es geht inzwischen um viel Geld, in den vergangenen drei Tagen ist der Kurs um 3.000 Euro gestiegen. Allerdings kann man mit dem Zeug im echten Leben nichts anfangen– oder doch? Ich will wissen: Bekomme ich in Freiburg für Bitcoins etwas zu Essen?

So komme ich an Bitcoins

Dafür müsste ich erst einmal Bitcoins besitzen. Als Erstes brauche ich also einen digitalen Geldbeutel und eine Bitcoin-Adresse, die wie eine Kontonummer funktioniert. Inzwischen gibt es viele Handy-Apps, die diese Funktionen anbieten. Ich entscheide mich für die App "Electrum" und erstelle mir darin eine Bitcoin-Adresse. Die App führt mich durch wenige Schritte und am Ende bin ich Besitzer einer Nummer, die die Komplexität jeder IBAN in den Schatten stellt: 165hBKwJpom7rVQLGMRAKoCfcp3X48BBSQ.

Auf diese Adresse kann ich nun Bitcoins kaufen. Das ist eigentlich nicht schwer – es gibt nur eine unüberschaubare Anzahl von Anbietern und Börsen im Netz. Ich will mich nirgendwo anmelden oder ausweisen müssen und so stoße ich irgendwann auf den Anbieter Anycoin. Mindesteinkaufswert: 30 Euro. Oder 0,00242326 Bitcoins. So viel brauche ich nicht, aber was soll’s. Ich gebe meine Bankdaten und die Bitcoin-Adresse ein. Gekauft.

Momentan ist es sehr teuer, Bitcoins zu kaufen

Von meinen 30 Euro verschwinden sofort 4 Euro für eine Transaktionsgebühr. Die muss ich bezahlen, damit die Überweisung überhaupt bestätigt wird. Es gibt bei der Digitalwährung keine zentrale Bank, die das erledigt: Die sogenannten "Miner" übernehmen die Bestätigung dezentral. Eigentlich kann das jeder machen – und dafür bezahlt werden.

Was die Miner technisch machen ist aber tricky - so viel habe ich verstanden: Die 4 Euro gehen vermutlich an einen Chinesen, der mit einem Super-Computer komplizierte Rechnungen durchführt und damit für eine Überweisung mehr Strom verbraucht, als mein Kühlschrank im ganzen Jahr. Außerdem muss ich noch 1,49 Euro an die Plattform abdrücken, über die ich Bitcoins kaufe. Etwas über 5 Euro bin ich also los, bevor ich überhaupt etwas bekomme. Dafür wäre schon ein Döner mit Ayran dringewesen.

Es ist verlockend, in Bitcoins zu investieren

Doch zum Glück arbeitet das Geld für mich. Während es auf meinem Handy rumliegt, steigt der Wert weiter. Dadurch sind auch meine 0,0 undeinpaarZerquetschte Bitcoins wieder mehr Wert – der Verlust durch die Gebühren ist fast schon wieder drin. Goldgräberstimmung. Ich überlege bereits, meinen Redakteursjob zu kündigen, will groß einsteigen, Bitcoin-Investor werden. Ist ja nicht so schwer, Bitcoins kaufen und einfach warten. Der Kurs steigt von selbst.

Dann google ich die Risiken und stoße auf das Wort "Finanzblase". Ein besonders schönes Beispiel dafür stammt aus den Niederlanden des 16. Jahrhunderts. Damals wurden Tulpenzwiebeln zum Spekulationsobjekt. Tulpenzwiebeln! Irgendwie schafften es die Zwiebeln damals zum Statussymbol und jeder wollte sie kaufen. Wenn viele Leute etwas kaufen wollen, steigt der Preis. Und zwar enorm: Ein ganzes Haus soll damals für drei Tulpenzwiebeln weggegangen sein.

Findige Geldmacher kamen auf die Idee, nicht mehr nur die Zwiebeln zu verkaufen, sondern die Option, ein solche zu besitzen. Man konnte so Geld verdienen, ohne je eine Tulpe in der Hand zu haben. Es muss einfach einen Dummen geben, der bereit ist, für die Tulpenoption noch mehr zu bezahlen als man es selbst getan hat.

So platzt eine Finanzblase

Hinter den Tulpenoptionen stand schnell kein Wert mehr, nur noch der Glaube daran. Und der ging irgendwann verloren. Auf einmal wollten alle nur noch verkaufen und keiner mehr kaufen und der Preis fiel rapide. Viele Menschen haben viel Geld verloren. Experten streiten darüber, ob es bei Bitcoins genauso laufen wird. Möglich ist es.

Finanzblasen sind ein schönes Beispiel dafür, welche irrationalen Folgen Finanzmärkte haben können. Jeder will beim Geld verdienen dabei sein und erkennt nicht, dass die Dinge ihre echten Wert verloren haben. Ich erinnere mich daran, dass ich vier Euro an den Chinesen mit Super-Rechner gezahlt habe, damit er quasi sinnlose Rechnungen durchführt. Das ist mir erst einmal irrational genug und ich beschließe, meine Investor-Karriere auf Eis zu legen. Sollen doch andere reich werden. Ich will etwas essen.

In einem Restaurant in Freiburg kann man mit Bitcoin zahlen

Dazu muss ich in die Randbezirke von Freiburg, genauer gesagt auf die Haid, Endhaltestelle der Linie 3, Munzinger Straße. Dort befindet sich inmitten des Gewerbegebiets das Restaurant "Feinhaid". Auf der Eingangstür klebt ein Sticker: "Bitcoin Accepted Here". Um das Restaurant herum sitzen Softwareunternehmen. Hier bin ich richtig.

Ich setze mich, bestelle Spaghetti Bolognese – und warne den Kellner schon mal verunsichert vor: Ich möchte mit Bitcoin bezahlen, geht das? "Klar, kein Problem", sagt er . Seit gut einem Jahr kann man hier mit der Digitalwährung zahlen. Und das tun tatsächlich immer mal wieder Gäste, erzählt Stefan Roder. "Vielleicht ein bis zwei pro Monat." Roder ist der Schwager des Restaurantbesitzers und hat ihn dazu gebracht, die Zahlungsmöglichkeit anzubieten. "Ich glaube aber nicht, dass wir alle in Zukunft mit Bitcoins bezahlen, für das Restaurant ist es eben eine Besonderheit, ein kleiner Gag."

Technische Macken

Ich bestelle die Rechnung. Das Bezahlen ist dann nicht ganz so einfach – mein Handy mit den Bitcoins zickt rum. Normalerweise müsste ich mit meiner App einfach einen QR-Code scannen. Das funktioniert nicht. Also muss ich etwas umständlich die ellenlange Bitcoin-Adresse des Restaurants auf dem Handy eingeben und kann das Geld nach Eingabe meines PINs abschicken. So wie bei einer normalen Überweisung.

Zwölf Euro beziehungsweise 0,0010962 Bitcoins kostet mich die Bolognese mit Getränk. Dazu kommen wieder knapp 3,50 Euro Transaktionsgebühr für den Chinesen mit Super-Rechner. Das Geld ploppt sofort auf dem Tablet der Bedienung auf – geschafft! Es sind inzwischen Bitcoins im Wert von zwölf Euro und einem Cent. Der Kurs ist während der Überweisung weiter gestiegen.

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