Wie ich auf den Hund gekommen bin

David Harnasch

Kommenden Freitag wird fudder-Autor David Harnasch einen Welpen aus dem Freiburger Tierheim adoptieren. Das frischgebackene Erst-Herrchen wird seine Erlebnisse in den kommenden Wochen im brandneuen fudder Dog-Blog dokumentieren: freut Euch auf spannende Geschichten zwischen Stubenreinheits-Training und Gassi-geh-Abenteuern - und reichlich niedliche Hunde-Fotos. Zum Einstieg berichtet David, wie er auf den Hund gekommen ist.



Als mir vor einem halben Jahr eine Freundin in Tel Aviv mitteilte, dass sie sich vielleicht einen Hund zulegen wolle, riet ich ihr sofort zu. Ihr Bürojob würde sie für die nächsten Monate nicht verreisen lassen aber kalkulierbare Arbeitszeiten bieten, also stellte sie mir ein paar Tage später „Hanni“ vor. (Nicht nach Enyd-Blyton-Romanen benannt, sondern weil sie am ersten Hanukkah-Tag von meiner Freundin abgeholt wurde.)


Hanni war ein etwa sieben Monate junger Schäferhundwelpe, der in den kommenden Tagen, wenn ich ihn an der Strandpromenade gassi führte, im Zweiminutentakt Herzen brach. Leider auch meines: Es stellte sich schnell heraus, dass Hannis Halterin beruflich sehr viel mehr zu tun bekommen würde und sich daher doch nicht angemessen um den Hund würde kümmern können.

Da mir das Tier schnell ans Herz gewachsen war, erwog ich zum ersten Mal in meinem Leben ernsthaft, mir einen Hund zuzulegen. Andererseits wusste ich, dass ich in den kommenden Monaten viel auf Reisen sein würde – und dass Hanni weder stubenrein war, noch jemals eine Reisebox oder einen Flugzeugfrachtraum von innen gesehen hatte.

Angesichts der scharfen Sicherheitsvorkehrungen am Ben-Gurion-Flughafen hätte ihre Emigration nach Deutschland circa sieben Stunden in der Box bedeutet. Das wäre unbestreitbar Tierquälerei gewesen, und ihr Tierarzt meinte, er würde für so einen süßen Hund innerhalb von Stunden eine liebevolle Familie finden. Hanni sah ich nie wieder, aber der Wunsch nach einem Hund gärte in mir weiter...

Also stand ich im Frühling im Freiburger Tierheim und stellte fest: Hier gibt es nichts zu retten. Einen Hund aus dem Tierheim zu „retten“ mag in Süditalien möglich sein, in Freiburg entspricht das der abstrusen Vorstellung, einen Menschen aus einem Dreisternehotel zu „retten“.

Die Wuffs werden in Hunde-WGs von zwei oder drei Tieren in großen Zwingern mit Freiluftterrassen untergebracht und die Gassi-Paten geben einander die Klinken und Leinen in die Hand, um die Tiere entlang der Dreisam auszuführen: Viele Haushunde, die den Tag alleine in der Wohnung des berufstätigen Herrchens verbringen, sind ganz offensichtlich schlechter dran. Wer mit diesen Bedingungen konkurrieren will, muss sich schon Mühe geben – doch daran soll es nicht scheitern. Die wichtigsten Reisetermine sind erledigt und die Dreisam fließt auch vor meiner Haustüre.



Die neu aus Spanien eingetroffenen Welpen dürfe nur beknuddeln, wer ernsthaft an einer Adoption interessiert sei, wurde mir gesagt. War ich. Und bin ich noch viel mehr, seitdem ich zwei Nachmittage mit „Fan Fan“verbracht habe.

Morgen  versuche ich, meine Wohnung einigermaßen welpensicher zu machen, am Freitag ist Übergabetermin. „Einigermaßen“, weil Hundebesitzer mir bestätigten, dass so eine neugierige Wuselwurst trotz aller Vorsicht genug zerstörerisches Potential entfalten wird.

Bleibt eine Frage zu klären: Da sie zwar „Fan Fan“ genannt wurde, aber (zum Glück!) sowieso nicht auf diesen akustisch an ländliche Großraumdiskotheken gemahnenden Namen hört, muss ich mich entscheiden:

„Rania“oder „Uffie“?

Mehr dazu: