Nachtleben

Wie gut funktioniert der Nachtverkehr in Freiburg und Umgebung?

Sandra Hennig & Moritz Lehmann

Es ist dunkel, es ist kalt, die Party ist vorbei. Wie kommen die Nachtschwärmer jetzt nach Hause? Unsere Autoren haben den Nachtverkehr ins Freiburger Umland getestet.

Los geht’s
Bertoldsbrunnen, 1.29 Uhr. Es regnet, der Wind weht und die Straßen sind nahezu leergefegt. Nicht gerade Wohlfühlbedingungen für eine junge Frau, die sich alleine durch die Nacht schlägt. Nicht nur, weil die Frisur nicht mehr sitzt, sondern auch aus Angst, einsam an der Endhaltestelle der Linie eins am Moosweiher auf das Taxi warten zu müssen.


Als die Bahn ankommt, ist Einsamkeit weit weg, gut 30 Fahrgäste steigen ein. Viele lösen gleich nach Einstieg ihren Fahrschein. Vier Euro extra kostet die Fahrt mit dem Anschlusstaxi. Wer möchte, wird für diesen Preis bis vor die Haustür gefahren. Zumindest heißt es das. Die Straßenbahn wird leerer, nur noch sieben weitere Fahrgäste steigen gemeinsam mit der Reporterin am Moosweiher aus.

Start auf dem Weg in den Osten, es ist 2.31 Uhr. Draußen Dauerregen, in der Bahn junge Menschen mit bunter Farbe im Gesicht. Sie kommen von einer Party mit Schwarzlicht, das die Muster in den Gesichtern zum Leuchten brachte. Die meisten Fahrgäste steigen an der Schwabentorbrücke aus, Endhaltestelle ist Littenweiler. Dort hat ein junger Mann den Kopf an die Fensterscheibe gelehnt, er ist eingeschlafen. Sollte man ihn wecken? Nicht nötig, er ist bereits aufgewacht.

Der Umstieg
Moosweiher im Westen, 1.47 Uhr. Allein ist hier niemand, und unheimlich ist es zum Glück auch nicht. Taxifahrer Ottmar Zachrau holt seine Gäste direkt am Bahngleis ab. "Wo soll’s denn hingehen?", fragt der 78-Jährige in die Runde und sammelt die gestempelten Fahrscheine ein.



2.44 Uhr auf der Reise nach Osten, jetzt geht es weiter im Bus nach Kirchzarten. Neben dem Reporter steigen neun weitere Menschen ein. Leuchtfarbe sieht man keine mehr. Im Becherhalter des Fahrers steckt eine Tasse Kaffee.

Er registriert, wo jeder hin möchte, dann tauscht er die "Safer Traffic"-Tickets der Fahrgäste gegen weiße Zettel, die sie später für die Weiterfahrt mit dem Sammeltaxi brauchen. Dann geht es direkt weiter, eine gute Viertelstunde später ist Ankunft in Kirchzarten. Keiner der Fahrgäste muss nach Oberried, ansonsten wäre der Bus bis dorthin weiter gefahren. Der Busfahrer wartet, bis das Großraumtaxi da ist. Die Fahrgäste dürfen so lange im warmen Bus bleiben.

Umsteigen, bitte
Moosweiher, Samstagfrüh, 2.10 Uhr. Neben der Reporterin sitzt Sorina Tömp, die gemeinsam mit ihrem Freund auf dem Heimweg ist. Fast jedes Wochenende fahre sie diese Strecke, so reibungslos wie heute läuft es nicht immer. Sie haben auch schon allein am Gleis warten müssen. Dafür gibt es eine Erklärung: Anders als die Bahnen fahren die Taxis nur stündlich. Sie bieten Anschluss an jene Bahnen, die die Stadtmitte zur halben Stunde verlassen.

Kirchzarten, 3.03 Uhr. Weil zwei Fahrgäste schon während der Busfahrt ausgestiegen sind, finden in dem Großraumtaxi alle acht Fahrgäste Platz. Nächste Station: Buchenbach. Die beiden Jungs, die hier raus müssen, haben eine lange Fahrt hinter sich: Sie kommen aus einem Club in Herbolzheim.

Ob sich die Reise gelohnt hat? Beide schütteln den Kopf. "Noch weiter?" fragt der Taxifahrer. "Ein Stückchen noch", sagt einer der beiden, dann steigen sie aus. In Eschbach steigt ein Pärchen aus. In der Nähe von Stegen sagt einer der drei jungen Männer, die bis zur Endstation fahren: "Können wir kurz anhalten? St. Peter muss mal." Pinkelpause und weiter.

Die letzte Etappe
Eichstetten, 2.20 Uhr. Wie versprochen bringt Zachrau seine Gäste bis zur Haustür. "Das ist mir wichtig", sagt der 78-Jährige, "vor allem bei den Damen." Seine Schicht hat gerade erst begonnen. Mit richtig Betrunkenen hätten er und seine Kollegen selten zu tun, sagt er. Trotzdem überprüfen sie am Ende einer Fahrt, ob das Taxi auch leer ist. "Es kommt schon mal vor, dass einer einschläft und in den Fußraum rutscht", sagt er.

St. Peter, 3.24 Uhr. "Wer zu betrunken ist, darf nicht mit", sagt auch der Taxifahrer, der seine Passagiere in Richtung Hochschwarzwald kutschiert. Nachdem die letzten Fahrgäste in St. Peter ausgestiegen sind, wendet er sich leicht verwundert an den letzten Fahrgast, der einfach sitzen bleibt. "Und wo willst du hin?", fragt er. Der BZ-Reporter möchte gerne wieder mit zurück nach Freiburg – die Reise war ja nur ein Selbstversuch. Und in dieser Nacht hat das "Safer Traffic"-System beide Tester gut durch die Nacht gebracht.