Wie geht's weiter mit dem QU-Club? Interview mit Filipos Klein

Carolin Buchheim

Hinter schmucklosen Stahltüren im Kellergeschoss des Quartiers Unterlinden befindet sich das QU. Es ist ein Club im Dornröschenschlaf: Auf seinen roten und goldenen Lederbänken hat noch kein Gast gesessen, auf der Tanzfläche noch niemand unter der schicken Lichtanlage getanzt, an der 15 Meter langen Theke noch kein Barkeeper einen Drink gemixt. Denn der Bebauungsplan verbietet in dem Gebäude den Betrieb einer Diskothek. Warum Betreiber Filipos Klein die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat - und auf den Gemeinderat zählt:



Herr Klein, Sie haben nach eigenen Angaben fast 400.000 Euro in einen Club investiert, den Sie nach momentaner Sachlage nicht betreiben dürfen. Wie ist Ihnen und Ihrem Geschäftspartner dieser Fehler passiert?

Filipos Klein: Wir haben auf die Angaben der Firma Unmüssig vertraut, die sowohl Bauherr als auch Vermieter ist. Uns wurde versichert, dass man dort einen Club machen könnte. Herr Unmüßig war überzeugt und begeistert von unserem Konzept. Er hat noch nie einen Club eröffnet, und unser Konzept als Gastronomie bewertet, die dort erlaubt ist.

Ich finde das nicht überraschend, dass dieser Fehler passiert ist. Clubs und Bars unterscheiden sich heute nicht mehr so stark wie früher, sie haben Gastronomieatmosphäre und keine Sonderstellung mehr durch ihre Öffnungszeiten. Ein normales Restaurant darf heute am Wochenende bis um 5 Uhr öffnen. Der einzige Unterschied ist, dass in Clubs getanzt wird und ein DJ Musik macht - und in vielen Bars wird auch getanzt.

Natürlich hätten wir auch zuerst einen Antrag beim Baurechtsamt machen können. Bis so was bearbeitet ist, dauert es sechs Wochen oder auch mal drei oder vier Monate, bis man da eine Antwort bekommt. Auf diese Idee sind wir aber nicht gekommen.

Dem Vermieter und uns ist ein großer Fehler passiert. Weder wir, noch die Firma Unmüssig wollten in böser Absicht Tatsachen schaffen, um eine Genehmigung zu erzwingen.

Was genau streben Herr Rauhut und Sie jetzt an?

Wir versuchen, die Gemeinderatsmitglieder und Baubürgermeister Martin Haag von unserem Konzept zu überzeugen. Mittlerweile gibt es so viele Menschen in Freiburg, die sich auf den Club freuen. Wir sind überzeugt, dass wir der Stadt keine Probleme bereiten werden und auch nicht die Nachtruhe der Anwohner des Quartier Unterlindens stören werden.

Herr Unmüssig sagt, dass er zur Zeit wenig Chancen sieht, dass das QU noch eröffnet werden kann. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Herr Unmüssig und wir versuchen, das Ganze in den Gemeinderat zu bringen, um eine Bebauungsplanänderung zu bekommen. Momentan kommen wir nicht weiter, weil sich nicht genügend Gemeinderatsmitglieder für uns einsetzen.

Ich glaube, Herr Unmüssig hat noch nicht aufgegeben, er will auch, dass der Club aufmachen kann, und er tut alles, was er von seiner Seite aus machen kann. Momentan kommt er nicht weiter – und wir auch nicht.

Unsere Hoffnung ist es, dass die Gemeinderatsmitglieder verstehen, dass es sich nicht um ein Problem zwischen Herrn Unmüssig und der Stadt handelt, sondern dass wir, Thomas Rauhut und ich, die Leidtragenden sind. Wir tragen den Verlust, wenn der Club nicht aufmachen kann. Unsere Bitte an die Gemeinderäte ist es, sich die Sache noch einmal genau anzugucken und sich für uns zu entscheiden.

Warum glauben Sie, dass Ihr Club im Quartier Unterlinden doch genehmigt werden sollte?

Wir sind überzeugt, dass die Lage für einen Club optimal ist und durch uns und unsere Gäste kein zusätzlicher Lärm verursacht werden würde. Der Club ist im Untergeschoss eines Gebäudes mit Einzelhandel und Büros, die abends und nachts geschlossen sind. Es gibt keine direkten Anwohner, die durch eventuellen Lärm belästigt werden könnten. Wir haben ein Parkhaus, von dem die Gäste direkt in den Club gelangen können - und in Zukunft gibt es direkt vor dem Club eine Strassenbahnhaltestelle.

Außerdem glauben wir, der Club wäre eine Bereicherung für das Kulturleben der Stadt und würde ihrem positiven Image helfen.

Wenn alles nun endlich mal so laufen würde, wie Sie sich das wünschen: Was würde als nächstes passieren?

Dann würde es im Mai zu einer Abstimmung über den Bebauungsplan im Gemeinderat kommen, und der Gemeinderat würde sich für das QU entscheiden. Auch ein positiver Ausgang mit Auflagen oder eine einjährige Testphase würde uns freuen, so könnten wir der Stadt beweisen, dass der Club keine Probleme schaffen wird.

Wir bräuchten vier bis sechs Wochen, bis der Laden starten könnte, bis wir Personal eingestellt und Kleinigkeiten organisiert hätten. Das QU ist zwar im Großen und Ganzen fertig, aber es steht jetzt schon seit mehreren Monaten still.

Was tun Sie, wenn Ihre Bemühungen scheitern sollten?

Dann müssen wir alles abbauen - und Thomas und ich wären finanziell ruiniert. Ich mag mir nicht ausmalen, wie das wäre.



Zur Person


Filipos Klein
ist Gastronom aus Leidenschaft: Seit mehr als 15 Jahren ist Klein in der Gastronomie tätig, hat als Barkeeper und Betriebsleiter in Deutschland und der Schweiz gearbeitet, bis er im August 2009 das Restaurant Fil in der Freiburger Postpassage eröffnet hat. Seit Sommer 2012 betreibt er auch das Bermudacafé in der Universitätstraße.

Zusammen mit Ex-Shoko-Betreiber Thomas Rauhut will der 36-jährige Vater zweier Kinder im Kellergeschoss des Quartier Unterlinden am Fahnenbergplatz den QU-Club eröffnen. Geplant war die Eröffnung des Clubs bereits für Herbst 2012, der Bebauungsplan verbietet vor Ort jedoch den Betrieb einer Vergnügungsstätte.

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