Wie geht es weiter mit dem ArTik, Jugendbürgermeisterin Gerda Stuchlik?

Frank Zimmermann

Der Umzug des Jugendkulturzentrums ArTik ins ADAC-Gebäude am Karlsplatz droht zu scheitern. Für die Stadtverwaltung geht damit die Standortsuche weiter. Was Jugendbürgermeisterin Gerda Stuchlik dazu sagt:



Aus dem neuen Domizil des Jugendkulturzentrums Artik im ehemaligen ADAC-Gebäude am Karlsplatz wird nichts: Die Umbaukosten sind mit 900 000 Euro mehr als doppelt so hoch wie der von der Stadt zur Verfügung gestellte Betrag.


Sehen Sie nach dem Aus fürs Artik im ADAC-Gebäude die Gefahr, dass eine Generation engagierter junger Menschen – in einem selbstverwalteten Jugendzentrum findet erfahrungsgemäß alle vier, fünf Jahre ein Generationenwechsel statt – demotiviert ist?

Gerda Stuchlik: Ich habe in den letzten Jahren erlebt, dass der Verein Nachfolger aufbaut, deshalb sehe ich weiterhin eine große Zukunft für das Artik. Dass das mit dem ADAC-Gebäude finanziell nicht darstellbar ist, führt meines Erachtens nicht dazu, dass die jungen Menschen demotiviert sind oder der Verein sich gar auflöst. So ist das im Leben: Man muss nach Alternativen suchen. Und das machen wir auch bereits.

Sie haben sich inzwischen mit Vertretern des Artik getroffen. Worüber wurde gesprochen?

Das Amt für Kinder, Jugend und Familie (AKI) hat über Objekte gesprochen, die schon einmal zur Diskussion standen. Einige wurden gleich wieder ausgeschlossen, andere werden wir noch einmal überprüfen. Und wir schalten noch einmal eine Anzeige. Kurzum: Wir starten den Suchlauf von Neuem.

Ich habe auch darum gebeten, dass man sich dabei nicht nur auf den Innenstadtbereich konzentriert, sondern den Radius vergrößert, solange die ÖPNV-Anbindung gut ist. Ich weiß, dass das nicht die Präferenz von Artik ist. Aber ich sehe es als sehr schwierig an, in der Innenstadt Räumlichkeiten zu finden – und deshalb sollten wir die Gesamtstadt betrachten.

War nicht früher abzusehen, dass das mit dem ADAC-Haus nichts werden kann?

Ich habe da eine andere Sicht: Ich habe es in meiner Zeit als Bürgermeisterin nicht oft erlebt, dass ich zu einer Gruppe gehen und sagen konnte, dass wir als Stadt 400 000 Euro für den Umbau zur Verfügung stellen. Ich hatte eine klare Handlungsmöglichkeit zu sagen: "Lasst es uns angehen! Machen Sie ein Nutzungskonzept!"

Wenn es dann 450 000 Euro gekostet hätte, hätten wir einen Weg gefunden. Dass dann aber herauskam, dass es wegen des Baurechts – Stichwort Brandschutz – kaum finanziellen Spielraum gibt, war so nicht absehbar. Als uns die Summe von 900 000 Euro mitgeteilt wurde, haben wir natürlich gefragt, was für 400 000 machbar ist. Eine kleine Lösung, zum Beispiel eine ausschließliche Nutzung des Erdgeschosses, würde aber auch schon 780 000 Euro kosten.

Aber hätte man nicht erst das Bau-Gutachten abwarten müssen, ehe man sich festlegt? Artik ist am 1. April sogar schon mit den ersten Kisten eingezogen.

Das hätte man vom Ablauf her nicht anders machen können: Ich musste ja erst einmal die potenziellen Nutzer mit dem Gebäude vertraut machen, damit diese ein Nutzungskonzept zum Gebäude entwickeln konnten. Auf der Basis des Nutzungskonzeptes ist dann die Anfrage beim Baurechtsamt erfolgt. Denn es macht einen Unterschied, ob sie Räumlichkeiten für 20 oder 200 Menschen umbauen.

Das heißt, was Ablauf und Transparenz betrifft, haben Sie alles richtig gemacht?

Transparenter als wir in dieser Sache gearbeitet haben, kann man nicht arbeiten. Auch vor dem Hintergrund, dass wir schon beim Einzug des Artik [Eröffnung im Siegesdenkmal war im Mai 2012, die Red.] deutlich gemacht haben, dass Ende März 2016 der Mietvertrag wegen des Straßenbahnbaus enden muss.

Und wir haben 2014 angefangen, mit dem Amt für Liegenschaften und Wohnungswesen nach Nachfolgeobjekten Ausschau zu halten, und uns 2015 in einer Arbeitsgruppe mit der FWTM aktiv auf die Suche begeben. Ich habe alle großen Bauträger und Gesellschaften angeschrieben, und wenn ich keine Antwort bekam, habe ich selbst hinterhertelefoniert. Es war uns allen bewusst, dass das keine Sache ist, die man schnell lösen kann.

Auch als wir uns für das ADAC-Gebäude entschieden haben und es Bedenken vom Evangelischen Stift und dem Lokalverein Innenstadt gab, habe ich persönlich mit beiden Gespräche geführt und für das Projekt geworben.

Stadträte unterschiedlicher Fraktionen kritisieren, dass das Thema nicht im Rat oder den Ausschüssen debattiert wurde.

Das Thema kommt im Mai in den Hauptausschuss und den Gemeinderat. Natürlich müssen die Gremien informiert werden und zum Schluss der Gemeinderat entscheiden, aber eines ist klar: Als die Stadtbau uns gesagt hat, dass ein Umbau 900 000 Euro kostet, musste ich das erst einmal verwaltungsintern klären und ich habe als allererstes, noch am selben Tag, das Problem mit dem Artik-Geschäftsführer besprochen. Die Gremien tagen nun mal nicht immer gleich am nächsten Tag.

Geben Sie eine Prognose ab: Wann wird ein neues Artik eröffnet?

Das kann man nicht prognostizieren. Ich kann ja momentan noch nicht einmal über ein konkretes Objekt sprechen. Wichtig ist, dass das Artik im ADAC vorläufig eine Geschäftsstelle hat und somit arbeitsfähig ist. Die Verantwortlichen haben gegenüber dem Jugendamt versichert, dass sie einen langen Atem haben und an Bord bleiben werden.

Zur Person



Gerda Stuchlik ist 57 Jahre alt, wuchs im hessischen Oberursel auf und studierte Biologie, Geschichte und Politik. Die Grünen-Politikerin ist seit 1997 Bürgermeisterin für Umwelt und Bildung der Stadt Freiburg.

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[Fotos: Ingo Schneider, privat]