Kunst in Freiburg

Wie geht es weiter für das Kulturaggregat?

Joachim Röderer

Alle loben die Künstlernitiative "Kulturaggregat", die seit März in der Hildastraße für Aufsehen sorgt. Doch ihr droht ohne Sponsoren und Zuschüsse das schnelle Aus.

Die Künstlerinitiative Kulturaggregat sorgt seit März in den zur großen Szenegalerie umfunktionierten Räumen des früheren Pianohauses Lepthien an der Hildastraße für Aufsehen. Lob kommt von allen Seiten, auch von Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Und dennoch droht dem Kulturaggregat das Aus. Die Räume der "Hilda 5" waren eigentlich nur für die Zwischennutzung gedacht. Doch die Initiative will weitermachen, muss dafür aber rund 70 000 Euro pro Jahr für die Miete aufbringen.

Das Kulturaggregat läuft seit vier Jahren und das auf Hochtouren. Angefangen hat alles an der Ecke Friedrichring / Habsburgerstraße. Die Kulturleute bezogen das neunstöckige Hochhaus, das damals auf den Abriss wartete. Als die Bagger kamen, zog das Aggregat weiter. Nächster Stop Augustinerplatz. In der Atriumpassage, die vor dem Umbau stand, konnten sie vorübergehend acht leere Läden nutzen. Zu einer Ausstellung kamen rund 2000 Besucher – an nur einem Tag.


Das Kulturaggregat hat sich als gemeinnütziger Verein organisiert. Der Eigentümer der Hildastraße 5 ist der Initiative entgegengekommen. Für die 500 Quadratmeter auf drei Stockwerken mussten die Nutzer seit März nur die Betriebskosten zahlen. Es gibt einen kleinen Kunstladen, ein kleines Café, ein paar Workspaces – also Arbeitsplätze – einen Kellerraum mit Minibühne für Konzerte oder Lesungen. Und es gibt Flächen für die monatlich wechselnden Ausstellungen.

In der Kulturszene ist gut angekommen, dass die Kulturaggregat-Leute einfach mal losgelegt haben. Sie brachten bekannte Street-Art-Künstler in die Stadt. Noch im Juli wird das Berliner Künstlertrio Innerfields seine Arbeiten zeigen. Am übernächsten Wochenende wird ein Profi-Workshop angeboten, zu dem der Art-Director der Pixar-Studios, dem führenden Studio für Animationsfilme, aus Kalifornien nach Freiburg kommen wird.

Der Art Director von Pixar kommt zum Workshop

"Wir decken eine Zielgruppe ab, für die es in Freiburg sonst nur wenig gibt", sagt Darwin Zulkifli, der erste Vorsitzende. Zulkifli verweist auf das gute Feedback. Aber er sieht auch die Schwierigkeiten: Alle paar Monaten ein neues Objekt zur Zwischennutzung und gleichzeitig nebenher noch ein Programm für die bestehenden Räume zu suchen, das sei nicht zu stemmen, so der stellvertretende Vorsitzende Michelangelo Mochi. Der Vertrag für die Zwischennutzung endet am 31. Juli. Doch weil an der Hildastraße alles passt, würde das Kulturaggregat gerne dort bleiben und einen längerfristigen Mietvertrag unterschreiben.

Dann müsste der Verein allerdings jährlich rund 70 000 Euro aufbringen. Immerhin ein Drittel der Summe würde der Verein selbst beisteuern, das zweite Drittel, so die Hoffnung, könnte von Sponsoren kommen. Und beim dritten Drittel hofft man auf die Hilfe der Stadt Freiburg. In der Kulturverwaltung wartet man jedoch immer noch auf den Antrag des Kulturaggregats auf institutionelle Förderung. "Was sie machen, das ist super", sagt Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach, der schon mehrere Veranstaltungen der Initiative besucht hat. Und er und sein Amt wollen den Verein auch unterstützen. "Aber kurzfristig eine Förderung locker zu machen, das wird schwierig", sagt von Kirchbach. Möglich wäre dies frühestens im nächsten Mai bei den Haushaltsberatungen. Und er verweist darauf, dass für die Räume, die für Veranstaltungen genutzt werden, auch noch baurechtliche Änderungen anstehen.

Das Vertragsende naht und die Zeit drängt. Stadtrat Atai Keller (Kulturliste) sieht nur die Lösung, dass die Zwischennutzung der "Hilda 5" irgendwie noch bis in den kommenden Mai verlängert werden kann, wenn der Gemeinderat über Fördergelder entscheidet.