Wie gefährlich ist das Schwimmen in Baggerseen?

Dana Hoffmann

Die Badesaison in den Seen rund um Freiburg hat noch gar nicht richtig begonnen, und hat schon ihr erstes Opfer gefordert: gestern abend ist im Dietenbachsee in Freiburg-Weingarten, einem ehemaligen Baggersee, ein Mann ertrunken. Wie gefährlich ist das Schwimmen in Seen, insbesondere in Baggerseen? Dana hat bei Roland Huck, dem Vorsitzenden der DLRG-Ortsgruppe Breisach, nachgefragt.

 

Herr Huck, was ist eigentlich so gefährlich an Baggerseen?

Vor allem bei Seen, an denen aktuell noch gearbeitet wird, gibt es häufig steile Böschungen. Wenn man da abrutscht, hat das einen Lawinen-Effekt. Außerdem gibt es unter der Wasseroberfläche manchmal Elektrokabel oder Drahtseile von den Arbeiten, an denen man sich verletzen kann.

Gibt es Strömungen?

Nicht solche, die einen Menschen in die Tiefe reißen können, falls Sie das meinen. Aber es gibt kalte Wasserbewegungen. Das Gefährliche an denen ist eher der Schock, den sie auslösen können. Wenn man im warmen Wasser treibt und dann wird es auf einmal kalt, ist das schon sehr unangenehm. Generell gilt: Je tiefer der See, desto größer die Umwälzungen von kaltem und warmem Wasser. Der Oberrimsinger See in Freiburg ist zum Bespiel 80 Meter tief, da kann es schon sehr kalt werden. Noch gefährlicher ist es aber, aufgeheizt in das kalte Wasser zu springen.

Was passiert dann?

Die Gefäße sind wegen der hohen Temperatur im Sommer geweitet. Wenn man plötzlich ins kalte Wasser springt, ziehen sie sich schlagartig zusammen. Dann droht Kreislaufstillstand und Ertrinken.

Also stimmt die alte Regel, dass man erstmal nur langsam bis zur Hüfte ins Wasser gehen soll?

Auf jeden Fall. Und ganz wichtig ist auch: Nie betrunken schwimmen gehen. Der Alkohol verstärkt den Effekt auf die Gefäße noch. Auch nachts sollte man Seen und Flüsse meiden: Viele schwimmen panisch drauf los - manchmal in die falsche Richtung. Dann lassen irgendwann die Kräfte nach und die Angst nimmt zu.



Kann Training helfen?

Ja, schon. Die wenigsten Leute schwimmen regelmäßig und überschätzen sich dann. Einen Baggersee zu durchschwimmen oder auch im Rhein zu baden ist anstrengender, als die meisten denken.

Also doch lieber Schwimmbad...

Das ist sicher nicht ganz so gefährlich. Aber auch hier lauert eine Falle: Wenn eine Ohrenkrankheit nicht abgeheilt ist, kannn Wasser ins Mittelohr eindringen und den Gleichgewichtssin beeinträchtigen. Dann weiß der Schwimmer oder Taucher nicht mehr, wo oben und unten ist. Panik, Kreiskaufstillstand und Ertrinken könenn die Folgen sein. Das gilt natürlich auch in Badeseen.

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[Fotos: Gina Kutkat, Privat]