Wie Fußball-Gott Karim Guédé das schlimmgute Jahr 2015 erlebte

Frank Zimmermann

Es war sein aufregendstes Jahr: 2015 erlebte Karim Guédé die höhen und Tiefen seines Sports. In einer Woche der gefeirte Held, in der nächsten zweitklassig. Von einem, der niemals aufgibt:



Welcher Freiburger Fußballfan erinnert sich nicht an den 16. Mai? Es war kurz vor Schluss im Spiel gegen den FC Bayern, als Karim Guédé auf der rechten Seite ein Zuckerpass auf Nils Petersen gelang. 2:1. Das Stadion bebte, der SC hatte gewonnen. "Oh mein Gott", sagt der 30-jährige SC-Spieler, wenn er sich daran erinnert. "Ich kam da nicht mehr klar. Es war so laut. Das war mit das schönste Erlebnis meiner Karriere." Eine Woche später in Hannover dann die emotionale Kehrtwende: Mit einer Niederlage in Hannover stieg der SC ab. "Das war ein richtiger Dämpfer", sagt Guédé und ergänzt: "Ein richtiger Hammer. Bumm."


Doch mit negativen Erlebnissen will sich Karim Guédé nicht lange aufhalten. Jetzt gerade sei es wieder schön, der SC steht auf Platz zwei. Genau das zeigt: Der Hamburger, Sohn einer Togolesin und eines Franzosen, denkt nie lange negativ. Er ist das Sinnbild für das ständige Auf und Ab im Sport. "Alles hat seinen Grund und Sinn im Leben", sagt Guédé. Natürlich sei er nach dem Abstieg niedergeschlagen gewesen: "Ganz ehrlich, ich bin zwei Tage lang nicht aus dem Haus, ich habe mich verkrochen."

Doch schon bald darauf sei im Urlaub die Energie zurückgekommen. Er hatte nie den Gedanken, den Verein zu wechseln. "Ich kann mich schnell neu motivieren." Karim Guédé verkörpert beim SC die ehrliche Haut. Einer, der niemals aufgibt. Genau deshalb lieben ihn die Fans und rufen laut seinen Namen, wenn er sich warm läuft, wenn er aus- oder eingewechselt wird und erst recht, wenn er wie gegen die Bayern oder neulich in Heidenheim mit einem Tor kurz vor Schluss zum Matchwinner wird. Die Zuneigung der Fans freue und ehre ihn. Woher kommt dieses Unermüdliche, niemals Resignierende? "Ich habe in die Wiege gelegt bekommen, dass man, wenn man etwas anfängt, es auch zu Ende macht", sagt der slowakische Nationalspieler, der Freiburg, wo er seit 2012 lebt, als "Heimat" bezeichnet. "Ich fühle mich hier sauwohl."

Im Februar hatte Karim Guédé Gegenwind von einigen Fans zu spüren bekommen, doch Mannschaft – allen voran Kapitän Julian Schuster –, Trainerstab und ein Großteil der sich solidarisierenden Fans haben ihn sofort aufgemuntert. "Klar trifft das einen, aber mehr meine Familie." Da ist er wieder, der Bescheidene, Zurückhaltende, dem die Fans huldigen, auf Facebook zum Beispiel mit einer"Initiative für eine Guédé-Bronzestatue vor dem neuen SC-Stadion." Wäre das nichts, dort 2019 im SC-Trikot aufzulaufen? Wieder bleibt er bescheiden. "Wenn ich dann noch hier sein sollte und wenn ich dann noch Fußball spielen sollte, wäre das ein großes Erlebnis." Das Wichtigste aber, sagt Guédé und klopft auf den Tisch, ist, gesund zu bleiben, von Verletzungen blieb er weitgehend verschont. "Das ist mein Glück." Auch 2015, in diesem Jahr voller Gefühlswellen, hat er keinen einzigen Trainingstag verpasst.

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