Wie funktioniert ein verpackungsfreier Supermarkt?

Anika Maldacker

Viel bio, viel vegan - und vor allem: wenig Plastik und andere Verpackungen. Freiburg hat seinen ersten verpackungsfreien Supermarkt. Fudder erklärt, wie er funktioniert.

Nicht in der Wiehre, nicht in Vauban, sondern zentral und fast neben der Unibibliothek liegt die Glaskiste. Zugegeben: Ein Einkauf von hier ist schwerer als einer bei Aldi. Dafür aber umweltfreundlicher. Denn: Wer in einem verpackungsfreien Supermarkt einkauft, reduziert seinen Verpackungsmüll auf zehn Prozent, schätzt Adrian, einer der Glaskiste-Gründer.


Was kann ich in der Glaskiste kaufen?

Viele Artikel des täglichen Bedarfs, dafür meistens nur von einer Marke: Kaffee, verschiedene Sorten Reis, Nüsse, Müsli, Mehl, Backwaren, Getreide, Bohnen in allen Farben, Nudeln in allen Formen, Öl, Essig, Eier, Joghurt, Milch, Käse, Schokolade, Bio-Schokorosinen, Brotaufstriche, Salatsoßen, Ketchup, Mayo, Säfte, Limo, Smoothies, Craft Beer, Trockenfrüchte, Gewürze, Gemüse, Obst, Seifen, Zahnpasta, Bürsten, Waschmittel, Spülmittel, Shampoo, Toilettenpapier aus Bambus. Wer neugierig ist, kann vieles entdecken. Zum Beispiel Zahnsalz, waschbare Damenbinden oder vegane Kondome.
Das Sortiment soll übrigens nach und nach erweitert und angepasst werden.

Wie kaufe ich ein - ohne Plastiktüten und Karton?

Es gibt zwei Varianten: Entweder, Du bringst deine Behälter mit, sauber und gewaschen. Oder Du kaufst bei der Glaskiste neue Behälter. Es gibt auch gebrauchte, für die Du einen geringen Obolus entrichten kannst. Es gibt Glasgefäße jedweder Größe. Flaschenförmig oder bauchig, außerdem Jutebeutel.

Bevor Du loslegst, wiegst Du in der Glaskiste deine Gefäße. Wie bei anderen Supermärkten in der Obst- und Gemüseabteilung, spuckt Dir die Maschine einen Aufkleber mit dem Leergewicht aus. Dann befüllst Du nach Lust und Laune. An der Kasse wird das Gefäß wieder gewogen und abgerechnet.

Was hat die Glaskiste, was andere nicht haben?

Abgefahrenes und Neues. Klar, die Menstruationstassen kennen inzwischen viele, aber wer kennt den Zahnpastastil, der beim Befeuchten automatisch schäumt? Oder Klopapier aus Bambus (Bambus wächst schnell nach)?

Wie werden die Produkte aufbewahrt?

Längliche Gläser, runde Gläser, üppige Gläser: Einfach eigenes Gefäß drunterhalten, einen Hebel ziehen, und das Öl, Müsli oder die Kaffeebohnen kullern hinein. Die Trichter werden immer wieder gereinigt und gewechselt. Schließlich hat die Glaskiste hygienische Standards zu erfüllen wie jeder andere Supermarkt.

Woher kommen die Produkte?

Aus der Region, das war den drei Gründern Björn, Adrian und Lisa wichtig. An einer Wand haben sie dargestellt, woher die Produkte kommen. Fast alles kommt aus Freiburg und den umliegenden Gemeinden, aber es gibt auch Tofu aus Lörrach oder Putzmittel aus Überlingen. Einige Produkte kommen jedoch aus anderen Ländern oder sogar Übersee: Früchte oder Kaffee (die Verarbeitung übernimmt eine Behindertenwerkstätte aus Waldkirch). Die Glaskiste soll aber möglichst viele Bedürfnisse abdecken. Daher reicht es für die Gründer nicht, nur regionale Ware zu verkaufen.

Wie steht es um die Haltbarkeit?

Trockene und unverpackte Artikel seien unbedenklich, Produkte wie Tofu, die nicht eingeschweißt sind, seien etwas kürzer haltbar als man es von eingeschweißter Ware kenne, erklärt Adrian.

Wie teuer ist die Glaskiste?

Das Team verortet sich selbst im Biopreis-Segment. Die veganen Bio-Gummibärchen gibt es für 1,30 Euro pro 100 Gramm. Das Studentenfutter kostet 1,70 Euro je 100 Gramm. Eine Deocreme kann acht Euro kosten. Der Bio Kakao kostet 3 Euro pro 100 Gramm.

Was gibt es nicht?

Wurst und Fleisch. Da verweisen Björn, Adrian und Lisa freundlich auf den Metzger.

Wie können Menschen, die weniger mobil sind, einkaufen?

Ein Glaskiste-Einkauf ist schwerer, als bei den üblichen Supermärkten. Bisher gibt es kein Angebot für Menschen, die ihren Einkauf nicht tragen können oder eingeschränkt mobil sind. Über ein entsprechendes Service-Angebot denken die drei Gründer allerdings nach. Sie kommen zum Teil aus der Pflege.

Unverpackt - wirklich alles?

Nein. Waschmittel oder Spülmittel sind teilweise in Plastikgefäßen. Die Idee: Entweder man bringt sein eigenes Gefäß mit oder kauft sich das Produkt zunächst im Plastikbehälter, um den immer wieder aufzufüllen.

Wieso eigentlich der Aufwand?

In erster Linie, um Verpackungsmüll zu vermeiden, aber auch, um weniger Lebensmittel wegzuschmeißen. Dadurch, dass sich jeder die gewünschte Menge selber zusammenstellen kann, landet weniger im Abfalleimer, so hoffen die Gründer.

Wie wird die Glaskiste finanziert?

Einen Teil des Kapitals, den sie auf 20 Prozent beziffern, haben Lisa, Björn und Adrian über Crowdfunding gesammelt. Einen Kredit mussten sie aber trotz allem aufnehmen.

Und sonst noch?

In der Eröffungswoche gibt es ein "Eröffnungs-Special" : Wer einen Mehrwegbecher kauft, bekommt seinen Kaffee to go gratis!
  • Was: Verpackungsfreier Supermarkt "Glaskiste"
  • Wo: Moltkestraße 15

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