Wie funktioniert die Kulturförderung in Freiburg?

Brigitte Rohm

Aus welchem Topf stammt das Geld für freie Kultureinrichtungen? Wie viel kostet eigentlich die Sanierung des Augustinermuseums? Warum bekommt das Stadttheater jedes Jahr 15 Millionen? Ein Wegweiser durch den Freiburger Kulturförderungsdschungel.

Ab heute werden die Weichen dafür gestellt, was die Stadt Freiburg 2017/18 für ihre Kultur ausgeben will: Die zweite Haushaltslesung im Gemeinderat beginnt. Bei der ersten Lesung haben die Fraktionen über den "Entwurf Doppelhaushalt" diskutiert, der alle geplanten Finanzmittel inklusive Zuschüssen unter dem Begriff "Ansatz" aufführt – das ist die Basis für die Verhandlungen. Bis heute haben die Fraktionen rund 130 Änderungsanträge im Kulturbereich gestellt, die jetzt alle einzeln zur Debatte stehen. Am 2. Mai wird dann der neue Doppelhaushalt endgültig beschlossen.


fudder hat sich in das Monstrum "Entwurf Doppelhaushalt", das aus zwei dicken Bänden besteht, vertieft und die wichtigsten Zahlen und Begriffe zusammengetragen.

Das sind die "Top 10" der geförderten städtischen und freien Kultureinrichtungen:



Das Thema Kulturförderung ist kompliziert, sogar für die Freiburger Gemeinderäte. Denn vor zwei Jahren wurde das System für den Haushalt komplett auf das sogenannte doppische System umgestellt, und seitdem müssen sich die Fraktionen mit einer anderen Struktur und neuen Formulierungen wie "Produktgruppen" oder "Finanz- und Ergebnishaushalt" zurechtfinden. Um zu verstehen, aus welchen Töpfen das Geld für die Freiburger Kultur kommt, muss man einen Blick auf dieses neue System werfen.

Investitionen vs. Förderung der Kulturprogramme

Der städtische Haushalt unterscheidet erst einmal zwischen dem Finanzhaushalt und dem Ergebnishaushalt. Über den Finanzhaushalt laufen die Investitionen der Stadt, also zum Beispiel Gebäudesanierungen und Baukostenzuschüsse. Für den Doppelhaushalt 2017/18 gibt es zwei große Zuschussempfänger im Kulturbereich: Das Augustinermuseum wird schon seit Jahren für insgesamt stolze 60.266.540 Euro saniert. Ein Teil davon wird dieses und nächstes Jahr durch städtische Investitionszuschüsse abgedeckt.

Das Land finanziert die Sanierung komplementär, das heißt anteilig und ergänzend mit. Der zweite große Posten ist der Paulussaal, ein Saal für Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte, der mitten in seiner Sanierungsphase steckt. Hinzu kommen Ausgaben für Dinge wie Mobiliar und EDV im Kulturamt und den Städtischen Museen.

Investitionen für die Kultur 2017/18



Städtische vs. freie Kultureinrichtungen

Das meiste Geld für die Kultur wird aber nicht über den Finanzhaushalt, sondern über den Ergebnishaushalt verteilt. Hinter diesem Begriff verbergen sich die "konsumtiven" Ausgaben, also die Gelder für den laufenden Betrieb der Kultureinrichtungen in Freiburg. Die Regel bei der Finanzierung ist ein Mix aus städtischen Mitteln, Landesmitteln und eigenen Einnahmen. Und für die Fördergelder der Stadt gibt es wieder eine wichtige Unterscheidung: nämlich die zwischen städtischen und freien Kultureinrichtungen.

Die städtischen Kultureinrichtungen, vom Kulturdezernat "eigene Veranstaltungsämter" genannt, sind die Städtischen Museen und das Theater Freiburg. Die städtische Kulturförderung durch das Kulturamt verfügt selbst über einen Haushalt, 2017 in Höhe von 13.153.573 Euro, 2018 in Höhe von 13.578.436 Euro. Die Hälfte davon – rund 7 Millionen Euro - verteilt sich auf Zuschüsse für die diversen Häuser und deren Betrieb, darunter das Stadtarchiv, das E-Werk und kleine Theater und beinhaltet verschiedenste Kosten, zum Beispiel die Künstlerhonorare und die Mieten für Gebäude. Der Zuschusshaushalt für weitere Veranstaltungen ist dagegen nur ein geringer Posten.

Sonderfall Theater Freiburg

Das Theater Freiburg ist ein Sonderfall, denn es ist ein Eigenbetrieb – also ein eigener Wirtschaftsbetrieb mit einem eigenen Etat. Die Stadt hat 2013 mit dem Theater für fünf Jahre eine "Finanz- und Investitionszielvereinbarung" getroffen, um für den riesigen Betrieb mit rund 350 Mitarbeitern mehr Planungssicherheit zu schaffen. Das heißt, dass die Höhe der Fördersumme erst 2019 wieder neu im Gemeinderat verhandelt wird. Zu den Zuschüssen für den laufenden Theaterbetrieb gibt es noch einige Sonderzuschüsse, die über den Beschluss hinausgehen – in diesem Jahr zum Beispiel für den Intendantenwechsel (Barbara Mundel geht, Peter Carp wird neuer Intendant) und ein Restbetrag für die große Bühnensanierung.

Der freie Kulturbereich: Institutionelle vs. Projektförderung

Nur ein kleiner Teil der Torte: Im gesamten Ergebnishaushalt der Stadt spielt die Förderung freier Kultureinrichtungen eine vergleichsweise unbedeutende Rolle – der Löwenanteil geht an den Teilhaushalt Kinder-, Jugend und Familie.

Verhältnis der Kulturzuschüsse zur Gesamtsumme der Zuschüsse an Dritte



Verteilung Ergebnishaushalt der Stadt Freiburg (Zuschüsse an Dritte):



Für die freien Kultureinrichtungen gibt es zwei Wege, um an Fördergelder der Stadt zu kommen. Der einfachste und schnellste ist die sogenannte Projektförderung: Sie ist immer auf ein bestimmtes Projekt bezogen und zeitlich befristet – die Künstlerinitiative Kulturaggregat hat zum Beispiel einen solchen Zuschuss bekommen, um das Untergeschoss der Hilda 5 zum Kino umzubauen.

Dafür stellt die Institution direkt einen Antrag beim Kulturamt. Je nach Kulturbereich gibt es verschiedene Kriterien für die Vergabe, und eine durch Fachleute besetzte Jury entscheidet zusammen mit den Politikern über die Förderung. Die Gesamthöhe der Projektförderungsgelder in den verschiedenen Sparten wird aber im Gemeinderat beschlossen.

Gesamthöhe der Projektförderungsgelder und die Aufteilung nach Sparten



Der Königsweg: Institutionelle Förderung

Die Luxusvariante bei freien Kultureinrichtungen ist dagegen die institutionelle Förderung. Sie ist eine dauerhafte Basisförderung, die alle zwei Jahre durch den Gemeinderat für den jeweiligen Doppelhaushalt beschlossen wird. Darin enthalten sind Personalausgaben, Honorare, Miete und sonstige Sachausgaben. Natürlich müssen die Institutionen sich auch um eigene Einnahmen bemühen. Die Stadt sponsert nur das, was die Einrichtung nicht selbst finanzieren kann. Das müssen die Einrichtungen im Antrag und später dann in einem Verwendungsnachweis belegen. Das Kulturamt berät beim Ausfüllen und Einreichen der Antragsformulare.

Beispiele für institutionell geförderte freie Kultureinrichtungen




Die Hürde, neu in eine institutionelle Förderung reinzukommen, ist relativ hoch. Hat man es als Kultureinrichtung einmal geschafft, muss man zwar auch beim nächsten Doppelhaushalt einen Folgeantrag stellen, aber die Chancen stehen gut, dass die Förderung grundsätzlich weitergeführt wird – auch wenn die Höhe dabei noch einmal variieren kann. Diese Förderung ist daher sehr begehrt – schließlich drückt die Stadt damit aus: "Eure Arbeit ist generell toll und unterstützenswert." Die gesamte Liste der geförderten freien Kultureinrichtungen 2017/18 aus dem Haushaltsentwurf