Wie funktionieren Video-Communities?

Matthias Knoppik

Wo bist Du, mein Sonnenlicht? Mit dem amateurhaften Trash-Hit der türkischstämmigen Grup Tekkan wurden viele deutsche Internet-Surfer erstmals mit YouTube konfrontiert. Auf dieser Video-Plattform hatte die Grup Tekkan ihren selbst gedrehten Video-Clip veröffentlicht. In den USA sind solche Plattformen seit längerer Zeit en vogue. Auch in der Bundesrepublik ist mit MyVideo.de kürzlich die erste Video-Community gestartet. Grund genug, sich ein bisschen mit der Welt des Video-Sharings zu beschäftigen: Wie funktionieren Video-Communities?



Neben Bloggen (Online-Tagebücher), Taggen (Inhalte mit Stichworten etikettieren) oder Podcast (Online-Radio on Demand), gehört Video-Sharing zu den wichtigsten Neuerungen des Web 2.0. Die Video-Plattformen verzeichnen einen enormen Zuwachs, dementsprechend steigen die Ansprüche der Nutzer. Unter den Plattformen herrscht ein regelrechter Wettbewerb um die besten Mash-ups, sprich die Aufbereitung deines Videos mit Musik und Effekten. Wie du ein peppiges Video zustande bringst, ist dir überlassen. Wie der Clip deines letzten Geburtstages oder deiner letzten Fahrradtour im Internet zu sehen ist und wie du ihn deinen Freunden und Verwandten präsentieren kannst, erklären wir dir auf fudder Schritt für Schritt.


Eigener Webauftritt? Unnötig!

Als Testgebiet entscheiden wir uns für Youtube, den Platzhirschen aus den USA, sowie MyVideo.de, das deutsche Pendant. Erfreulich: Die Anmeldung und die Nutzung sind jeweils kostenlos, es fallen lediglich die üblichen Kosten für die Internetsitzung an. Schon auf der Startseite der beiden Angebote kannst du aus zahlreichen Filmchen auswählen, um sie anzusehen. Das Abspeichern und Bewerten geht jedoch erst im Mitgliederbereich. Das Hochladen von eigenen Kreationen ist ebenfalls nur angemeldeten Usern gestattet.

Die Registrierung

Was kann man grundsätzlich auf Video-Plattformen alles machen? Eine ganze Menge!

  • Du kannst zum Beispiel tonnenweise Videos anderer Nutzer ansehen ansehen.
  • Du kannst eigene Videos uploaden, speichern, mit anderen Nutzern teilen oder in dein eigens Weblog einbinden.
  • Und Du kannst Videos kommentieren und bewerten.
  • Am Anfang musst du dich jedoch auf der Plattform registrieren. Die Registrierung stellt - sofern du mindestens 13 Jahre alt bist - keine Hürde dar, der eigene Name dürfte (doch) keine Schwierigkeiten bereiten!? Im nächsten Schritt wird die angegebene eMail-Adresse bestätigt, sprich: YouTube und MyVideo schicken dir, nachdem du alle Angaben gemacht hast, eine Nachricht an dein eMail-Postfach, die einen Link beinhaltet.
  • Beide Angebote weisen darauf hin, dass die Mail im Spam-Fach landen könnte, also schau da sicherheitshalber auch nach. Ein Klick auf den Link in der Mail reicht, um die eigene eMail-Adresse zu verifizieren.
  • Prompt öffnet sich das Fenster, womit bereits der erste Video-Upload möglich ist.

Welche Ausrüstung brauche ich?

  • Du brauchst natürlich eine Kamera, mit der du digitale Filme aufnehmen kannst. Das kann eine Videokamera, eine Digitalkamera oder sogar dein Handy sein.
  • Du überträgst die Filme auf deinen Computer und kannst sie dann entweder direkt bei MyVideo oder Youtube einstellen oder vorher mit einem Videoschnittprogramm bearbeiten, um z.B. einen Soundtrack oder Effekte hinzuzufügen - je abwechslungsreicher, desto besser. Zwei solcher Programme sind z.B. iMovie oder der Windows Movie Maker. Profis arbeiten zum Beispiel mit Premiere von Adobe, dieses Programm kostet aber eine Stange Geld. Um sicherzugehen, dass deine Aufnahme auch unterstützt wird, gibt es Hilfestellungen in Form einer FAQ (Frequently Asked Questions - Häufig gestellte Fragen) oder im Help-Bereich.
  • Videoformate wie .avi, .mpeg, .mov bereiten beim Upload keinerlei Probleme. Youtube empfiehlt eine Auflösung von 320x240 Pixeln im Format Mpeg4 (Divx, Xvid), als Tonspur solltest du für bestmögliche Qualität in kompkater Größe eine Audiodatei mit der Endung .mp3 verwenden.

Beachte die Spielregeln!

Folgende Spielregeln gelten beim Erstellen und Upload deines Videos:

1) Halte dich bei dem Filmchen an die Maximalgröße von 100 Megabyte und an eine Länge von höchsten 10 Minuten(Youtube). Da des öfteren ganze Episoden von TV-Serien geuppt(neudeutsch für "hochgeladen) und damit der Copyright-Schutz missachtet wurde, setzt YouTube ein Limit von zehn Minuten, bei MyVideo.de spielt die Länge keine Rolle.

2) Obszöne, anstößige, gewalttätige, diskriminierende, brutale oder pornografische Inhalte haben auf beiden Plattformen nichts verloren. Dabei kann jeder Benutzer in seinen Augen unpassende ("inappropriate") Videoinhalte melden. Das Team um Youtube bemüht sich um eine Bearbeitung binnen 48 Stunden.

3) Werden geltende Urheberrechte missbraucht, droht ebenfalls Ärger. TV-Serien, Musikvideos, Konzerte oder Werbespots dürfen also ohne Genehmigung nicht verwendet werden - eigene Kreationen sind gefragt!

Dein Publikum

Es folgt die schwierigste Aufgabe: Du willst, dass dein Video von den anderen wahr genommen wird, du musst also aus der Masse hervorstechen! Beschreibe dein Video deshalb in den Kriterien und Tags so aussagekräftig, dass es von den Usern gefunden wird. Du kannst dein Werk natürlich auch für dich behalten! Beim Upload entscheidest du selber, ob dein Video der ganzen Masse zugänglich gemacht wird oder nur einem auserwählten Kreis (zum Beispiel deinen Freunden). Der Upload selbst dauert je nach Größe und Internetanschluss einige Zeit. YouTube rechnet mit etwa einer bis fünf Minuten pro Megabyte. Jetzt gibt es drei mögliche Szenarien: Entweder es finden sich schnell Anhänger deines Videos und dein Projekt macht die Runde. Das zweiteSzenario: Dein Video geht in der Masse sang-und klanglos unter (Normalfall). Oder drittens : Es hagelt Kritik.

Falls dein Projekt nicht schlichtweg ignoriert wird, erhält dein Movie eine Bewertung, die entweder positiv oder negativ ausfällt. Du selbst kannst auch Kritik äußern, nur konstruktiv sollte sie schon sein. Also bleib fair, schließlich will sich ja jeder verbessern und sich als "Steven Spielberg der Community" rühmen.

Gucken erlaubt, behalten auch

Falls dir ein Clip eines anderen Mitglieds so gut gefällt, dass du ihn irgendwann wieder anschauen möchtest, kannst du den Link zu diesem Stream im Profil in deinen Favoriten speichern. Kleine Screenshots zeigen dir, um was es im Video geht. Sogar auf deiner eigenen Festplatte kannst du das Filmchen archivieren, hierbei muss aber ein bisschen getrickst werden. Webseiten wie Javimoya.com oder Keepvid.com bieten Tools, mit denen du Videos von Sharing-Communities downloaden und speichern kannst. Du fügst ganz einfach den Stream-Link in die Leiste ein, klickst "Ziel speichern unter" an und wartest ab. Jetzt hast du die Datei auf deinem Computer, änderst die Dateiendung in .flv und kannst anschließend mit jedem Player, der das FlashVideo-Format untertützt den Clip genießen.
  Begriffe:
  • Video-Sharing: Videos gemeinsam mit anderen nutzen
  • Mash-up: Neu-Kreation von (Video-)Content durch vorhandene Bilder oder Sound
  • uppen: Videos hochladen (uploaden)
  • taggen: Videos etikettieren
Links: