Wie fünf Freiburger dein Schwere-Dinge-Schleppen-Problem lösen wollen

Jelka Louisa Beule

Diese fette Kommode, die Bierkisten, das alte Sofa: Wer in Freiburg schwere Dinge transportieren muss, ist ohne Auto aufgeschmissen. Die Lösung fünf junger Freiburger: ein Lastenfahrrad-Verleih, den sie gerade crowdfunden wollen. Denn oh Schreck: So was gibts bei uns (fast) noch nicht.



Wer große Dinge ohne Auto transportieren muss, ist aufgeschmissen. Eine Alternative sollen Lastenfahrräder sein, doch die fristen in der Stadt bislang noch ein Nischendasein. Fünf junge Freiburger wollen das jetzt ändern. Sie möchten ein System etablieren, bei dem sich jeder ein solches Rad ausleihen kann – kostenlos. Dafür suchen sie über Internet nach Sponsoren.


Rund 3700 Euro sind über dieses so genannte Crowdfunding bislang zusammengekommen, 6000 Euro müssten es sein. Damit könnten zunächst vier Lastenfahrräder angeschafft werden. Langfristig wären zehn Räder schön, sagt Initiator Robert Schneider. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Philip Holderried, Johannes Schmid, Michael Mang und Christoph Pfisterer will er jedem Freiburger die Möglichkeit geben, sich ein Lastenfahrrad kostenlos auszuleihen.

Funktionieren soll dies übers Internet: Die Nutzer müssen sich online registrieren und können dann ein Rad reservieren. Ein Bordcomputer meldet, wo das Rad gerade steht. Denn anders als beim Car-Sharing soll es keine festen Stellplätze geben. Bis zu 200 Kilo können in den Fahrrädern transportiert werden. Robert Schneider hat auch schon eine Waschmaschine kutschiert.

Sogar eine Waschmaschine lässt sich damit kutschieren

Finanziert werden sollen die laufenden Kosten durch Werbung auf den Transportboxen der Räder. Auch dafür gebe es bereits Interessenten, sagt Schneider. Die fünf Freiburger sehen die Aktion als soziales Projekt, "um Lastenfahrräder als Alternative präsent zu machen", wie Christoph Pfisterer erklärt. Geld verdienen wollen die Initiatoren damit nicht. Sie arbeiten in anderen Berufen, die aber zum Teil mit Fahrrädern zu tun haben, etwa als Zweiradmechaniker oder Fahrradkurier.

Bislang gibt es in Freiburg kaum eine Möglichkeit, Lastenfahrräder zu leihen. Johannes Bruns vom Fahrradclub ADFC kennt gar keine Angebote, zukünftig wolle aber der ADFC für seine Mitglieder ein Lastenrad anbieten. Hannes Linck vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) weiß vom Radladen "Radieschen" im Stadtteil Vauban, der ein Lastenfahrrad im Verleih hat (10 Euro pro Tag). Beim Möbelriesen Ikea können sich Kunden Fahrräder mit Anhängern ausleihen, um ihre Einkäufe nach Hause zu bringen (1 Euro für vier Stunden, 10 Euro über Nacht). 2014 machten dies in Freiburg gerade mal 250 Kunden – also nicht einmal einer pro Tag.

Dennoch gebe es viel Potenzial für Lastenfahrräder, ist sich Johannes Bruns vom ADFC sicher. Der VCD, der sich auf Bundesebene mit der Thematik befasst, zitiert eine Studie des EU-Projekts "Cycle Logistic Projects", wonach 51 Prozent aller motorisierten Transporte in europäischen Städten mit Lastenrädern bewältigt werden könnten. Andere Studien sprechen gar von bis zu 85 Prozent. Dabei geht’s nicht nur um Privattransporte, sondern vor allem um gewerbliche. In Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen sollen bereits 20 000 Lastenräder unterwegs sein.

Noch besser einsetzbar – vor allem für schwere Transportgüter – seien Lastenräder mit Elektromotor-Unterstützung (E-Bikes), so Bruns. Doch die Rahmenbedingungen müssten stimmen. Es gehe um ein Zukunftsthema, meint er, da solle sich Freiburg initiativ zeigen – etwa durch ein Modellprojekt. Bislang komme jedoch gerade vom Rathaus sehr wenig, kritisiert Bruns. Auf eine Anfrage der Grünen-Gemeinderatsfraktion Ende 2013 erklärte das Rathaus, dass wegen begrenzter Ladeflächen und Transportstrecken Lastenräder kaum was für den Klimaschutz leisten könnten. Dennoch würden Einsatzmöglichkeiten der Räder geprüft.

Crowdfunding-Projekt Lastenrad

Die Crowdfunding-Aktion läuft noch zehn Tage. Wird die Zielsumme verfehlt, geht das Geld zurück an die Spender – das Projekt wäre gescheitert. Hier geht's zur Aktion.

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