Wie Freiburger Clubs auf das gelockerte Tanzverbot an Ostern reagieren

Marius Buhl

Alle Jahre wieder, zu Ostern, regen sich alle über das Tanzverbot auf. Nun lockerte die grün-rote Landesregierung das Verbot zwar im Dezember 2015 - aber erst ab Karsamstag. Freitag und Donnerstag bleibt Tanzen verboten. Welchem Club das egal ist:



Winfried Kretschmann konnte sogar aus der Bibel zitieren, als er Ende des vergangenen Jahres begründete, warum er das Tanzverbot in Baden-Württemberg lockern wolle. "Jesus", sagte Kretschmann, "habe beim Wunder von Kana Wasser zu Wein verwandelt." Er nehme an, dass der Heiland und seine Jünger nicht nur im Stillen getrunken, sondern auch getanzt haben.


An neun Feiertagen war es vor dem grün-roten Vorstoß zuvor verboten gewesen, zu tanzen – unter anderem an Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersamstag. An Sonn- und Feiertagen galt das Tanzverbot zudem von 3 bis 11 Uhr morgens. Kein anderes Bundesland war strikter.

Seit dem 1. Dezember 2015 ist das anders. Die Neuregelung hebt das Tanzverbot an Sonn- und Feiertagen auf, sodass Partys sowohl am Ostersonntag als auch am Ostermontag erlaubt sind. Von Gründonnerstag 18 Uhr bis Karsamstag 20 Uhr bleibt das Tanzen jedoch verboten. "Der Karfreitag ist geradezu das Musterbeispiel für einen Tag, dessen stiller und nachdenklicher Charakter ein Verbot öffentlicher Tanzveranstaltungen auch weiterhin rechtfertigt", begründete Kretschmann diese Entscheidung.

Kagan, Katze und Mamita sind zu - das Karma aber offen

Peter Bitsch von der Diskothek Kagan am Hauptbahnhof ist die Lockerung nicht genug: "Wir sehen das weiterhin kritisch. Tagsüber finden wir ein Verbot okay, aber wen stören wir denn, wenn wir Freitag nachts tanzen?" Besonders die Interessen nicht- oder andersgläubiger Menschen würden nicht geachtet, findet Bitsch.

Im Kagan wollte er zunächst trotz Verbot feiern, sagte die Party aber kurzfristig ab. Nach Paragraf 13 des Feiertagsgesetz müssen Clubs, die das Verbot missachten, bis zu 1500 Euro Strafe zahlen. "Das war uns zu heiß", sagt Bitsch. Ob die Clubs sich ans Verbot halten, prüft in Freiburg die Polizei – auf Antrag des Ordungsamts.

Auch Silke Müller vom Mamita-Club in der Nußmann-Straße hatte für Freitag eine Salsa-Party geplant, diese aber kurzfristig wieder abgesagt. Im Schmitz Katze sei dagegen nie etwas geplant gewesen, sagt Betreiber Gerrit Kossmann. Der Club bleibe am Karfreitag geschlossen.

Im Karma in der Innenstadt sieht man das Tanzverbot hingegen nicht gar so eng. Robert Mrozek erklärt auf Nachfrage, sowohl am Donnerstag als auch am Freitag seien Partys geplant, nur die Musik werde man etwas leiser drehen. "Wir sind ja im Keller", sagt er. Einen Namen hat die Gründonnerstagsparty im Karma übrigens auch: Karmasutra.

Nachtrag, 24.3., 13 Uhr 31

Karma-Chef Pino Raia teilte fudder inzwischen mit, man wolle sowohl am Donnerstag als auch am Freitag Stehtische aufstellen, sodass nicht getanzt werden könne. Dies habe er bereits Polizei und Stadt Freiburg mitgeteilt. DJs werden dennoch auflegen.

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[Foto: pyunity]