Wie Freiburger auf den VAG-Streik reagieren

Carolin Born

Mehr Autos auf der Straße und gähnende Leere auf der Stadtbahnbrücke. Weil die Freiburger Verkehrs AG (VAG) zwei Tage lang streikt, fahren die Straßenbahnen und die meisten Busse nicht. Wie reagieren die Freiburger darauf, wenn es dazu auch noch regnet?

 



8.55 Uhr am Freiburger Hauptbahnhof: Die Regionalbahn aus Offenburg fährt ein. Wie immer strömen viele Leute auf die Stadtbahnbrücke. Doch im Gegensatz zu sonst eilen sie gleich weiter. So wie Jasmin, Isabella und Hanna, die in die Schule nach Littenweiler laufen müssen. Begeistert sind sie darüber nicht, denn es regnet und ist kalt. Sie können die Streikenden zwar verstehen, sind aber wütend, dass so etwas immer auf ihrem Rücken ausgetragen wird: „Mal fährt die Bahn nicht, dann mal wieder die Straßenbahn nicht.“ Obwohl es schon 9 Uhr ist, werden sie pünktlich ankommen, denn ihr Unterricht fängt erst zur dritten Stunde an.


Kein Problem ist der Streik für Julian. Um zu seinem Freiwilligen Sozialen Jahr bei den Johannitern in die Schwarzwaldstraße zu kommen, nimmt er normal die Straßenbahnlinie 1. „Ich kann aber auch laufen oder mit der Bahn in die Wiehre fahren. Das passt schon, dauert nur ein bisschen länger“, sagt er. Julian findet den zweitägigen Streik nicht schlimm, vor allem, weil die Mitarbeiter dadurch bessere Tarife und mehr Geld bekommen könnten.

Die Freiburger Verkehrs AG (VAG) wird zwei Tage lang durch die Gewerkschaft ver.di bestreikt. Diese hat die Mitarbeiter zu einem Warnstreik aufgerufen. Deswegen fahren die meisten Busse und Straßenbahnen nicht. 

Dass die VAG streikt und nicht die Deutsche Bahn oder die Breisgau-S-Bahn, verkündet ein Schild am Infoschalter in der Bahnhofshalle. Mehr los als sonst ist dort nicht, anscheinend haben sich viele vorher informiert. Die Frau am Schalter verweist auf das Kundenzentrum pluspunkt in der Innenstadt, wo jedoch die Türen verschlossen sind.

Dass heute keine Bahnen fahren, erzählt André seinem Freund David, als sie aus der Regionalbahn aussteigen. Denn David hat davon gar nichts mitbekommen. Die beiden 21-Jährigen haben Glück. Sie brauchen nur fünf Minuten, um zur Schule zu laufen. „Für uns ist das natürlich doof, aber für die streikenden Arbeiter besser. Die Gewerkschaft hat ja ein Recht zu streiken“, sagt André. Er ärgert sich nur, weil er morgen wegen seiner Arbeit durch ganz Freiburg fahren muss und keine Lust hat, sein Rad mit in die Regionalbahn zu schleppen.

Edgar Wölfle hat heute in seinem Kiosk auf der Stadtbahnbrücke nicht so viel zu tun als sonst, weil viel weniger Leute unterwegs sind. Er schätzt, dass er ungefähr 60 Prozent Umsatz verliert. „Um 7 Uhr morgens war hier mehr Trubel, und da waren die Leute auch gereizter“, erzählt er.
Ein Mann mit Rollkoffer erkundigt sich bei ihm, wie er jetzt an sein Ziel kommt. Wölfle erklärt ihm, wie er laufen muss und wie lange es dauert. „Die Auswärtigen erkundigen sich, wie sie wo hinkommen, denn die haben ja oft einen Termin. Für die meisten Freiburger hat jedoch heute das Auto Vorrang“, berichtet er. Er kritisiert, dass der Streik unter anderem auf Kosten der Schüler ausgetragen wird, die jetzt nicht zur Schule kommen.



Dass viele auf das Auto umgestiegen sind, hat sich bemerkbar gemacht: „Teilweise kam es zu Verkehrsbehinderungen. Auf der B 31 war von Osten her Stau“, sagt Karin Simon-Immel von der Pressestelle der Polizei Freiburg. Obwohl mehr Autos unterwegs waren, sei nichts Gravierendes passiert.

Eine Viertelstunde lang warten zwei Schweizerinnen schon auf ihr Taxi. Zusammen mit anderen stehen sie am Busbahnhof neben den Gleisen. Heidi (unten links), 39, und Barbara (unten rechts), 30, haben auf der Anzeigetafel gelesen, dass heute keine Straßenbahnen fahren. Informiert hat sie jedoch niemand. „Gibt es eine bessere Möglichkeit, als hier auf ein Taxi zu warten? Und gibt es einen Bus?“, fragen sie sich. Sie geben einen Kurs und müssen dazu in die Müllheimstraße. Genervt oder sauer sind sie nicht.



Die Leute stehen im strömenden Regen in einer Reihe für die Taxen an. Trotzdem schnappt sich ein Mann, der ganz hinten steht, das Großraumtaxi. Eine junge Frau protestiert noch, doch er fährt grinsend davon. 

Für Schüler ist ein Taxi meist zu teuer, trotzdem müssen sie irgendwie ankommen. Die 10. Klasse der Edith-Stein-Schule will zum Kennenlernen mit der S-Bahn auf eine Hütte fahren. Für die Lehrerin ist es jedoch fraglich, ob es alle pünktlich zum Treffpunkt am Hauptbahnhof schaffen. Weil sie es bereits am Donnerstag erfahren hat, konnte sie die Schüler zumindest vorwarnen.



Einer von ihnen ist Tobias, 16. Er ist nass geworden, weil er mit dem Fahrrad ins Nachbardorf fahren musste, um die S-Bahn zu erreichen. Außerdem musste er seine große Sporttasche mit dem Gepäck sowie einen Rucksack auf dem Rad transportieren.  

fudder-Debatte

Was sagt ihr dazu? Habt ihr Verständnis für den Streik oder ärgert ihr euch darüber? Wie habt ihr den Streik bisher miterlebt? Musstet ihr im strömenden Regen durch halb Freiburg auf die Arbeit fahren? Oder seid ihr lieber zuhause geblieben?

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