Wohnprojekt

Wie Flüchtlinge in Zähringen mit Studenten zusammenleben

Johannes Tran

In einem Wohnprojekt in Zähringen wohnen Studierende gemeinsam mit Geflüchteten. Alles deutet auf ein Musterbeispiel für Integration hin – doch wie es weitergeht, weiß niemand.

Seit sechs Wochen wohnen 72 Studierende gemeinsam mit 150 Geflüchteten im Sozialprojekt "Längenloh" in Zähringen. Stadt, Studierendenwerk und Bewohner zogen nun eine erste Bilanz, die darauf hindeutet, dass hier ein Musterbeispiel für Integration entstehen könnte. Doch die Unsicherheit, wie es nach dem Wintersemester weitergehen soll, trübt die kollektive Freude.


Die Geschichte von Diaa Alaloh liest sich wie aus dem Lehrbuch. Der 25-jährige Syrer spricht fließend Deutsch und sagt Sätze wie: "Deutschland ist zu meiner zweiten Heimat geworden." Vor knapp zwei Jahren aus Syrien geflohen, kam er vor zwei Monaten zum Medizinstudium nach Freiburg. Dort wohnt er in der Flüchtlingsunterkunft an der Gundelfinger Straße, die zu Beginn des Wintersemesters von Stadt und Studierendenwerk zum Sozialprojekt "Längenloh" umfunktioniert wurde. Studierende wohnen mit Geflüchteten zusammen und engagieren sich in zahlreichen Projekten.

Deutschunterricht und Wohnheimfeste

Alaloh etwa gibt zwei Mal die Woche Deutschunterricht für seine geflüchteten Mitbewohner, organisiert Wohnheimfeste und versteht sich als Bindeglied zwischen Studierenden und Geflüchteten: "Ich versuche, die beiden Kulturen zusammenzubringen." Sätze wie diese freuen Renate Heyberger, die stellvertretende Geschäftsführerin des Studierendenwerks. Für sie und die Stadt ist das Wohnprojekt eine Win-Win-Situation: Die Wohnsituation für Studierende sei vor Beginn des Wintersemesters "ziemlich prekär" gewesen, so Heyberger. Das Projekt Längenloh habe etwas Entlastung geschaffen. Auch Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach findet lobende Worte: "Das Projekt fördert die Integration. Hier begegnen sich Menschen."

Von Anfang an war hier Dynamik drin, das war nie eine Zweck-WG. Hier entsteht multikulturelles Leben."Kalle Schmidt, Student


25 der 72 Studierenden, die in "Längenloh" leben, wurden in einem gesonderten Bewerbungsverfahren als Ehrenamtliche ausgewählt. Sie engagieren sich in Kooperation mit dem Helferkreis Längenloh mindestens zwei Stunden pro Woche in einem der vielfältigen Projekte: angefangen bei einer Kinder- und Hausaufgabenbetreuung über einen Trommelworkshop bis hin zum gemeinsamen Plätzchenbacken. Kalle Schmidt (21) studiert Erziehungswissenschaften und ist begeistert von der Projektidee: "Von Anfang an war hier Dynamik drin, das war nie eine Zweck-WG. Hier entsteht multikulturelles Leben." Er möchte bald in der Wohnanlage eine Fahrradwerkstatt mit anderen Studierenden eröffnen.

Schmidts Mitbewohnerin Caroline Knapp (20) ist zwar formal nicht als ehrenamtlich engagierte Mieterin eingezogen – doch dieser Unterschied interessiert hier herzlich wenig. Die Biologie- und Philosophiestudentin ist besonders in der Kinderbetreuung aktiv und berichtet von der Gastfreundschaft ihrer geflüchteten Mitbewohner: "Man kann kaum seine Wäsche rausbringen, ohne zum Tee eingeladen zu werden."

Wie geht es weiter?

Und doch treibt die Bewohner eine Sorge um: Wie geht es weiter nach dem Wintersemester? Das Projekt ist auf ein Semester begrenzt. Nach derzeitigem Stand müssen die Studierenden im Frühling ihre Koffer packen und sich nach anderen Unterkünften umsehen. Deswegen hoffen sie nun alle, dass das Projekt verlängert wird. "Wir sammeln so viele Argumente wie möglich, dass wir bleiben dürfen", sagt Kalle Schmidt, der wie alle 25 Ehrenamtliche die Garantie für einen anderen Wohnheimplatz hat.

Renate Heyberger vom Studierendenwerk äußert sich hoffnungsvoll: "Vielleicht kommt ja noch ein Semester hinzu, wer weiß." Letzten Endes liegt die Entscheidungskompetenz an anderer Stelle. "Wir müssen rechtlich prüfen, ob wir verlängern oder nicht", sagt Sozialbürgermeister von Kirchbach. Schließlich sei die Anlage ursprünglich als reine Flüchtlingsunterkunft konzipiert worden – das berge juristische Probleme. Die Entscheidung soll Ende Januar fallen. Bis dahin wird sich in "Längenloh" sicherlich noch einiges tun.

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