Wie (fast) jeder Freiburger umsonst Model werden kann - dank Facebook

Carmen Schliesser

Unter dem Begriff TFP (Time For Print) bieten Freiburger Fotografen kostenlose Shootings für Model-Interessierte an. Eine Lösung für alle, die von schönen Bildern träumen - aber nichts bezahlen wollen. Wir erklären, was dabei zu beachten ist:



Bisher: Das Smartphone umständlich mit der neusten Selfie-Stick-Investition in Position bringen.
*Knips*. Danach erstmal den Kontrast großzügig verstärken und die Bildbearbeitung starten. Somit erscheint der Selbstfotografierer nach dem Upload zwar als porenloser Gefilterter auf Instagram, Facebook & Co., dennoch sehen die Werke sehr homemade aus, von der Handyqualität ganz zu schweigen.


Das Hauptproblem: Schöne und professionelle Bilder kosten eine Menge Geld, das junge menschen oft nicht haben. Eine Lösung für dieses Problem können "Time for Prints" sein.

Was sind "Time for Prints"?

"Time for Prints" sind oft über Facebook organisierte Treffen zwischen Fotografen und Models. Die Treffen sind klassische Win-Win-Situationen: ein Hobbyfotograf bekommt schöne Bilder, das Model ebenso. Beispiele dafür sind etwa "Freiburger Fotografen und Models" mit rund 700 Mitgliedern oder "Fotografie Freiburg" mit circa 200 Mitgliedern.

Weder für den Fotografen, noch für das Model gibt es eine finanzielle Vergütung gibt. Die Bezeichnung 'Time For Print' schließt daher, dass das Model von den bearbeiteten Bilder eine zuvor abgesprochene Menge ausgedruckt bekommt. Meist bekommt es diese auch in digitaler Form. Druckt der Fotograf keines der Bilder aus, sondern überträgt diese für das Model auf eine CD, so fällt das Shooting unter den Begriff TFCD (Time For CD). Google Drive oder Dropbox bieten ebenfalls Möglichkeiten für den Austausch der Fotos. In diesem Fall kann das Model die Bilder auch im Geschäft ausdrucken lassen.

Für die genauen Regelungen zwischen dem Fotograf und dem Model gibt es den sogenannten Model-Release-Vertrag, welcher meist nicht besonders lang ist. Für das Model ist es sehr empfehlenswert, den Vertrag aufmerksam durchzulesen und zu prüfen, ob alle wichtigen Punkt enthalten sind - dies lässt sich einfach prüfen durch die Fragen "Was sollte mit den Bildern passieren?" und "Was sollte mit den Bildern nicht passieren?"



Der schönste Aspekt der TFPs ist, dass man keine Mailänder Modelmaße braucht, um ausgewählt zu werden. Überwiegend gibt es zwar Angebote, bei denen das Model bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss - prinzipiell kann aber jeder, der modeln möchte, egal ob jung, alt, dick oder dünn,  an einem solchen Shooting teilnehmen. Letztendlich ist die Auswahl des Models davon abhängig, was sich der Fotograf bzw. die Fotografin für sein nächstes Projekt vorstellt.

Was wird in einem Model-Release-Vertrag geregelt?

Generell beziehen sich solche Verträge vor allem auf die Bildrechte und die Verwendung der Fotos. Die Rechte an den Bildern liegen oftmals beim Fotografen, welcher diese ebenfalls bearbeiten darf. Sowohl der Fotograf, als auch das Model sollten die Bilder posten, ausdrucken, für Eigenwerbung verwenden und auf der persönlichen Internetseite, insofern vorhanden, verwenden dürfen.

Ohne die explizite Einwilligung des Models dürfen die Bilder außerdem nicht kommerziell verwendet werden. Besonders die Nutzung für pornografische Zwecke oder andere Nutzungsarten, die eine Diffamierung des Models darstellen könnten, sind untersagt.

Oft wird zusätzlich geregelt, ob der Name des Models bei der Veröffentlichung der Fotos verwendet werden darf und ob eine Bildbearbeitung durch das Model gestattet ist. Die Verträge können entweder aus dem Internet heruntergeladen werden, wer in seinem Freundeskreis einige Gleichgesinnte hat, kann auch bei diesen um eine Kopie bitten.

Mein aktuellstes TFP-Shooting...

... fand am Morgen des 22. Oktobers statt. Meine Wunschlocation, die Freiburger Herbstmesse, hatte dem Fotografen Helge Röske ebenfalls gut gefallen. Gekannt haben wir uns zuvor nicht, ich hatte ihn über Facebook angeschrieben, da mir seine Bilder gefielen. Das Shooting lief, trotz herbstlichen 7 Grad, sehr entspannt ab.

Warum gibt es TFPs eigentlich?



TFPs bieten einerseits dem Fotografen die Möglichkeit, neue Projekte zu starten, Ideen umzusetzen oder sich zu verbessern, andererseits kann das Model durch ein solches Shooting sein Modelbuch erweitern, Posen und Ausdrücke üben oder ebenfalls eigene Ideen zu verwirklichen. Vor einem Shooting sollte man daher die Art der Bilder (Portrait, Fashion, Fantasy...), das Outfit und den Look (Haare/Make-Up) absprechen.

Worauf man als Model achten sollte

Eine Kamera erwerben und sich 'Fotograf' nennen, kann prinzipiell jeder, daher ist es ratsam, einige Dinge zu beachten, um professionelle Fotografen herauszufiltern. Das Anschauen von bisherigen Projekten auf der Website oder der Facebook-Seite ist sehr hilfreich, auch Kommentare und Kritik von anderen Models können und sollten durchgelesen werden, sofern vorhanden.

Begleitpersonen
darf man bei seriösen TFP-Shootings generell immer(!) mitbringen. Ich persönlich bevorzuge es, mich an öffentlichen und gut besuchten Orten mit dem Fotograf zu verabreden, falls ich alleine unterwegs bin. Der Fotograf sollte das Model nicht berühren, ohne zuvor zu fragen, ob dies in Ordnung sei - meist betrifft dies aus der gewünschten Position gerutschte Haare oder Kleidung.

Es ist von Vorteil, sich das Wochenende nicht zu voll zu planen, denn die meisten Zusammenarbeiten entstehen spontan. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es ratsam ist, auch kurzfristig an Shootings teilzunehmen, insofern der Zeitplan dies zulässt.

Wichtig ist außerdem, dass einem selbst der Bildbearbeitungsstil des Fotografen gefällt. Das findet
man am einfachsten heraus, indem man sich die Ergebnisse von bisherigen Shootings auf der Facebook-Seite oder der Website des Fotografen ansieht.

Dass sich ein Shooting letztendlich auch die Erwartungen des Models trifft, muss nicht zwingend der Fall sein. Zwar sind meist ein paar Bilder dabei, die einem selber gut gefallen, das muss aber nicht immer der Fall sein. Jedoch sollte man dies nicht als eine Art Misserfolg aufnehmen – bei jedem Shooting lernt man automatisch dazu und verbessert sich.

Mehr dazu:

[Fotos: Helge Röske]