Wie Facebook versehentlich den Freiburger Admin einer Flüchtlings-Seite sperrte

Daniel Laufer

Wegen eines Posts hatte Facebook das Profil von Frederik Greve gesperrt. Seine Seite "Kein Mensch ist illegal" hat 118.000 Fans. 24 Stunden später ist das Profil wieder da. Hat das Social-Network einen Fehler gemacht, den es nicht zugeben will?



"Du hast kürzlich etwas gepostet, das gegen die Facebook-Richtlinien verstößt." Diese Nachricht liest Frederik Greve am Montagnachmittag, als er auf sein Smartphone schaut. Der 18-jährige Freiburger betreut die Facebook-Seite "Kein Mensch ist illegal", informiert dort über die Flüchtlingskrise, sammelt Spenden. 118.000 Fans hat sie, mehr als die Hälfte davon ist in diesem Jahr dazugekommen.


Und nun scheint all das in Gefahr. Greve wundert sich. Woran Facebook wohl Anstoß genommen hat? Er wischt über das Display, sieht den gelöschten Beitrag. "90% der hochreligiösen Muslime halten die Demokratie für eine gute Regierungsform. 28% der AfD-Anhänger lehnen das demokratische System ab. 61% sind damit unzufrieden."



Gesperrt ohne Erklärung

Der Text steht auf einer Grafik, die Greve für "Kein Mensch ist illegal" erstellt hat, ein sogenanntes "Sharepic". Nutzer sollen es weiterverbreiten. Warum Facebook das Bild entfernt hat, das erfährt er nicht. Aber: dass zur Strafe sein Profil gesperrt sein soll, 30 Tage lang.

"Das konnte ich nicht nachvollziehen", sagt Greve. In einigen Facebook-Gruppen mit Namen wie "Asylmissbrauch Stop Österreich" hätten Rechte allerdings dazu aufgerufen gehabt, das Bild bei Facebook zu melden.

"Mit unserer Seite erreichen wir mehrere Millionen Menschen - wenn Facebook sie wirklich dicht macht, können wir unsere Arbeit nicht mehr machen", sagt Greve am Dienstagmittag. Noch ist das nicht passiert, auch wenn der Admin selbst vorerst nichts mehr posten kann. Seine Mitstreiter beklagen sich auf ihrer Facebook-Seite, Fans schimpfen. "Wie oft habe ich faschistische Bilder gemeldet und wurde abgewatscht mit der Begründung, dass das nicht gegen die Grundregeln von Facebook verstoße", schreibt einer. "Da muss man sich zwangsläufig an den Kopf langen."

War die Sperrung nur ein Versehen?

Wie es zu der Sperrung kam? Das will das Unternehmen lieber nicht beantworten. "Facebook gibt grundsätzlich keine Auskünfte zu einzelnen Profilen oder Seiten", schreibt eine Sprecherin am Dienstagabend in einer Email an fudder. Das betreffende Profil allerdings sei jetzt wieder verfügbar. Sie spricht von einem Versehen.

Tatsächlich hat Facebook die Sperrung aufgehoben, selbst der gelöschte Beitrag ist wieder da. Greve bemerkt das nur zufällig. "Ich erwarte auf jeden Fall eine Stellungnahme, wie so etwas passieren kann", sagt er. Geantwortet hat ihm bei Facebook niemand.

Kein Mensch ist illegal

Das Netzwerk "Kein Mensch ist illegal" gibt es seit 1997. Die Aktivisten engagieren sich für Flüchtlinge und gegen Fremdenhass. 2011 stößt Greve zum Team. Er soll eigentlich nur eine Facebook-Seite erstellen, übernimmt nach ein paar Wochen aber die gesamte Organisation.

"Der Rechtsruck macht mir Angst, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa", sagt Greve. "Diese Facebook-Seite ist das, was ich von zu Hause dagegen machen kann. Ich gehe noch zur Schule, kann also nicht mit 'Jugend rettet' aufs Mittelmeer."

Also informiert er bei Facebook über Flüchtlinge, sammelt Spenden, organisiert Flashmobs - wie diesen im Freiburger Eschholzpark, wo über 100 junge Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit ein Lied der Ärzte ansangen:



Mehr dazu:

[Fotos: Kein Mensch ist illegal/ZVG]