Wie es ist, statt einer Bachelorthesis einen Film als Abschlussarbeit abzugeben

Kerstin Ernst

Statt 40 Seiten Bachelorarbeit schreiben, einen Film drehen. Hört sich eigentlich einfach an – aber ist es das auch? Die Freiburger Studentin Louisa Pich produziert einen Film als Abschlussarbeit. fudder hat mit ihr gesprochen.

Louisa Pich studiert an der Uni Freiburg FrankoMedia im sechsten Semester. In ihrer Bachelorarbeit untersucht sie das Thema zweisprachige Erziehung anhand von Comics. Ihre Arbeit liefert sie allerdings nicht schriftlich – sondern als dokumentarischen Film.


Louisa, findest du es einfacher deine Bachelorarbeit zu filmen, als sie zu schreiben?

Ich denke das ist Typsache: Andere haben nicht so viel Spaß am Bild und an diesem ästhetischen Zusammengesetze. Gerade mit der ganzen Technik mit der man arbeiten muss. Da steckt ganz viel Arbeit dahinter, es ist ja nicht nur das Filmen, sondern auch das Schneiden, das zeitaufwendig ist. Dazu kommt, dass ich noch eine zehnseitige Ausarbeitung schreiben muss, in der ich den Arbeitsprozess und meine Herangehensweise schildern und begründen muss. Ich weiß aber für mich ist das leichter, weil mir das Spaß macht!

Ist ein Film dann sogar zeitaufwändiger als die schriftliche Arbeit?

Ich glaube, es kommt im Endeffekt auf‘s Gleiche raus. Da ich noch am Anfang stehe, kann ich nichts genaueres darüber sagen. Ich bin selbst auch ziemlich gespannt darauf, was es am Ende ergibt. Man filmt ja nicht permanent, sondern immer mal wieder. Das zieht sich dann so ein bisschen hin, bis ich dann alles beisammen hab und dann kann ich mich hinsetzen und das gesammelte Material sichten und schneiden. Gerade der Schnitt dauert auch relativ lange, also ich denke, die drei Monate brauche ich. Es ist jetzt aber auch nicht so, das man gar nichts dafür lesen muss. Ich habe im Vorfeld viel recherchiert und gelesen, damit ich für meine verschiedenen Interviewpartner vorbereitet bin.

Du befasst dich ja in deinem Film mit Comics in zweisprachiger Erziehung, wie bist du auf dieses Thema gekommen?

In meiner Arbeit wollte ich sowohl Medien- als auch die Sprachwissenschaft behandeln. Da ist es gar nicht so einfach ein passendes Thema zu finden. In einem Seminar ging es dann um die Rolle und den Erwerb von Mehrsprachigkeit bei Migranten. In unserem Projekt wollten wir die Mediennutzung von zweisprachig aufgewachsenen Studierenden untersuchen. In diesen Interviews wurde eben sehr schnell deutlich, dass alle Deutsch-Franzosen meistens mit Comics aufgewachsen sind. Gerade dadurch, dass so viele das erzählt haben, dachte ich mir, dass das wohl ein Merkmal zu sein scheint, das Eltern Comics benutzen um ihre Kinder an das Französische zu führen.

Liest du auch selbst Comics? Was ist dein Lieblingscomic?

Also tatsächlich so den Lieblingscomic habe ich nicht. Ich kenne mich mehr mit amerikanischen Comics aus. Wonderwoman mag ich zum Beispiel, weil sie so eine starke Frau ist, das finde ich super. Ich finde es sehr spannend, dass gerade bei den amerikanischen Comics meist eigene Universen geschaffen werden, wie bei DC und Marvel. Das gibt es beim französischen Comic nicht so stark, aber da finde ich es interessant, was dort an kulturellen Aspekten so rein kommt. Zum Beispiel das viele ältere Comics manchmal fast schon rassistisch sind. Da interessiert es mich, wie die Eltern damit umgehen, wenn sie die Geschichten von Tim und Struppi von Hergé zum Beispiel ihren Kindern geben.

Hast du da schon eine Ahnung, wie dein endgültiger Film aussehen soll?

Das weiß ich noch nicht so genau. Denn wenn es beim Drehen nicht so klappt, wie man es sich vorgestellt hat und versucht das krampfhaft in eine Richtung zu biegen, ist das auch nicht gut. Ich will das es authentisch ist und die Situation einfängt, deshalb versuche ich da so locker wie möglich ran zu gehen und mich nicht auf etwas zu verkrampfen. Klar habe ich mir schon Gedanken gemacht, was ich alles reinbringen möchte und Ideen gesammelt. Geplant ist in jedem Fall ein dokumentarischer Film, der sich aus Interviews mit Experten aber auch mit zweisprachig aufgewachsenen Studierenden, zusammensetzt.

Das ist ja schon etwas besonderes, seine Abschlussarbeit zu filmen anstatt zu schreiben: Wie bist du auf die Idee gekommen?

Die Idee ist dadurch gekommen, dass uns das im Studium immer mal wieder gesagt wurde. In einem Hauptseminar, welches medial ausgerichtet war, meinte der Dozent, dass es die Möglichkeit gibt, seine Bachelorarbeit zu filmen. In dem Seminar habe ich zusammen mit einer Kommilitonin eine Website erstellt, wofür wir kurze Interviews gefilmt haben. Das war genau zu dem Zeitpunkt, als ich mir viele Gedanken über meine Bachelorarbeit gemacht habe und dann habe ich mich dazu entschlossen meine Arbeit als Film zu machen.

Du hast da doch sicherlich auch einen gewissen Rahmen vom Prüfungsamt, an den du dich halten musst. Was musst du bei deinem Film beachten?

In der Hinsicht ist es schon etwas anders, als bei einer schriftlichen Abschlussarbeit. Dadurch, dass es so wenige machen, gibt es da beim Prüfungsamt auch nicht so viele Vorschriften, die es einzuhalten gilt. Meine Vorschrift, die ich jetzt habe, sind die zehn Seiten Ausarbeitung und der Film soll nicht kürzer als siebzehn Minuten sein. Der Rest ist mir selbst überlassen.

Jeder kennt das bestimmt bei der Hausarbeit, die Schreibblockade oder die Literatur, die einem fehlt. Welche Schwierigkeiten siehst du bei der filmisch umgesetzten Bachelorarbeit?

Es gibt da einige Schwierigkeiten, die ich eventuell haben könnte. Organisatorisch ist es manchmal schwierig, einen Termin zu finden, an dem alle Beteiligten können. Da ich mit viel Kamera-Equipment, mindestens zwei Kameras, Stativ, Ton und Licht, unterwegs bin, bin ich auf Hilfe von Freunden angewiesen, die an dem Drehtag auch Zeit haben müssen. Auch wenn ich mich mit der Technik schon viel auseinandergesetzt habe, befürchte ich, dass da noch was kommen wird. Ist eben die Technik.

Wovor ich allerdings ein wenig Respekt habe ist es, die Leute, die ich interviewe, zum Reden zu bringen. Das ist eine kleine Herausforderung die Fragen so zu stellen, dass sie was erzählen und mehr als einen Satz antworten.

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