Wie es ist, in Freiburg zu betteln

Jasmin Bergmann

Gerade um die Weihnachtszeit zieht es Menschen zum Betteln auf die Straße. fudder wollte wissen, wie Polizei und Vollzugsdienst mit Freiburgs Bettelnden umgehen und hat außerdem mit Stefanie gesprochen, die zeitweise auf der Straße lebt.

Lange, grüngelbe Haare fallen ihr über die linke Schulter. In ihrem rechten Ohrläppchen steckt ein roter Plastikstab für Tunnelerweiterungen. Der schwarze Hoodie mit gelbem Aufdruck und die Jogginghose weit an ihrem zierlichen Körper herunter. Vereinzelt fallen Schneeflocken vom Himmel. Dennoch trägt sie eine dünne Jacke und eine Jeansweste.


Stefanie* ist 19 Jahre alt. Nach der Hauptschule absolvierte sie die Berufsschule. Kurz danach verletzte sie sich: ein Kreuzbandriss. "Weil ich nicht lange sitzen oder schweres heben kann, bekomme ich keinen Arbeitsplatz", sagt sie. Nun zieht sie mit anderen durch die Straßen Freiburgs. Meistens tummeln sie sich auf dem Platz der Alten Synagoge. Manchmal aber auch vor der Buchhandlung Walthari. Sobald der Laden geschlossen hat, dürfe die Gruppe dort sitzen und betteln. "Das ist sogar mit den Inhabern ausgemacht", so Stefanie. "Doch dann kommt die Polizeibehörde und schickt uns weg, einfach so."

Bei aggressivem Betteln schreitet die Polizei ein

Betteln müsse so stattfinden, dass andere nicht belästigt werden, sagt Edith Lamersdorf, Referatsleiterin der Stadt Freiburg. "Wenn jemand mit seinem Döschen vor und Hund neben sich auf dem Boden sitzt, gilt das als stilles Betteln." Sprechen die Bettelnden Passanten an, gelte dies als Belästigung, erklärt sie. Eingegriffen werde dann, wenn es sich um aggressives Betteln handle: "Das heißt Menschen aktiv und beharrlich angebettelt oder sogar körperlich angefasst werden", erklärt Dirk Klose, Leiter der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Freiburg.

Stefanie empfindet ihre Art zu betteln nicht belästigend. Manchmal würden Passanten sie ansprechen Dinge sagen wie: "Lächle doch mal". Dennoch werde sie oft angepöbelt. Manche würden sogar die Polizei rufen. "Erklärungsversuche scheitern meist," sagt Stefanie. Unfreundlich seien die Polizisten aber nie zu ihnen.

Die Polizei erkennt Betteln nicht als Problem

Unterbunden werde das Betteln zum Beispiel dann, " wenn Beschwerden bei uns eingehen oder wir eigene entsprechende Wahrnehmungen haben", erklärt Dirk Klose von der Polizei. Außerdem könne gemeinschaftliches Betteln das Sicherheitsgefühl einschränken. Die jungen Bettel-Gruppen in Freiburg gelten aktuell aber nicht als aggressiv, sagt er. Generell sehe Klose in Freiburgs Bettelnden derzeit keine Gefährdung für das Stadtleben.


Seit Mitarbeitende des Vollzugsdienstes durch Freiburgs Straßen laufen, wird mehr kontrolliert. Bei der Brauerei Ganter hatten Stefanie und ihre Kollegen eine Plattform zum Schlafen – doch jetzt nicht mehr: "Die räumten einfach unsere Sachen von dort weg", sagt sie. Der Grund hierfür steht in Paragraph zwölf der Polizeiverordnung Freiburg: "Auf öffentlichen Straßen, in öffentlichen Anlagen und öffentlichen Einrichtungen ist untersagt: 2. Das Nächtigen." Stefanie und ihre Kollegen wissen nicht, wo sie im Winter hinsollen, wenn Minusgrade herrschen.

Die Wohnungen in Freiburg seien viel zu teuer, sagt sie. "Ich kann ja wenigstens ab und zu noch bei meinen Eltern schlafen. Aber die anderen?"

*Name geändert

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