Wie es ist, ein Freiwilliges Soziales Jahr in Kultur zu machen

Klara Hesse

Augustinermuseum, Theater, Stadtbücherei, Jugendhaus – auf den ersten Blick bietet Freiburg so einiges an Kultur. Tatsächlich sind aber von 1.100 Einsatzstellen für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Kultur nur sieben in Freiburg. fudder-Autorin Klara Hesse hat vier von ihnen getroffen und gefragt, wie ihr FSJ bisher so abläuft.

Christine Deutsch, 19, FSJ-lerin am Wallgraben-Theater

  „Das Spannende ist den Werdegang von einer Produktion zu erleben, weil man da alles mitbekommt, vor allem bei den Proben.“ (Christine)  

Nach ihrer Fachhochschulreife und ihrer Grafikdesignausbildung wollte Christine ursprünglich ein FSJ im sozialen Bereich absolvieren. Über das Internet hat sie dann von dem Freiwilligen Sozialen Jahr im Bereich Kultur erfahren. Ganz spontan schickte sie die Online-Bewerbung ab, bekam Vorschläge, welche Einrichtungen am besten zu ihr passen könnten, und so kam es dann auch zu einem Vorstellungsgespräch im Wallgraben-Ttheater. Erst während dieses Gesprächs entdeckte sie ihre Begeisterung für die Arbeit. Für die Stelle in der Öffentlichkeitsarbeit ist sie ihren eigentlichen Favoriten nicht angetreten - einen FSJ-Platz in der Kinder- und Jugendpsychologie.

Mag Öffentlichkeitsarbeit erst einmal ziemlich trocken klingen, steckt doch tatsächlich wesentlich mehr dahinter als man annimmt: Ob Büroarbeit erledigen, das Programmheft mitgestalten, beim Bühnenbild mitarbeiten oder Regieassistenz – Christine darf überall mal reinschnuppern. Genau das ist auch das Ziel bei ihrem FSJ: Dass sie möglichst viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln kann.

Besonders begeistert ist sie von den Seminaren, die zu den zu absolvierenden 25 Bildungstagen gehören. Von denen hat sie gerade das erste (von ingsgesamt dreien) erlebt hat. „Man trifft viele kreative Leute mit ähnlichen Interessen, und die Workshops sind sehr interessant: Egal ob kreatives Schreiben oder Projektarbeit – das ist alles super!“    

Elisa Weber und Sonja Bugs, beide 18, FSJ-lerinnen im Jugendbildungswerk



„Man hat viele Möglichkeiten sich selber auszuprobieren.“ (Sonja)  

„Ich hatte am Anfang eigentlich gar nicht so viele Erwartungen an das Freiwillige Soziale Jahr hier.“ (Elisa)

Elisa und Sonja sind durch G8 schon mit 18 Jahren mit ihrem Abitur fertig, so wie viele andere Schüler dieses Jahr. Dadurch sehen sie ihre Chance entspannt ein Orientierungsjahr einzulegen und ein bisschen von der Arbeitswelt kennenzulernen. „Ob man jetzt ein Jahr früher oder später mit dem Studium fertig ist, ist ja auch nicht so wichtig“, sagt Elisa. Sie lebt schon seit über 15 Jahren in Freiburg. Daher war es auch keine große Umstellung für sie, ihr FSJ hier zu absolvieren. „Es ist auch praktisch. Ich kann noch bei meinen Eltern wohnen, das Gehalt ist ja auch nicht sehr hoch.“

Sonja hingegen kommt aus der Nähe von Stuttgart. Sie will etwas Neues erleben, weg von zu Hause, aber trotzdem noch in Baden-Württemberg. Freiburg gefällt ihr sehr gut und da die beiden Mädchen zusammen in einer Einrichtung arbeiten, kennt sie auch schon gleich jemanden in der Stadt.

Dass die Mädchen jetzt im kulturellen Bereich arbeiten und nicht ein einfaches FSJ machen, liegt einfach an ihren Interessen, die sie hier vertreten sehen. Ein Freiwilliges Jahr, beispielsweise, im Kindergarten wäre ihnen zu einseitig. Sie schätzen besonders die Eigenverantwortlichkeit, die man ihnen im Jugendbildungswerk entgegenbringt. Ab Januar wird auch jede von ihnen ein eigenes Projekt auf die Beine stellen - das können sie kaum erwarten.

Sonja ist in der Ganztagsschule tätig, Elisa im Jugendbüro. Diese Schwerpunkte nehmen 60 Prozent ihrer Arbeit in Anspruch. Bei den restlichen 40 Prozent dürfen sie selber ihre Prioritäten setzen – und lernen dabei ganz neue Sachen über sich kennen. Elisa arbeitet unter anderem noch im Offenen Kinderbereich. Vor dem FSJ Kultur hatte sie es sich gar nicht vorstellen können, dass ihr die Arbeit mit Jüngeren so viel Spaß machen kann.

Erwartungen an die Stellen hatten Elisa und Sonja nicht. Sie hatten ihr Vorstellungsgespräch und haben dann zugesagt. Einen Hospitationstag oder gar eine ganze Woche zum Ausprobieren gab es nicht. Das stört die beiden aber nicht im Geringsten. Sie scheinen absolut zufrieden mit ihrer Entscheidung zu sein. Auch wenn es manchmal stressige Tage gibt, und Wochen, an denen sie besonders stark merken, dass so eine FSJ-Stelle nun mal eine Vollzeitstelle ist, freuen sie sich über die ganzen Vorteile, die ein Freiwilliges Soziales Jahr mit sich bringt: Die vielen positiven Rückmeldungen der Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten, Grundkompetenzen (wie zum Beispiel ein Projekt erarbeiten und durchführen), die sie lernen und Erfahrungen, die sie größtenteils durch Ausprobieren sammeln.

„Wir haben hier noch den Welpenstatus, da ist es nicht so schlimm, wenn mal etwas nicht perfekt klappt“, erklärt Elisa und grinst. Doch beide, Elisa und Sonja, wissen, dass nach drei Monaten Findungsphase der Welpenstatus verschwinden kann.    

Larissa Schubert, 20, FSJ-lerin am Theater Freiburg



„Jeder Tag im Theater ist ein Erlebnis.“ (Larissa)

Larissa ist schon früh mit Schauspiel und Theater in Kontakt gekommen, hatte auch schon bei einem Projekt des Theaters Freiburg mitgemacht. Die Entscheidung, dort ein FSJ Kultur zu machen, fiel ihr daher nicht schwer. Sie arbeitet am Jungen Theater im Bereich Theaterpädagogik und fühlt sich da auch gut aufgehoben. Die Atmosphäre, die Arbeitseinstellung, die Motivation – das alles ist genau ihr Ding!

Dass das Ganze in Freiburg ist, findet sie umso besser. Sie hat hier Abi gemacht, hier sind ihre Freunde und schön findet sie die Stadt ohnehin.

Einen Arbeitsalltag gibt es bei ihr nicht wirklich. Die Art der Arbeit hängt sehr von den Leuten ab, mit denen man ein Projekt durchführt. „Es gibt so viele und unterschiedliche Leute am Theater. Das ist ja gerade das Spannende dabei“, sagt sie und ist vollauf begeistert. Besonders gefällt ihr das Vertrauen, das man in sie hat und die Verantwortung, die sie tragen darf. Momentan laufen zwei Projekte parallel, bei denen sie beide Male als Regieassistentin tätig ist.

Aber das ist nicht ihre einzige Arbeit. So stellt sie zum Beispiel auch Materialmappen zusammen, erledigt jeglichen Bürokram. Eine Lieblingsarbeit hat sie nicht. Larissa gefallen alle diese Tätigkeiten und von stressigen Arbeitstagen sei gar keine Rede. „Harte Arbeitstage“ gibt es, aber als Stress würde sie das nie bezeichnen.

Nach dem FSJ will sie ein Studium anfangen. Seitdem sie am Theater arbeitet, hat sie viele neue Eindrücke gewonnen, ihr Interessensfeld ist enorm gewachsen. Während andere das eventuell als Qual sehen, ist sie ganz dankbar dafür. „Dadurch stehen mir viel mehr Möglichkeiten offen.“

FSJ Kultur in Stichpunkten

 
  • Das FSJ Kultur gibt es seit 2001
  • Es gibt 1.100 Einatzstellen in ganz Deutschland
  • Dieses Jahr gingen 9 613 Bewerbungen ein (innerhalb der Bewerbungsfrist)
  • Die Dauer eines FSJ beträgt zwölf Monate
  • Es beinhaltet 25 Bildungstage und 26 Tage Urlaub
  • Ein FSJ wird als Wartezeit für einen Studienplatz angerechnet
  • Ein FSJ-ler im Bereich Kultur hat ein Anrecht auf Kindergeld und bekommt ein Taschengeld von zirka 300 Euro im Monat
 

Mehr dazu:

  [Bild 1: Wallgraben Theater]