Wie entsteht ein digitales Phantombild?

Anne-Kathrin Weber

Noch bis heute tagen 50 Phantombildzeichner aus aller Welt in der Freiburger Polizeiakademie. Wir haben uns von ihnen erklären lassen, welche Neuerungen es auf dem Gebiet der Phantombilderstellung gibt.



Früher wurden Phantombilder noch mühsam und oft in unbefriedigender Genauigkeit auf Papier gezeichnet. Heute liefert der Computer das Profil eines Verdächtigen. Auf der Bundesfachtagung der Phantombildzeichner geht es den Veranstaltern vor allem darum, die technischen Fortschritte darzustellen.


Einer der Referenten ist Glenn Miller von der Internationalen Vermisstenstelle der USA. Er war unter anderem an der Suche nach der 2007 verschwundenen Madeleine McCann beteiligt, indem er die Bilder des Mädchens stets aktualisiert hat.

Miller berichtet von inzwischen 900 Personen, die als Kinder verschwanden und von der amerikanischen Polizei Jahre später gefunden und identifiziert werden konnten. 



Computerexperten können inzwischen ein aktuelles Bild der vermissten Person beinahe perfekt nachstellen. Sie benutzen dafür Fotos der biologischen Eltern im passenden Alter und gleichen diese an das aktuellste Foto der vermissten Person an. Zusätzlich wird ein früheres Foto des Kindes am Computer verändert: Man passt Frisur und Kleidung an, retuschiert den Babyspeck und fügt bei Männern den Bartwuchs hinzu.

Vor allem Gesichtsform und Augenpartie bleiben aber weitgehend unverändert, hier liegen laut Experten nämlich die größten Wiedererkennungswerte eines Menschen.



Tagungsleiter Rainer Wortmann vom Polizeipräsidium Stuttgart führt der Presse anschließend vor, wie man mit den Aussagen eines Opfers oder Zeugen Straftätern ein Gesicht gibt. In einer Datenbank liegen 4000 Portraitaufnahmen vor, aus denen der Zeuge zunächst die dem Täter am ehesten entsprechende auswählt. Die Polizei trifft natürlich eine entsprechende Vorauswahl.

Dann beginnt die Bastelarbeit: In einem Bildbearbeitungsprogramm wird das Bild bearbeitet. Dabei können die Experten aus zahlreichen Nasenformen, Haarschnitten, Brillenmodellen und Tätowierungen ein präzises Bild der gesuchten Person anfertigen.

Die Tagungsteilnehmer sagen, dass virtuelle Daten und der Austausch von Informationen die Phantombilderstellung wesentlich vereinfacht haben. Der Polizei erspart ein möglichst präzises Bild des Tatverdächtigen oft zeitintensive Recherche.