Wie eine Rockband von Granada nach Freiburg zog - und nun im Schmitz Katze spielt

Alexander Ochs

Schmitz Katze war bislang nicht gerade für Rockkonzerte bekannt - das ändert sich am Freitag. Da steht nämlich die spanische-teningerische Combo Blindfall auf der Katzenbühne. Alexander Ochs stellt sie euch vor:



Blindfall? Kennt hier fast keiner. Dabei wurde die Band, in der auch eine Südbadenerin mitmacht, 2005 gegründet und hat sich in der Undergroundszene einen Namen gemacht. Das Quartett um Sängerin Inga Roser aus Teningen und Bassist José Maria Gutierrez aus Granada wurde aber in der andalusischen Metropole aus der Taufe gehoben – und existierte dort bis 2013.


In Spanien hat die Combo mit ihrem zwischen Alternative-Rock und Crossover changierendem Stil und ihrem pulsierenden Spiel zahlreiche wichtige Musikwettbewerbe gewonnen und sich eine treue Fanbasis erspielt. Drei Alben haben Blindfall veröffentlicht, renommierte Festivals absolviert und sind unter anderem als Vorband der Metalband Saxon und der Grungecombo "Alice In Chains" aufgetreten.

Die Wirtschaftskrise spülte sie nach Deutschland

Aufgrund der Wirtschaftskrise zog es das deutsch-spanische Paar vor drei Jahren in die alte Heimat zurück. Die beiden Franzosen in der Band, ursprünglich aus Nancy, sind ausgestiegen. "Die Idee, nach dem Umzug unverändert weiterzumachen, ist gescheitert", erzählt Frontfrau Inga Roser. Über eine Anzeige stieß der Gitarrist Florian Günkel dazu, der, wie er sagt, mal wieder in einer Band spielen wollte und von den Songs der Band auf Anhieb begeistert war. Und vor gut einem Jahr machte Marcel Hellstab am Schlagzeug das Quartett wieder komplett. Aus spanisch-französischem ist spanisch-deutscher Rock geworden, die Leidenschaft für energiegeladene Musik aber ist geblieben und vereint die Band auch in der neuen Formation.

"Wir wollten nicht mehr mit den alten Songs an den Start gehen, das waren nicht mehr wir", erinnert sich die Sängerin. Doch mit dem Ausstieg des französischen Leadgitarristen hatte die Truppe auch ihren Komponisten verloren. Das erledigen die vier um die 30 nun gemeinschaftlich. Dabei sollten die neuen Lieder die gleiche Qualität haben wie die alten. Bassmann Gutierrez, den alle nur Chema nennen, meint: "Der Stil hat sich verändert. Die Musik, wie wir sie fühlen, hat jetzt viel mehr Energie."

Ein Rock-Album aus March-Buchheim

Nach sechs Monaten sind Blindfall im November 2015 ins Studio gegangen und haben bei Christoph Brandes in March-Buchheim eine EP mit sechs englischen Stücken eingespielt. Brandes produziert auch die Schwarzwälder Metalgröße "Finsterforst". Dass die Band auf Englisch singt und den in den 90er Jahren virulenten und erfolgreichen Crossover pflegt, bringt ihr des Öfteren Vergleiche mit den Guano Apes ein.

Das Intro, eine halbe Minute kurz, bringt Polizeisirenen und Katastrophenmeldungen, kurzum: Chaos und Ohnmacht. Verfall, Zerfall, freier Fall, Blindfall? Es transportiert das Gefühl, bei Null anzufangen – so wie die Band. Der zweite Track, symptomatisch "A New Day" betitelt, hebt fast lyrisch an und kulminiert nach flotter Exposition in nur 30 Sekunden in satten Hardrock-Riffs. "Der Rock ist unsere Frau", meint Chema Gutierrez metaphorisch, "aber wir gehen immer wieder mit anderen Stilen fremd.

Eine Marke von Blindfall ist außerdem, dass in jedem unserer Songs 20 Sekunden vorkommen, die aus der Reihe fallen, chaotisch und verrückt." In "No Matter What" erinnern deutsche Texteinsprengsel – englisch geshoutet, deutsch geflüstert –an die legendäre deutsche Crossover-Truppe Such A Surge, die dreisprachig Rap und Rock zu verbinden wusste. Meist sind es melodische Rocknummern, auch mal Uptempo oder mit durchgängiger Cowbell, die schnell zum Punkt kommen.

In Spanien landete 2013 sogar ein Blindfall-Song bei einer populären spanischen TV-Serie, als Opener. "Da hatten wir einfach Glück in Spanien", blickt Inga Roser zurück. In Deutschland müssen sich die vier, obwohl alles andere als Newcomer, das Glück erst erarbeiten.



Mehr dazu:

Was? Blindfall-Konzerte
Wann&wo: Freitag, 15. April 2016, 20 Uhr, Schmitz Katze, zusammen mit Stereo Dynamite  & Twice A Day, Samstag, 16. April 2016, 20 Uhr, Wodanhalle, zusammen mit fünf weiteren Bands
Mittwoch, 4. Mai 2016, 21 Uhr, KTS, zusammen mit Teen Agers (USA)
[Foto: Promo]