Wie eine Freiburgerin mit Hilfe kleiner Kinderschuhe die Welt retten möchte

Julia Stulberg

Weil Mareike Körner für ihren Sohn in den Geschäften keinen ökologisch und ethisch produzierten Barfußschuh fand, fing sie einfach an, selbst welche zu produzieren. Mit Paulis Shoes will die Freiburgerin nun die Schuhindustrie revolutionieren. Kommenden Winter kommen die Schuhe auf den Markt.

Hinter den Kinderbarfußschuhen von Paulis Shoes steht das Freiburger Bobbele Mareike Körner. Die 38-jährige gelernte Erzieherin hatte schon immer ein Faible für Schuhe – besonders für die, der bequemeren Sorte. So fing sie schon vor einigen Jahren an, Schuhe selbst zu nähen. Vor allem aber für ihren Sohn Paul, der im Frühjahr 2017 zur Welt kam, stellte sie Schuhe her.


Zu Beginn waren es Lederpuschen zum Krabbeln und später festes Schuhwerk, für den Freiburger Winter. Einen ökologisch und ethisch vertretbaren Barfußschuh, ganz nach ihren Vorstellungen, konnte Mareike in den Geschäften nie finden und kam zum Schluss, dass sie das mit ihren eigenen Modellen ändern möchte. "Meine Vision ist es, die bestehende Schuhindustrie zu revolutionieren. Paulis Shoes werden nicht einfach aufzuhalten sein."
Was ist ein Barfußschuh?

Eine flexible und leichte Schuhsohle ermöglicht dem Träger das Gefühl des Barfußlaufens, schützt gleichzeitig den Fuß vor spitzen Gegenständen und fördert das natürliche Abrollen des Fußes. Eine breite Zehenbox bietet genügend Platz und vermeidet so Verformungen der Knochen und Zehen, die zu langwierigen Fehlstellungen und Schiefständen wie zum Beispiel einem Hallux Valgus führen können.

Aus selbstgenähten Lederpuschen werden nachhaltig produzierte Schuhe

Mittlerweile sind zwei Jahre seit Pauls erstem Lederpuschen vergangen und Paulis Shoes steht in den letzten Zügen. Der Einstieg in die Schuhindustrie war nicht leicht: Erst eine Schuhdesignerin aus Hamburg und eine nachhaltige Schuhmanufaktur in Porto boten den passenden Schlüssel für die verschlossene Tür. Auf Grundlage verschiedener medizinischer Studien zu gesundem Fußwachstum, entwickelte Mareike einen unisex Barfußschuh mit flexibler Sohle aus Recyclinggummi und Naturkautschuk.

"Mir ist es wichtig, dass es den Kindern gut geht. Aber es soll eben auch fair und bio sein." Die Materialien stammen aus Portugal und werden in der Manufaktur Porto zum fertigen Schuh verarbeitet. Die Entwicklung des Schuhs und die Herkunft der Materialien sind transparent auf der Webseite einsehbar.

Im Oktober 2019 startet der Verkauf der ersten Exemplare von Paulis Shoes zu einem vergünstigten Preis durch eine Crowdfunding Kampagne bei Startnext. Sobald der Verkauf durch die Kampagne beendet ist, werden die Schuhe im Online-Shop und in einzelnen ausgewählten Geschäften für 119€ verkauft. In regelmäßigen Bestell- und Versandzyklen werden größere Mengen der Schuhe von Porto direkt an Mareike versandt. Denn der Ort, an dem Paulis Shoes geplant, gelagert und verpackt werden, befindet sich immer noch in ihren eigenen vier Wänden.

"Es ist wie ein Büro in einem Kinderzimmer." Mareike

Ein Zimmer ihrer Freiburger Wohnung verwandelt sich in ein Schuhlager: "Es ist wie ein Büro in einem Kinderzimmer", lacht Mareike. Denn zwischen Kartons und Pauls Spielsachen finden bis zu 2.000 Paar Schuhe ihren Platz – bevor Mareike sie eigenhändig in Richtung Käufer einpackt. Die mit der Manufaktur vereinbarten Versandzyklen bieten die Möglichkeit, ausschließlich vom Käufer gewünschte Produkte und Größen herzustellen und unnötige Verschwendung von Ressourcen zu vermeiden.

In der Herbst- und Wintersaison 2019 wird es zwei Bio-Leder Modelle in den Schuhgrößen 20-37 geben, ab Frühjahr 2020 plant Mareike aber auch vegane Modelle in die Kollektion aufzunehmen. "Ich möchte die Community an neue, nachhaltigere Alternativen heranführen und ganz mutig alte Konventionen aufreißen." Für das vegane Modell will Mareike statt Bio-Leder zukünftig Pinatex, ein Lederimitat aus Ananasfaser und Bio-Textilhanf nutzen.

"Das Feedback und die Kritik sind schonungslos und ehrlich, aber mein Fundament." Mareike

Nicht nur Mareike steht hinter dem Produkt Paulis Shoes: Schon zu Beginn der Unternehmensgründung nutzte sie soziale Medien, um in Kontakt mit anderen Eltern zu treten und sich austauschen zu können. "Ich wollte wissen, was andere Eltern möchten." Die Idee des nachhaltigen gesunden Barfußschuhs fand Anklang in der digitalen Welt und die Followerzahl wuchs stetig an.

"Dann dachte ich mir, lass sie doch einfach mitmachen" – gesagt getan. Sei es Farbe und Material des Stoffes, die Gestaltung des Kartons oder auch unternehmerische Fragen wie zum Beispiel die Form der Rechnung – rund 3500 Menschen sind per Onlineabstimmung mittlerweile an Entscheidungen rund um Paulis Shoes beteiligt . "Das Feedback und die Kritik sind schonungslos und ehrlich, aber mein Fundament."

So integrierte Mareike die Community und deren Meinung in die Entwicklungsphase des Schuhs, sendet ihnen regelmäßige Updates der Herstellung und bietet zukünftig eine Plattform, auf der getragene Schuhpaare günstiger weiterverkauft werden können.