Wie eine Freiburgerin in Hollywood durchstarten will

Laura Wolfert

Die 21-jährige Jascha Fehrle aus Freiburg sucht ihr Glück an einer Schauspielschule in Los Angeles – und träumt von einer Kinokarriere. Angefangen hat alles aber im Europapark.

Die Vorlesung ist vorbei, die Uhr im Freiburger Audimax zeigt 15 Uhr an. Studierende packen ihre Bücher in den Rucksack und radeln nach Hause. In L.A. ist es neun Stunden früher: Die 21-jährige Jascha Fehrle schaltet den Wecker aus. Sie muss rechtzeitig aufstehen und zur Howard-Fine-School – die Schauspielschule, auf der auch Will Smith noch Unterricht nimmt.


Jascha ist schon lange im Show-Business: Bei ihrem ersten Foto-Shooting ist sie noch ein Kleinkind. "Da war ich ein oder zwei Jahre alt", sagt sie. "Es war ein Cover-Shooting für den Burda-Verlag." Jascha wächst in Freiburg-Herdern auf und besucht das Droste-Hülshoff-Gymnasium. Mit neun Jahren hat sie ihren ersten Modeljob für den Europapark – während ihre Klassenkameraden teilweise noch zu klein sind, um im Park mit der "Silverstar"-Achterbahn fahren zu dürfen. "Das war für Werbefilme und Fotoaufnahmen und zählt zu meinen ersten richtigen Erfahrungen vor der Kamera", sagt sie.

Für den großen Traum brauchte Jascha ein bisschen Zeit

Mit ihren großen, grün-blauen Augen, den vollen Lippen und ihrer kleinen Stupsnase ähnelt Jascha der Schauspielerin Mila Kunis. Als Teenie wird sie von einer Model- und Schauspielagentur aufgenommen und immer wieder zu deutschlandweiten Castings geschickt. "Aber die Schule ging immer vor", sagt sie. "Ich konnte nicht einfach unter der Woche mal eben irgendwo hinreisen." Trotz Schulstress nimmt Jascha bei einem ProSieben-Casting teil. Die Aktion heißt "Mission Famous" – eine kleine Show der Sendung "Taff", eines Limoherstellers und der Jugendzeitschrift "Bravo". Jascha gewinnt und fliegt zum ersten Mal nach Los Angeles – da ist sie 14 Jahre alt. Sie verliebt sich in die Metropole und nimmt sich vor, nach dem Abitur auf unbestimmte Zeit zurück zu kommen. Doch als sie das Abi 2013 in der Tasche hat, braucht sie noch eine Weile, um den Mut aufzubringen, ihren Traum zu verwirklichen.

"Nach der Schule bin ich lange vor meinem Ziel weggerannt", sagt sie. "Ich konnte noch nicht auf mein Bauchgefühl hören." Stattdessen fängt sie eine Ausbildung als Projektmanagerin an, doch sie fühlt sich so unwohl, dass sie die Ausbildung abbricht. Jascha packt ihre Koffer und zieht nach Los Angeles.

Heute wohnt sie in West-Hollywood, zwischen zwei der bekanntesten Straßen von Los Angeles: der Melrose Avenue und dem Beverly Boulevard. Im gleichen Stadtteil ist auch ihre Schauspielschule. Vanessa Hudgens, Bradley Cooper oder Justin Timberlake haben an der Howard-Fine-School das Schauspielen gelernt. Eine Aufnahmeprüfung gibt es nicht, exklusiv ist sie trotzdem. Schülerinnen und Schüler fangen mit dem "Foundation"-Kurs an, nur manche werden danach eingeladen, am regulären Unterricht teilzunehmen – so wie Jascha vor rund einem Jahr.

Lernen auf der gleichen Schule wie Will Smith

Jaschas Schauspiel-Vorbilder sind Meryl Streep und der kürzlich verstorbene Alan Rickman. "Ich bin ein riesen Harry-Potter-Fan und liebe es, in Fantasy-Rollen zu schlüpfen", sagt sie. Jascha lernt Filmszenen auswendig und bekommt beigebracht, in die Rolle verschiedener Charaktere zu schlüpfen. Wie lange sie auf der Schule bleiben wird, weiß sie noch nicht. "Man hört als Schauspielerin nie auf zu lernen." Billig ist der Schulbesuch nicht. "Für meine nächsten beiden Workshops, die insgesamt zehn oder zwölf Tage dauern, zahle ich knapp 2500 Dollar", sagt sie. Zwischen den Workshop-Tagen bekommt Jascha Hausaufgaben und muss Szenen vorbereiten. Außerdem hält sie sich mit Nebenjobs als Model und Schauspielerin über Wasser. "Und ich nehme natürlich noch Gesangs- und Tanzunterricht. Da bleibt nicht viel Freizeit", sagt sie.

Ohne die finanzielle Unterstützung durch ihre Eltern geht das noch nicht. Wie andere Studierende steht Jascha früh morgens auf, lernt, arbeitet und geht abends mit Freundinnen ins Kino oder in eine Bar. In L.A. ist das allerdings manchmal ganz schön glamourös: "Letztens habe ich Snoop Dogg getroffen. Und wo Kim Kardashian am liebsten essen geht, weiß ich auch." Jascha ist es nicht wichtig, reich und berühmt zu werden. "Ich will eine gute Schauspielerin werden und bin auf einem guten Weg, meinen Traum zu verwirklichen – und der macht mir riesigen Spaß."