Bomler

Wie eine App aus Freiburg Verbrauchern mehr Durchblick verschaffen soll

Robin Wille

Mit der Idee für "Bomler" im Gepäck ist der Schwede Magnus Kanholt bewusst nach Freiburg gezogen. Die App soll Verbrauchern Hintergrundinfos zu Produkten bieten – etwa zur Lieferkette und zu den Herstellbedingungen.

Wenn ein Produkt im Regal eines Ladens liegt, ist es oftmals schon um die halbe Welt gereist. Doch wer kennt schon die einzelnen Arbeitsschritte, Arbeitsbedingungen oder die Transportwege des Produkts? Ein Unternehmen aus Freiburg will genau das ändern und mehr Transparenz für die Konsumenten schaffen.


Das Unternehmen "Bomler" wurde 2015 in Freiburg gegründet. Dahinter steckt eine Plattform, mit der die Lieferkette von Produkten nachvollziehbar werden soll – vom Hersteller über den Handelsweg bis hin zum Verbraucher. Die Vision: Neue Technologien sollen umweltfreundliches und sozialverträgliches Verhalten unterstützen.

Der Gründer
Die Idee für Bomler stammt von Magnus Kanholt. Der 37-jährige Schwede hatte bereits 2003 die Idee dazu, doch die Zeit schien ihm damals noch nicht reif: "Nachhaltigkeit war damals noch nicht so ein großes Thema wie heute", sagt er. Also gründete er in der Zwischenzeit andere Unternehmen, hauptsächlich in der Textilindustrie. Er verkaufte sie teilweise weiter oder ist dort noch heute als Geschäftsführer aktiv. "Meine erste Firmenidee habe ich mit zwölf Jahren auf einen Pizzakarton gemalt", erzählt Kanholt. Unternehmertum faszinierte ihn also schon in jungen Jahren.

Nutzen für den Konsumenten
Bomler soll es den Konsumenten per App ermöglichen, eine bewusstere Kaufentscheidung zu treffen: "Wir bieten dem Kunden mehr Argumente als Preis, Größe oder Farbe", sagt Kanholt. Der Konsument soll nachvollziehen können, wo und wie sein Produkt gefertigt wurde. Welche Transportstrecken es zurücklegt hat und unter welchen Arbeitsbedingungen es produziert wurde. Diese Informationen kann er künftig direkt im Laden erhalten. Zum Beispiel durch das Scannen eines QR-Codes mit dem Smartphone oder an eigens eingerichteten Terminals mit Tablets. Für den Konsumenten ist die Nutzung der App kostenlos.

Nutzen für die Industrie
Auf Seiten der Industrie profitieren die Produzenten und auch deren Lieferanten. Die Idee scheint logisch: "Produzenten wollen immer bessere Lieferanten – die Lieferanten möglichst viele Produzenten", erklärt Kanholt. Auch für neue Unternehmen eigne sich Bomler. "Wenn ich jetzt eine Produktidee habe, dann brauche ich geeignete Lieferanten". Bomler vernetzt die Parteien über die Plattform miteinander – gegen Entgelt. Hinzu kommt das Feedback der Kunden über die App. Produzenten können damit immer besser werden.

Wer nutzt Bomler bisher?
Bisher wurde ein Pilotprojekt in der finnischen Hauptstadt Helsinki gestartet. Das Modelabel "Formal Friday" und seine rund 30 Lieferanten haben ihre Lieferketten offengelegt. Die Kunden können also beispielsweise sehen, woher der Stoff des T-Shirts kommt, wo es genäht und wo es bedruckt wurde. "Weitere Produzenten und Lieferanten stehen bereits in der Warteschleife", sagt Kanholt.

Standort Freiburg
Als Standort für das Unternehmen wählte Kanholt ganz bewusst Freiburg. "Zuerst dachte ich an San Francisco oder Berlin", verrät er. Doch weil er derzeit immer noch auch für ein Unternehmen in Basel verantwortlich ist, suchte er einen Standort, der nicht allzu weit von dort entfernt ist. An Freiburg schätzt er vor allem die hohe Lebensqualität.

Team und Ziele
Momentan arbeitet ein internationales Team von 14 Personen für Bomler in Freiburg: Geschäftsführer Kanholt, sechs Softwareentwickler und sieben Kaufleute. Als Büro dient eine alte Schreinerei in der Adelhauserstraße 22, die eigens umgebaut wurde. "Wenn alles nach Plan läuft, können wir in den nächsten 18 Monaten etwa 10 bis 20 neue Mitarbeiter einstellen", so Kanholt. Er ist der alleinige Finanzier und Inhaber – dies sei wichtig für die Unabhängigkeit der Firma, so Kanholt. Bereits nach dem nächsten Geschäftsjahr soll das junge Unternehmen einen Gewinn erzielen.

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