Wie ein Schwarzwälder afrikanischen Straßenkindern hilft

Elisabeth Kimmerle

Das ist Manuel Isabo aus Stühlingen. Er hilft Straßenkindern in Tansania. Das Besondere: Er arbeitet für keine Organisation, sondern bringt quasi eigenhändig die Spenden von Deutschland zu den Hilfsbedürftigen nach Afrika. Wie funktioniert das?



Angefangen hat alles mit Mama Regina. Als Manuel Isabo (25) während seines Freiwilligen Sozialen Jahrs in Tansania vom Schicksal der siebenfachen Mutter hört, beschließt er, sie zu unterstützen. Mama Regina und ihre Kinder hatten kein Dach über dem Kopf, ihr Mann war beim Hausbau verunglückt. Heute lebt die Familie mit zwei Kühen – eine Spende aus dem Südschwarzwald -  in einem Dorf am Fuße des Kilimandscharos. In einem Haus, das Manuel Isabo mit Hilfe von Spenden aus Deutschland fertig gebaut hat.


Der 25-jährige Krankenpfleger Isabo arbeitet in keinem Verein, er hat in Eigenregie drei Projekte in Moshi, Tansania gegründet. Ein Schulprojekt, Mama Regina und ein Heim für obdachlose Kinder. Sein Ziel ist es, den Leuten mit kleinen, sozialen Projekten eine Perspektive zu schaffen – durch Hilfe zur Selbsthilfe.

Um die Straßenkinder kümmert er sich seit 2009, das Heim steht seit zwei Monaten. „Manuel hat nach seinem ersten Jahr in Tansania nicht mehr Fuß fassen können, als er nach Deutschland zurückkehrte“, sagt sein Cousin Mikel Wohlschlegel. Die Bilder, die Isabo dort gesehen habe, hätten ihn nicht mehr losgelassen. Straßenkinder, die an Benzinkanistern schnüffeln, um ihren Hunger zu vergessen. Ein Vater, der seinen 14-jährigen Sohn umbringen will, weil der keine Arbeit findet.



Manuel Isabo beschließt, zurückzugehen und zu helfen. Er startet Spendenaufrufe im Bekanntenkreis und kehrt „mit einem Sack voll Geld“ zurück, so Mikel Wohlschlegel. Nach langen Auseinandersetzungen mit den Behörden hat er kürzlich eine Lizenz dafür bekommen, ein Kinderheim zu gründen und ein Haus gemietet – zunächst für ein Jahr. Fünf Jungen im Alter von zwei bis 15 Jahren hat er von der Straße geholt; für mehr reichen die Spendengelder nicht aus.

Die Straßenkinder sind der Verwaltung ein Dorn im Auge, niemand will sie im Dorf haben. „Die Kinder sind nichts wert in Tansania, überhaupt nichts“, sagt Manuels Mutter Annette Isabo. Die Reintegration in einen geregelten Tagesablauf sei schwierig, die Kinder seien traumatisiert von ihrem Leben auf der Straße, erzählt sie. Doch Manuel Isabo hat freiwillige Helfer, eine Sozialarbeiterin aus Finnland und eine Köchin aus der Nachbarschaft, die den Jungen zeigt, wie man einen Haushalt führt. Die Kinder lernen mit dem Computer umzugehen und bauen ihre eigenen Nahrungsmittel an. Im Gegenzug bringen sie Manuel Kisuaheli bei.



Leicht sei es nicht, das Geld für die Projekte zusammen zu bekommen, sagt Annette Isabo. Die Unternehmen sind nicht bereit, große Beträge ohne Quittung zu spenden. Einen Verein will Manuel Isabo trotzdem nicht anmelden – zu groß sei der Verwaltungsaufwand für den begrenzten Rahmen der Projekte. Wer den Weg seiner Spende nachverfolgen will, kann sich auf der Website informieren, die Mikel Wohlschlegel betreut.

Die nächsten zehn Monate geht es für Manuel Isabo und seine Kinder ums Überleben: Die Spenden reichen gerade so für Essen und Schulgeld. Was danach kommt, wird sich zeigen.

Website: Afrikahelp

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