Wie ein Sachse aus Liebe zum SC nach Freiburg zog

Nicolas Bettinger

An diesem Montagabend spielt der Sportclub gegen RB Leipzig. Daniel Christ ist waschechter Sachse, lebt seit über drei Jahren in Freiburg und grüßt seine Mitmenschen mit "Salli". Den SC-Spielern kommt er so nahe, dass er einem sogar mal einen Katheter gelegt hat:



Roter Kapuzenpulli, dunkelblaue Jeans, legere Franzosenmütze. So begegnet man Daniel Christ nach der Arbeit. Auf seiner Brust sticht eine weiße Schrift heraus: "SC Freiburg". Der gebürtige Sachse kommt aus Herrnhut, eine Autostunde von Dresden entfernt.


Warum er Freiburg-Fan geworden ist, weiß er auch nicht so genau. "Also ich vor vielen Jahren einem Freund beim Umzug nach Freiburg half, habe ich das Stadion von außen gesehen, die Stimmung vor dem Spiel mitbekommen und mich sofort verliebt", sagt Christ.

Der 26-Jährige ist Krankenpfleger und arbeitet in der Uniklinik, Unfallchirurgie-Orthopädie. Dass er dort mit dem Mannschaftsarzt des SC zusammenarbeitet ist ein glücklicher Zufall. "Manchmal frage ich ihn, wann die verletzten Spieler wieder fit sind", so der Sachse. Eine exklusivere Auskunft kann es für einen Fan kaum geben.

Ein Katheter für den SC

Viele Profis hat er hier schon persönlich betreut. "Das ist schon etwas Besonderes. Manchen Spielern, denen ich am Wochenende zujubel', begegne ich dann unfreiwillig auf der Arbeit wieder".

Dass er seinen Idolen derart nahe kommt, hätte er vor seinem Umzug in den Breisgau nicht geahnt. Manchmal sogar zu nahe: "Einmal wurde bei uns ein Spieler der zweiten Mannschaft operiert. Da musste ich ihm dann einen Katheter legen", erzählt Christ.

Aber auch außerhalb seiner Arbeit kommt er mit dem Verein in Berührung. „Manchmal sehe ich Pavel Krmaš mit seinem Kind auf dem Spielplatz, letztens habe ich Marc Torrejón im Ikea getroffen“, sagt der Ostdeutsche, der mittlerweile selbst aktiv beim SV Ebnet kickt. „Wenn sich unsere Spiele mit denen der Profis überschneiden, dann blutet mein Herz.“ Die SC-Partien schaut er entweder im Stadion oder seiner Lieblingskneipe „Kiez57“.

Spätzle aus Schwaben

Außerhalb des Fußballs hat sich der Sachse ebenfalls an den Freiburger Lebensstil gewöhnt. Die Menschen, das Wetter und auch das Essen weiß er inzwischen zu schätzen. „Ich esse hier sehr gerne Spätzle, auch wenn ich weiß, dass diese eigentlich aus Schwaben kommen“, sagt der Krankenpfleger, fügt dann sicherheitshalber hinzu: „Ich bin natürlich gegen den VfB Stuttgart“.

"Halten" heißt "Heben"

Sprachlich hat er bei den meisten Freiburgern keine Schwierigkeiten. „In der Stadt selbst verstehe ich alle sehr gut.“ Nur wenn die Leute ein bisschen von außerhalb kommen, wird’s knifflig: „Als ich am Anfang „Salli“, „sell“ und „Gutsli“ gehört habe, wusste ich nicht so recht, was gemeint ist.“

Dass die Menschen hier „heben“ statt „halten“ sagen, macht Daniel Christ allerdings die größten Probleme. „Wenn ein Torhüter den Ball entschärft, dann hält er doch den Ball, er hebt ihn nicht.“ So kann man sich täuschen…

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[Foto: Nicolas Bettinger]