Irrfahrt

Wie ein Päckchen aus Freiburg nicht in Australien, sondern in den USA landete

Anna Castro Kösel

Ein Päckchen landet in den USA, ohne Absender. Es enthält eine Karte, die auf Deutsch geschrieben und von Freiburgern unterzeichnet ist. Auf Facebook wird der Absender und der geplante Empfänger gesucht – und gefunden.

"Lieber Oscar, Alles Liebe zum zweiten Geburtstag von den Freiburger*innen, Martha, Willi, Otto, Jenny, Nic" – das steht auf der Karte, die in einem Päckchen am 13. September aus heiterem Himmel bei Jo Lynne Kiester aus dem US-Bundesstaat Idaho auftaucht. Sie kennt die Namen auf der Karte nicht und ein Absender ist auch nirgends zu entdecken. "Ich war total verwirrt! Ich hatte keine Ahnung, warum ich dieses Päckchen bekommen hatte", schreibt uns Jo Lynne Kiester auf unsere Facebook-Anfrage. Sie hatte selbst auf ein Paket aus Deutschland gewartet, das aber nicht ankam. Der einzige Hinweis ist die deutsche Sprache, die Namen auf der Karte sowie der Hinweis auf Freiburg. Tausende Kilometer entfernt einen Absender unter 80 Millionen Einwohnern zu finden? Ein Ding der Unmöglichkeit, würden sich wahrscheinlich viele denken.




Jo Lynne Kiester lässt sich aber nicht aufhalten. Die Sprache des Briefs ist Deutsch, sie selbst spricht Deutsch, hat die Sprache an der Uni studiert. Deswegen wendet sie sich an ihre deutsche Freundin Ilona in Köln. Die Kölner Freundin teilt den Fund ihrer amerikanischen Freundin in der Facebook-Gruppe "Netzwerk Freiburg im Breisgau": "Erkennt jemand diese Schrift oder kennt jemand diese Personen oder sogar den kleinen Oscar? Es wäre so toll, wenn wir Oscar finden, und er sein Geschenk doch noch bekommen würde" schreibt Ilona dort.

Unerwartetes Wiedererkennen auf Facebook

Wider allen Erwartens meldet sich jemand: Eine Frau schreibt, sie habe die Namen auf der Karte erkannt. Es stellt sich heraus, dass sie die Mutter eines Freundes von einem der Kinder ist, das auf der Karte unterschrieben hat. Die Freiburger Familie des Kindes wird kontaktiert und: Volltreffer. Das Paket hätte schon Mitte Juli ankommen sollen. Aber nicht in den USA, sondern am anderen Ende der Welt – in Australien. "Der Inhalt des Pakets kam mit dem falschen Adressaufkleber an, deswegen war kein Absender drauf", teilt die Absenderin Jenny Warnecke aus Freiburg mit. Es soll mit der DHL verschickt worden sein.

"Wir hatten gar nicht mehr an das Geschenk gedacht", berichtet Oscars Mutter Lisa Turner aus Australien auf Anfrage. Die Familie ihrer Schwester wohnt in Freiburg und hatte das Päckchen anlässlich des zweiten Geburtstages ihres Sohnes Oscar versandt. Wie konnte es zu so einem Irrtum kommen? "Gute Frage!", sagt die aus Frankfurt stammende Wahl-Australierin Lisa Turner. "Wir können es uns nur so erklären, dass bei der Post der Adresszettel abgefallen ist und jemand eine andere, falsche Adresse aufgeklebt hat. Wir haben keinerlei Verbindung zu der Person in den USA." Sie haben daher gar nicht mehr aktiv nach dem Päckchen gesucht, sondern seien davon ausgegangen, dass ihre Schwester in dem ganzen Trubel vergessen hatte, das Päckchen aufzugeben.

Geburtstagsgeschenk wird zum Weihnachtsgeschenk

"Plötzlich kriege ich dann eine Mail von meiner Schwester, dass Oscars Geschenk in den USA gelandet ist. Es wird an meine Schwester zurück geschickt und wenn wir an Weihnachten nach Freiburg kommen, nehmen wir es dann ganz altmodisch entgegen." Lisa Turner wohnt mit ihrer Familie, nach einem Abstecher in Hamburg, wieder in der australischen Stadt Albury und kommt regelmäßig nach Freiburg zu Besuch. "Oscar hat von dem Ganzen kaum was mitbekommen", meint seine Mutter. "Aber irgendwann werden wir es ihm erzählen. Es ist einfach sehr rührend zu sehen, dass sich die Frau in den USA darum gekümmert hat, dass er sein Geschenk bekommt. Sie hätte es ja auch liegen lassen oder wegschmeißen können". Diese Geschichte von Oscars Päckchen zeige ihr, sagt Lisa, dass die Welt zusammenrücken könne.