Wie ein minderjähriger, jesidischer Flüchtling alleine nach Freiburg kam - und hier Halt sucht

Frank Zimmermann

Auf der Suche nach Frieden kam der junge Jeside Khaled vor vier Wochen nach Freiburg. Ohne Eltern und Verwandte floh er aus dem kriegsgeplagten Mossul, in Freiburg sucht er nach Sicherheit:



Vor vier Monaten ist Khaled H. (Name von der Redaktion geändert) nach Deutschland geflohen. Khaled ist 16, er ist allein hierhergekommen – ohne Eltern, ohne seine sechs Geschwister oder irgendeinen Verwandten. Die deutschen Behörden haben sich dafür die etwas bürokratische Bezeichnung "UMA" – unbegleiteter minderjähriger Ausländer – ausgedacht. Khaled wohnt jetzt in Freiburg, und er will auch hier bleiben.


Die Minderjährigen flüchten aus ganz unterschiedlichen Gründen alleine: Weil sie den Bombenhagel hautnah mitbekommen haben. Weil sie auf der Flucht von ihren Familien getrennt wurden. Weil sie im Krieg oder auf der Flucht Waisen geworden sind. Weil sie von ihrer Familie "auserkoren" wurden, ihr Glück in Europa zu suchen und, wenn sie es schaffen, ihre Familien daheim zu unterstützen.

Arbeiten, um Geld heimzuschicken

"Viele wollen schnell arbeiten, damit sie Geld heimschicken können", sagt Jakob Schwille vom Christophorus-Jugendwerk (CJW), einer von mehreren Jugendhilfeorganisationen, die sich in Freiburg um minderjährige Geflüchtete kümmern. Andere haben Schulden, die sie bezahlen müssen, sagt Birgit Söhne vom städtischen Jugendamt. "Ihre Jugend ist im Grunde abgeschlossen." Die meisten UMA sind laut Schwille zwischen 16 und 18 Jahre alt, es gibt aber auch jüngere unter den mehr als 480 UMA, die seit Anfang 2015 in Freiburg angekommen sind.

Das CJW hat 2015 rund 400 Jungs aufgenommen. Bei einigen stellte sich im Nachhinein heraus, dass sie doch volljährig sind, zwischen 100 und 150 wurden aufgrund einer neuen Verteilregelung in anderen Städten und Landkreisen Baden-Württembergs untergebracht, da Freiburg bisher verhältnismäßig viele UMA aufgenommen hat. Neben seiner Jugendeinrichtung in Oberrimsingen hat das CJW in Freiburg mehrere Wohngruppen mit unterschiedlich intensiver Betreuung.

"Ich will keinen Krieg, ich will keinen IS, ich möchte Frieden, nichts anderes"

Die Jugendlichen tragen häufig ein erhebliches Päckchen mit sich herum, auch wenn nicht alle traumatisiert sind, weiß Rebecca Kopp vom Fachdienst Clearing des CJW, der die jungen Flüchtlinge in den ersten Monaten betreut. Jakob Schwille vergleicht diese Anfangsphase, in der sich auch Khaled befindet, mit dem Ankommen in einer Bahnhofshalle. "Manche starten gleich durch, andere brauchen länger oder gehen rückwärts wieder raus." Die einen werden geplagt von schlimmen Verlusterfahrungen, die anderen von Heimweh.

Khaled wohnt seit kurzem in Freiburg in einer Wohngruppe mit anderen jungen Flüchtlingen unter 18. Sie allen werden im Auftrag der Stadt vom Christophorus-Jugendwerk betreut. Khaled hat einen großen Wunsch: Er will ein Leben ohne Gewalt, Angst und Todesdrohungen. "Ich will keinen Krieg, ich will keinen IS, ich möchte Frieden, nichts anderes", sagt er.

Die ganze Geschichte lest ihr bei den Kollegen der Badischen Zeitung:

Badische Zeitung: Auf der Suche nach Frieden kam der junge Jeside Khaled nach Freiburg

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[Foto: dpa]